Kennedys Hirn Rezension von Maggy Die Archäolgin Louise Cantor reist von einer Ausgrabungsstätte zurück nach Schweden, wo sie auch ihren Sohn treffen will. Als sie dessen Wohnung betritt, findet sie ihn dort tot im Bett. Die Polizei vermutet Selbstmord und tatsächlich ergibt die Obduktion, dass er an einer Überdosis Schlaftabletten starb. Seine unter Schock stehende Mutter kann dies aber nicht glauben. Natürlich ist es schwer den Selbstmord des eigenen Kindes zu akzeptieren und so schenkt die Polizei der Frau auch kaum Gehör. Aber tatsächlich gibt sie einen Hinweis, der stutzig machen müsste: Der Tote trägt einen Schlafanzug, aber Henrik schlief stets nackt. Für Louise ist klar, dass ihr Sohn ermordet wurde und sie will in ihrer schier unerträglichen Trauer herausfinden, wer dahinter steckt. Diese Anfangsphase ist der stärkste Teil des Romans. Die Trauer der Mutter geht unheimlich nah, denn Mankell beschreibt diese Gefühlswelt sehr eindrucksvoll und ihre rastlose Suche nach dem Mörder ihres Sohnes wird sehr verständlich dargestellt. Zugleich möchte sie dadurch ihrem Sohn nahe sein und diesem ohnmächtigen Gefühl der Trauer ausweichen. Dabei entdeckt sie bei ihren Recherchen auch Seiten ihres Sohnes, die ihr bisher verborgen blieben wie etwas seine Beziehung zu Frauen. Sie reist nach Australien um ihren Ex-Mann ausfindig zu machen und trotz geringer Anhaltspunkte gelingt ihr das in relativ kurzer Zeit. Gemeinsam wollen sie herausfinden, warum ihr Sohn sterben musste. Ihre Reise führt sie nach Barcelona, doch zuletzt reist Louise alleine nach Mosambik. Dort lernt sie eine ehemalige Freundin von Henrik kennen und besucht eine Krankenstation für Aids-Kranke, wo Henrik zuletzt gearbeitet hat. Hinter der scheinbaren Humanität verbirgt sich aber ein abscheulicher Skandal. Mankell hat mit diesem Buch eine Brücke zwischen den beiden Welten geschlagen, in denen er sich selbst bewegt: zwischen Europa und Afrika. In seinen in Schweden spielenden Wallander-Romanen wird die soziale Lage auf recht grausame Weise geschildert. Im Vergleich dazu ist „Kennedys Hirn“ wesentlich ruhiger erzählt, obwohl Mankell aufrühren und das unmoralische Verhalten der Pharmaindustrie anprangern will. Mankell sagt, er habe dieses Buch in großem Zorn geschrieben und tatsächlich vermittelt er diesen und lässt den Leser nach der Lektüre mit vielen Fragen zurück. Einige Kritiker bezeichnen dieses Buch als der bis dahin düsterste Roman von Mankell. Doch die Düsternis ist in „Tiefe“ viel stärker ausgeprägt. Trauer und Zorn charakterisieren „Kennedys Hirn“ am ehesten. Doch müssen Betroffenheit und Zorn nicht unbedingt ideale Begleiter beim Schreiben sein und in der Tat verliert der Roman als er zum eigentlich Thema vorstößt an Identität und Kraft. Gewiss ist das rat- und mutloses Ende Absicht, doch scheint bei allem verständlichen Zorn die Geschichte etwas in Vergessenheit geraten. Der Kritiker Wörtche schrieb in einen Aufsatz über Krimitrends (in Buchkultur, H.07/08 2005), dass die Zeiten der Serienkiller (eine Welle auf der auch Mankell mit schwamm) abflaut und stattdessen u.a. die Ethno-Welle aufkommt. Vielleicht hat auch Mankell die Zeichen der Zeit erkannt, als er diesen Roman schrieb. Dabei ist die Geschichte nicht neu, der kürzlich verfilmt Roman „Der ewige Gärtner“ von John Le Carré behandelt das gleiche Thema jedoch im klassischen Sinn eines Thrillers, während Mankell die Plattform Krimi lediglich benutzt um auf skrupellose Machenschaften der Pharmaindustrie aufmerksam zu machen. Ob ihm das gelingt, ist fraglich, dafür sind die Andeutungen zu schemenhaft geblieben. Datenbank:0.0016 Webservice:0.0719 Querverweise:0.9153 Infos:0.0016 Verlag,Serie:0.0209 Cover:0.0002 Meinungen:0.0029 Rezi:0.0003 Kompett:1.0154 |