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Dante und das Mosaik des Todes

Leoni, Giulio

Rezension von Hyndara

Dante Alighieri, bekannt als Dichter und Philosoph, ist stolz darauf, als Prior seiner Geburtsstadt Florenz vorzustehen - auch wenn dieses Amt nur zwei Monate währt. Er fühlt sich ohnehin zu höherem berufen und ihm scheint, als seien seinen Parteigängern dieses wie eine Offenbarung zuteil geworden und er aus diesem Grund auf seinen Posten berufen worden. Der einzig wahre, der einzig kluge Mann in ganz Florenz.

Doch statt der großen Politik und den Umwälzungen, die er sich für sein Amt erträumt hat, darf er sich mit der Genehmigung der neu zu errichtenden Bedürfnisanstalt herumschlagen und seinen Mitprioren die Welt erklären - Dinge, die ihn in ihren Augen nicht gerade sympatischer machen.

Dann, eines Nachts, wird er von einem wichtigen Experiment weggerufen, weil es einen merkwürdigen Todesfall gegeben hat: Ein Mosaikkünstler, der den Auftrag hatte, eine ehemalige Kirche in eine Universität umzuwandeln, wurde auf bestialische Weise ermordet. Dante schaudert es allein beim Anblick der ehemaligen Kirche: Ein tiefer Riß scheint in die Unterwelt zu führen und der Tote steht aufrecht vor seinem unvollendeten Werk - einem Mosaik, das offenbar Nebukadnezars Traum von den fünf Weltreichen darstellen sollte. Hier scheint wirklich einiges nicht mit rechten Dingen zuzugehen.

Dante nimmt die Herausforderung an, nicht ahnend, daß er sich ohnehin schon in Lebensgefahr befindet. Rasch lernt er Freunde des Ermordeten kennen, einen Kreis von Gelehrten, die im Auftrag des Papstes eine Universität in Florenz gründen sollen. Wer von diesen Männern ist der Mörder? Und warum ist er zum Mörder geworden? Dante verrennt sich von einer falschen Schlußfolgerung in die nächste.

Historische Romane üben auf viele Leser einen gewissen Reiz aus. Vor allem Schlagworte, bzw. Berühmte Namen, die in diesem Falle den des Autoren der berühmten „Göttlichen Komödie“, machen neugierig. Selten aber geschieht es, daß der Autor eines historischen Romans, sich an die berühmte Gestalt heranwagt.

Guilio Leoni wagt es! Und seine Darstellung Dantes ist wahrlich göttlich zu nennen. Der große Dichter und Philosoph wird nicht gerade in den strahlendsten Farben dargestellt. Dante Alighieri, der ehrgeizige Politiker, der verschuldete Künstler und Wissenschaftler mit dem übersteigerten Ego, der von sich selbst als beinahe unfehlbar überzeugt ist - ein Egozentriker par exellence. Dabei entgeht es Dante völlig, daß er sich in seiner geliebten Heimatstadt nicht gerade viele Freunde macht mit seinem Auftreten. Wie ein Holzhammer schlägt er ein und läßt auch von seinen spitzen Bemerkungen nicht wirklich. Sein Temperament scheint eh kaum zu zügeln zu sein.

Wie geschmeichelt er sich doch insgeheim fühlt, als die Stadtwache ihn um Hilfe bei dem Mordfall an dem Mosaikkünstler bittet, doch zugeben würde er das natürlich niemals. Es war ja klar, daß diese unfähigen Idioten zu ihm gekrochen kommen, fällt irgendetwas vor.

Es ist einfach köstlich, dieser Charakterisierung zu folgen! Oft genug bringt Dante die Situation selbst auf die Spitze mit seinem übersteigerten Ego. Dabei fällt ihm nicht wirklich auf, daß er selbst den ganzen Roman lang genasführt wird, und das von mehr als einer Partei.

Die anderen Figuren des Romans bleiben leider etwas hinter diesem übergroßen Hauptdarsteller zurück und wirken weitestgehend eher blaß. Selbst die Figur des Obersten der Stadtwache, der oft genug auftaucht, ist bis auf wenige Wesenszüge kaum beschrieben. Ein wenig schade.

Über die Handlung ist zu sagen, daß Guilio Leoni zwar wieder einmal die Tempelritter bemüht und ihnen eine wichtige Karte zuschiebt, das Gesamtbild diesmal allerdings lange nicht so negativ gezeichnet ist wie in so vielen anderen modernen und bekannten Thrillern. Eine lobenswerte Wendung, die gern öfter bemüht werden sollte. Auch wird den Templern das Geheimnis tatsächlich zugeschrieben wird, und das ohne große Verschwörungsknoten einbauen zu müssen. Einschlägige Literatur über die Armen Ritter vom Tempel Salomons gibt hierüber genauere Auskunft.

Auch die Finten, die Leoni immer wieder Dante in den Weg legt, erweisen sich oft genug auch als Stolpersteine für den Leser. Viel zu gern wird die eine oder andere Verschwörungstheorie angenommen, als tatsächlich über die Hinweise nachzudenken, die der Autor bewußt hier und da in seinen Roman einfließen läßt.

Alles in allem ein spannendes, amüsantes Buch mit einer, zwar nicht wirklich überraschenden Wendung, aber dennoch einer funktionierenden. Man muß sich nicht in den Labyrinthen der abstrußesten Verschwörungen verirren, um einen guten Krimi abzuliefern, etwas, das andere Autoren ruhig einmal beherzigen sollten.

Herstellerinfo:
Florenz ist im Jahre 1300 eine unruhige und unheimliche Stadt, eine Stadt, in der große Kunstwerke entstehen, wo aber auch, nur wenige Schritte von den heiligen Stätten entfernt, Verbrechen begangen und gotteslästerliche Experimente gemacht werden, lichtscheues Gesindel sich tummelt und sich hinter einem schönen Gesicht die Fratze des Bösen verbergen kann. Dante Alighieri, unter seinesgleichen zwar bekannt, aber noch nicht als Dichter der Göttlichen Komödie, ist gerade zum Prior der Stadt ernannt worden, als er nachts in eine Kirche gerufen wird, wo ein berühmter Mosaikkünstler auf grauenhafte Weise ums Leben gekommen ist. Zunächst fällt sein Verdacht auf eine Gruppe weiser Männer - ein Theologe ist darunter, ein Architekt, ein Philosoph -, Freunde des Toten, die in geheimer Mission nach Florenz gekommen sind. Aber könnten nicht auch die Abgesandten von Papst Bonifatius VIII., die in der Stadt ihre Komplotte schmieden, die Täter gewesen sein? Und ist vielleicht die schöne fremder Tänzerin in die Sache verwickelt, die allnächtlich in einer verrufenen Kaschemme auftritt? Dante, hochmütig, aufbrausend, schnell in Händel verwickelt, folgt auch den obskursten Fährten, doch als der nächste aus dem Kreis des „Dritten Himmels“ ermordet wird und er selbst um sein Leben fürchten muß, wird klar, daß das Motiv des geheimnisvollen Mosaiks den Weg zur Lösung weist.

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Wertung

 

Gesamt:

(Gut)

Anspruch:

(Entspannend)

Spannung:

(Spannend)

Brutalität:

(Vertretbar)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Ort:

Italien

Zeit:

1300

Autor:

Leoni, Giulio

Verlag:

Zsolnay, Wien

Erschienen:

Aug. 2006

Kritiker:

Hyndara

ISBN:

3-552-05390-5

ISBN(13):

978-3-5520-539-8

EAN:

9783552053908

Typ:

Hardcover

 

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