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Zornhau - Schwert, Sport und Geschichte

Der Verein für Historische Fechtkunst in Hessen

von Jens Peter Kleinau

Nach dem Schwertkampf Seminar auf der Ronneburg im Oktober 2006 wurde mein Interesse geweckt, mehr Seminare, Vereine und Veranstalter zum Thema Schwertkampf kennen zu lernen. Als erstes nahm ich mir  Zornhau in Offenbach am Main vor. Dieser bietet Seminare und regelmäßiges Training für Schwertkampf im Speziellen und mittelalterliche Fecht- und Ringkunst im Allgmeinen an. Grund genug für mich und meinen inzwischen im Schwertkampf-Seminar-Testen erprobten Bruder, diesen Verein näher unter die Lupe zu nehmen. Da wir praktisch veranlagte Jungs sind, schauen wir zuerst auf das Wichtigste:

Das Training


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Der Verein Zornhau ist in Offenbach am Main beheimatet, besitzt keine eigene Trainingshalle, sondern nutzt die Halle des Offenbacher Fechtclub von 1863 e.V. und die Halle des TV 1861 Bieber als Übungsplätze. Die Trainingsorte sind gut gewählt, da sie als Turnhallen konzipiert sind und somit gut Platz bieten. Dieser Platz ist durchaus notwendig, denn wenn die Trainierenden mit einem meterlangen Stahlgerät Mittelhäue üben, dann braucht es rund um den Übenden zwei Meter Freiraum.

Wir nehmen das Angebot eines Probetrainings an, das jeder über 18jährige Mensch erhält, wenn er oder sie sich per Mail oder Telefon ankündigt. Als relativ sportliche Menschen (wir beide üben 2-3x pro Woche Sport aus), sahen wir den Warnungen gelassen entgegen, dass mit körperlichen Anstrengungen zu rechnen sei. Tatsächlich ist das Training jedoch gerade für Anfänger knüppelhart.

Jede Stunde beginnt mit Aufwärmübungen, die Laufen, lockeres Schattenboxen, leichtes Ringen beinhalten. Dabei dienen die kampfähnlichen Übungen dem Lockern und "Weichmachen" von Schultern, Armen und oberen Rücken. Dabei lernen bereits Anfänger schnell, dass Verkrampfen und unbedingtes Gewinnen-Wollen zu keinem Trainingserfolg führen können und Übungen nur gemeinsam mit dem Partner Erfolg haben werden. Bereits die Aufwärmübungen sind für sportlich ungeübte Menschen eine Anstrengung.

Auch das Dehnen der Muskeln und Sehnen wird bei Zornhau ernst genommen. Etwa 10 Minuten Dehnungsübungen bereiten den Körper auf die Belastung vor. Dies dient weniger dazu, gelenkiger zu werden, sondern um mögliche Krämpfe und Verspannungen zu lösen, die viele Teilnehmer aus dem (Arbeits)Alltag mitbringen.


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Nun beginnt das eigentliche Training für Anfänger: Ringen, Fallschule und dem Schwerpunkt "Fechten mit dem Langen Schwert". Jede einzelne Übung wird vorab von dem jeweiligen Trainer sorgfältig erläutert, Fragen werden sofort beantwortet.  Der Trainer und ein fortgeschrittener Schüler oder Co-Trainer führen die Übung mehrfach vor bis sie verstanden scheint. Dann sind die Schüler dran. Die Übungen werden von den Schülern durchgeführt während die Trainer durch die Halle gehen, korrigieren und Fragen beantworten. Oft führt eine Korrektur oder eine Frage zu einer weiteren Erläuterung und/oder Vorführung für alle Beteiligten. Das sorgfältige Vermitteln von Stoff scheint den Trainern von Zornhau sehr wichtig, was von den Teilnehmern absolut positiv angenommen wird. Die Schüler werden mit Fragen und Problemstellungen nicht allein gelassen, sondern ernst genommen und freundlich unterstützt.

Nach den Lehrübungen beginnt das Krafttraining gefolgt vom Abwärmen (evtl. weiteres Dehnen). Das Kraftraining ist anspruchsvoll und unterstützt die Muskelgruppen, welche sonst nur indirekt trainiert werden, aber für Haltung und Stabilität wichtig sind. So wird der obere Rücken, die Rumpf- und Bauchmuskulatur trainiert.

Man merkt, dass hinter dem Training nicht nur begeisterte Menschen, sondern auch ein Konzept steckt.

Das Konzept


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Zornhau vermittelt Historische Fechtkunst nach Liechtenauer. Dabei wird historische Korrektheit - soweit rekonstruierbar - sehr ernst genommen. In Gegensatz zu unserer Erfahrung auf der Ronneburg, wird bei Zornhau nicht versucht, moderne auf Selbstverteidigung getrimmte Kampfkunst mit historisch anmutenden Schwertkampf zu mischen, sondern historisches Kämpfen in seinem rekonstruierten Ursprung gelehrt. Beide Ansätze haben ihre Berechtigung und ihre Anhänger in der Szene. Die Ernsthaftigkeit einer Kampfkunst empfiehlt eine Spezialisierung auf eine Stilrichtung: Zornhau wählte die der historisch-deutschen Fechtschule.

Aus historischen Quellen rekonstruierten die Trainer und fortgeschrittenen Schüler im internationalen Austausch mit anderen Fechtbegeisterten die Fechtkunst des 14. und 15. Jahrhunderts. Dabei kam ihnen zu Hilfe, dass das internationale Interesse an den europäischen Kampfkünsten zunimmt und durch die Öffnung des Eisernen Vorhangs nun auch Archive verfügbar wurden, die bisher nur bedingt einsehbar waren. Einige der historischen Fechtbüchern landeten teils als Kriegsbeute teils bedingt durch vormals andere Grenzen in Osteuropa. Durch die im Reenactment auf Mittelaltermärkten aktiven polnischen und tschechischen Gruppen, kommen die alten Bücher vermehrt ans Tageslicht.

Aus den Quellen entwarf der Vorstand von Zornhau einen Trainingsplan, der Anfänger hin zu Schwertkämpfern ausbilden soll. Die bei Zornhau durchgeführten Trainingseinheiten sind in Anfänger, Gemischt und Fortgeschritten unterteilt. Anfängern werden Grundschule und Fallschule beigebracht (letzteres vermutlich, um die Verletzungsgefahr zu minimieren). In der Gemischten Trainingseinheit wird der Lehrplan konsequent verfolgt und komplexere Stücke vermittelt (gemischtes Training auch Allgemein genannt) findet je im Rahmen von Schwertkampf und "Dolch- und Ringkampf" statt).


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Im Fortgeschrittenen Training werden diese dann praktisch angewendet (soweit gesundheitlich unbedenklich) und weiter kombiniert. Ein Freikampf mit Shinai (Bambus-Schwertern) trainiert die Reflexe und die Abschätzung von Distanzen (Mensur). Je nach Temperatur, Zielsetzung der Trainingseinheit und Beherrschung der Waffe wird dieser in mehr oder weniger gepanzerten Sicherheitskleidung durchgeführt. Eine Fechtmaske ist auf jeden Fall Pflicht.

Zusätzlich wird den Interessierten noch die Möglichkeit geboten, im Studium sich an der Rekonstruktion der historischen Fechtkunst zu beteiligen und Quellenstudium zu betreiben. Dabei kommen auch weitere für die historische Epoche üblichen Waffen und Techniken zum Einsatz.

Die Konzeptarbeit von Zornhau beeindruckt und setzt sich in einer Prüfungssituation fort, bei denen die Lernenden ihr Wissen und Können überprüfen können und sich selber so besser einzuschätzen lernen.

Das Angebot

Zornhau bietet neben dem normalen Training auch immer wieder Events und Seminare an. So treffen sich die Mitglieder auf Märkten, es findet ein Sommertreffen in einem historischen Klostergut statt und unregelmäßig begeben sich die Vereinsmitglieder auf Exkursionen zu Museen, Sammlern oder anderen Orten, die mit der Fechtkunst in Verbindung stehen. Die Aufgabe, Europäisches Historisches Fechten bekannter zu machen, wird mit Begeisterung und Spaß durchgeführt.

Für Vereinsfremde finden nebenher noch Seminare statt. Die Preise für ein solches Seminar sind im Verhältnis zu den kommerziellen Angeboten absolut günstig (im September 2007 wird ein zweitägiges Seminar für 45 Euro angeboten).

Fazit


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Für uns ist das Angebot, die Idee und das Konzept von Zornhau überzeugend. Aber was uns beide letztendlich zum aktiven Beitritt überzeugt hat, waren die Menschen, die Zornhau verkörpern. Ohne Arroganz, mit Respekt und Freundlichkeit und vor allen mit viel Toleranz und Humor wurde uns Anfängern begegnet. Dazu kommt eine überzeugende Kompetenz in den vermittelten Stoffen. Insgesamt also ein Verein, den sich jeder ansehen sollte, der am Schwertkampf ernsthaftes Interesse hat.

Die Fakten:
Zornhau e.V.
Bismarckstr. 8
63065 Offenbach/M

www.zornhau.de

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