 | Boten der Finsternis Rezension von jpk Aus der Reihe "Petra Delicado" Wenn eine Frau bei der Polizei beschäftigt ist, dann wird frau schnell zu einem Vorzeigeobjekt und schneller als frau lieb ist, wird frau zu einem Fernsehinterview geschickt, um Aussagen über die Rolle der Polizei, insbesondere der Kriminalpolizei, und der allgemeinen Sicherheit in Barcelona zu treffen. So publiziert erhält der unfreiwillige TV-Star in Kürze Fanpost von normaler und verhältnismäßig anormaler Natur. In letzterer findet sich ein Paket mit einem für Männer besonders grausamen Inhalt: ein abgetrennter Penis. Dieser wurde fein säuberlich amputiert und in Formol zwecks Haltbarkeit eingelegt. Das Objekt führt zu sofortiger Aufregung im Polizeibüro und Kommissarin Delicado betrachtet amüsiert die Reaktionen der männlichen Kollegen. Trotzdem stellt auch sie sich die Frage, woher das gute Stück denn stammt. Wie die gerichtsmedizinische Untersuchung ergibt, wurde der Penis zu Lebzeiten des Opfers abgenommen, doch hat das Opfer die Operation überlebt oder nicht? Läuft irgendwo in Barcelona ein unfreiwilliger Kastrat herum oder gar ein Irrer, der erst kastriert und dann mordet? Ist es das Rachewerk eines Vergewaltigungsopfers? Diese Fragen stehen offen und es werden noch mehr, denn in Kürze stellen sich noch weitere Pakete mit dem gleichen Inhalt ein. Immer wieder ein abgetrennter Penis zu dem eine Leiche fehlt. Bei den Paketen finden sich kleine, rätselhafte Hinweise, die offensichtlich von dem Sender beigefügt wurden. Aber wenn der Sender der Pakete, doch informieren will, warum versucht er es so kompliziert. Die Lage spitzt sich zu, als endlich eine Leiche zu einem der amputierten Penisse gefunden wird. Der Krimi ist eines der interessantesten Bücher aus der Kriminalliteratur, das ich in den letzten beiden Jahren gelesen habe – das will schon was bedeuten. Das mag daran liegen, dass die Autorin gut recherchiert hat und die dargestellte Fiktion auf Tatsachen beruht. Dies sollte der geneigte Leser beim Konsumieren im Kopf haben. Nichts ist so merkwürdig, wie die Realität. Denn wenn dies nicht beachtet wird, erscheint der Roman unglaubwürdig. Leider kann ich nicht mehr dazu sagen, ohne bereits den Lösungsweg aufzudecken. Sprachlich und vom Stil her unterscheidet sich dieser Krimi stark von den üblicherweise in Deutschland erscheinenden Romanen, amerikanisch/englisch oder deutschsprachigen Ursprungs. Lange Ausschmückungen einer Szene fehlen völlig. Die Emotionen, Tatsachen und Handlungen werden einfach und fast sachlich geschildert. Trotzdem das Buch in der Egosicht verfasst wurde, erfährt der Leser fast nichts von den Gedankengängen der Protagonistin. Ein Stil an dem man sich erst gewöhnen muss, aber es lohnt sich.
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