 | Leben und sterben lassen Engmann, CharlotteDu machst so was nicht gerne. Du bist eine Schwertfrau, die sich lieber mit blanker Klinge oder bloßer Faust ihren Gegnern stellt, im ehrlichen Kampf, Schwert gegen Schwert. Solche Arbeit bekommst du jedoch viel zu selten, als daß sie deinen leeren Magen füllen würde, und deshalb bist du nicht mehr wählerisch, was deine Aufträge angeht. Sicherlich könntest du deinen Körper auf der Straße anbieten, doch das lehnst du stolz ab. Aber seien wir mal ehrlich: obwohl du keine Liebesdienste feilbietest, trägst du nicht tagtäglich deine Haut zu Markte? Oder verkaufst bei Aufträgen wie diesem deine Seele? Jetzt steigst du von dem wackeligen Wagen, der dich zu dem Turm gebracht hat, und gehst mit demütig gesenktem Kopf die Treppe hinauf, dem Schwarzmagier entgegen, der von den furchtsamen Dörflern eine Jungfrau für seine finsteren Rituale gefordert hat. Eine schöne Jungfer kriegt er da, mit muskelbepackten Armen und Beinen, die einen Mann ganz schön nach Luft schnappen lassen, wenn du sie fest um seinen Leib schlingst. Der abfällige Blick des Nekromanten schmerzt dich, obwohl du dich nicht für eitel hältst, aber wenigstens hat der Schwarzmagier nicht bemerkt, daß du gar keine Bauernmaid bist. Er streckt die Hand aus, faßt dein Kinn, hebt dein Gesicht und sieht dir in die Augen. Und dort liest er die Wahrheit über dich. Er stößt einen überraschten Laut aus, dann stößt du ihm den magischen Dolch in den Leib und hoffst, daß dein Partner von einem Jahrmarktszauberer dich nicht belogen hat und das Ding auch funktioniert. Als der Schwarzmagier tot zu Boden stürzt, lächelst du bitter. Es war so einfach gewesen. Eine Hinrichtung, kein Kampf. Ein tolle Heldin bist du.
Eure Meinungen:
| Realistisch [Uwe Vitz] |
| So können sich Ideale ändern, in der Not.... [Hector XL] | |  |