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Der traurige Polizist.

Meyer, Deon

Rezension von Claus Kerkhoff

Zwei Verbrechensserien halten die Kapstadter Polizei in Atem. Zum einen überfällt ein Bankräuber in den verschiedensten Verkleidungen Filialen der Premier Bank. Aufgrund seiner mit großer Höflichkeit vorgetragenen Überfälle nennen ihn die Medien den „Gentleman-Bankräuber“.
Zum anderen erschüttert eine Mordserie die Öffentlichkeit. Die Opfer werden durch einen Kopfschuss und einen nachfolgenden Schuss in das Herz getötet. Opfer sind Männer unterschiedlichen Alters, mit unterschiedlichen Berufen, sozialen Stellungen und sexuellen Orientierungen. Doch die Mordwaffe, eine seltene deutsche Pistole aus dem 19. Jahrhundert, weist auf einen einzigen Täter hin. Was ist sein Motiv? Rache? Wo jedoch ist die Verbindung zwischen den Opfern? Captain Matt Joubert, der die Ermittlungen der Kapstadter Mordkommission leitet, steht vor einem Rätsel.

Dabei steht Mat Joubert unter zusätzlichem Druck. Der neue Vorgesetzte ist wild entschlossen, das Department auf Vordermann zu bringen. Und Matt Joubert steht auf seiner Abschussliste – nicht nur wegen seines Übergewichts und seiner Nikotinsucht. Seit dem Tod seiner Frau vor zwei Jahren haben seine Geistesabwesenheit und seine Unbeherrschtheiten Joubert Disziplinar-Maßnahmen und jede Menge Ärger bei seinen Kollegen eingebracht. Seine Aufklärungsquote ist ebenfalls unterdurchschnittlich. Nur widerwillig akzeptiert Joubert die ihm auferlegte Ernährungsberatung und den Gang zu einer Psychologin.

Der traurige Polizist“ Mat Joubert ist ein lebendiger Toter. Seit dem Tod seiner Frau Lara, die bei einem riskanten Undercover-Einsatz ums Leben gekommen war, ist in Mat Joubert etwas gestorben. Aus Eifersucht hatte er Lara damals hinterher spioniert und wurde dabei Ohrenzeuge ihres Todes. Seine Kollegen schonten ihn und erzählten ihm nur von dem brutalen Mord. Doch sein Wissen um die genauen Umstände ihrer Ermordung, die Enttäuschung, die Wut und die Trauer haben ihn aus der Bahn geworfen. Seine Depressionen bringen Mat Joubert dazu, sich immer wieder auszumalen, wie es wäre sich eine Pistole in den Mund zu stecken und abzudrücken.
Anfangs steht Captain Matt Joubert der Psychologin Dr. Hanna Nortier sehr skeptisch gegenüber. Aber nach und nach durchdringt Hanna seinen Panzer und als Mat sich in Hanna verliebt, erwacht der Lebensfunke in Matt und auch die Ermittlungen zu den beiden komplizierten Fällen kommen richtig in Fahrt.

Doch „Der traurige Polizist“ ist keine banale Liebesgeschichte. Im Zentrum des Romans steht der schwer traumatisierte Captain Mat Joubert und seine „Auferstehung“. Mit Feingefühl und großem psychologischen Geschick entwickelt Deon Meyer aus seine Figur des groben, ungeschlachteten Joubert einen Protagonisten, der uns berührt und dessen Schicksal uns ergreift. Deon Meyer nimmt uns mit auf eine Reise in die kalte, erstarrte, innere Welt seines Protagonisten. Er lässt uns teilhaben an den Leiden und an dem schmerzhaften Prozess, sich die Wahrheit einzugestehen, sich ihr zu stellen und sie dann zu überwinden. Denn die Wahrheit zu akzeptieren ist befreiend und schafft neue Möglichkeiten für ein Weiterleben und eine positive Zukunft.
Mit der tragischen, kaputten Figur des Matt Joubert weist Deon Meyer aber auch auf den Zustand des südafrikanischen Polizeiapparats, der fest in der Hand der Buren ist, und der südafrikanischen Gesellschaft hin. Seit dem Ende der Apartheid ist die vielfach zersplitterte Gesellschaft gefangen in gesellschaftlichen Umbrüchen, in Schuldgefühlen und Komplexen. Viele ehemalige Freiheitskämpfer und Apartheid-Kämpfer haben ihren Platz in der neuen südafrikanischen Gesellschaft noch nicht gefunden. Viele Buren kommen mit den Veränderungen nicht zurecht und tun sich mit den neuen Regeln schwer. Neue Eliten ringen um Macht und Einfluss, ohne dass hierbei die Hautfarbe eine große Rolle spielt, aber nicht weniger brutal und schmutzig als in früheren Zeiten. Meyers Schilderung aktueller südafrikanischer Verhältnisse ist präzise und bleibt doch unaufdringlich. Eingebettet in der „Auferstehung“ seines Protagonisten und der Aufklärung der beiden Kriminalfälle gelingt Deon Meyer die kritische Analyse des Post-Apartheid-Südafrikas.

Dieser Thriller ist ein bemerkenswerter Debütroman. Deon Meyer besitzt ein ausgeprägtes Gespür für Spannungsbögen und -aufbau. Glaubwürdige Charaktere, sein genauer Blick für Situationen und Geschichte sowie sein ironischer Humor zeigen bereits die große Klasse des Autors. Seine Figuren besitzen eine große emotionale Tiefe und die atmosphärische Dichte seiner Erzählung zieht den Leser meisterhaft in ihren Bann - bis hin zu dem überraschenden Finale. Dabei resultiert die vibrierende Spannung weniger aus Actionszenen als aus der Interaktion der Figuren. Das alles macht die Lektüre des Romans „Der traurige Polizist“ zu einem absoluten Lesevergnügen. Sehr empfehlenswert!!!

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Wertung

 

Gesamt:

(Extrem gut)

Anspruch:

(Anspruchsvoll)

Spannung:

(Spannend)

Brutalität:

(Vertretbar)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Ort:

Südafrika

Zeit:

Gegenwart

Autor:

Meyer, Deon

Verlag:

Aufbau, Berlin

Erschienen:

Okt. 2005

Kritiker:

Claus Kerkhoff

ISBN:

3-746-62170-4

ISBN(13):

978-3-7466-217-8

EAN:

9783746621708

Typ:

Taschenbuch

 

Deon Meyer

 

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