 | Waffe X (Wolverine #1) Cerasini, Mark; Akhavan-Zandjani, Firouzeh; Zandjani, Firouzeh Akhavan-Rezension von jpk Aus der Reihe "X-Men" In dem geheimen Labor irgendwo in Kanada liegt ein Mensch oder das was von einem Menschen übrig geblieben ist, in einer grünlichen Flüssigkeit. Eine unzählige Menge von Drähten, Schläuchen und Kabeln verbinden einen geschundenen Körper mit einer Vielzahl von Apparaturen und Messgeräten. Der Mensch hatte einen Namen: Logan. Doch nun heißt er für alle an dem Experiment beteiligten nur noch Subjekt X. Aus ihm soll eine Waffe geschaffen werden. Ein perfekter Killer mit einem Skelett aus Adamantium, einer ultraharten Legierung. Doch der Mensch - viele dachten, er hätte sich freiwillig gemeldet - wehrt sich gegen die Auslöschung seines Selbst, wehrt sich gegen die implantierten Erinnerungen. Er kann nicht verhindern, dass sie seinen Körper missbrauchen und zu einer Kampfmaschine wandeln. Er kann auch nicht verhindern, dass seine Instinkte genutzt werden, um aus ihm einen brutalen Killer zu machen. Aber er kann verhindern, dass sein eigenes Ich völlig vernichtet wird und er kann verhindern, dass sein Wille gebrochen wird. Wehe denen, wenn sich die Waffe X gegen ihre Erschaffer wendet. Die Geschichte um die Waffe-X basiert auf dem gleichnamigen Comic-Buch von Barry Windsor-Smith und enthält nur einen Teil der Vergangenheit des außergewöhnlichen Mutanten Wolverine. Tatsächlich enthält sie eine Menge von Informationen von denen wir spätestens seit dem legendären Comic-Buch "Origin" von Bill Jemas, Joe Quesada u.a. (Best of Marve, Panini, 2003, 3-89921-529-X), dass sie während des Waffe X Programms implantiert wurden. Marc Cerasini hat sich sehr eng an die Comic Vorlage gehalten. Das ist schade, denn das Marvel Comics #72 erschien 1991 und inzwischen (März 2006) sind nicht nur drei X-Men Filme abgedreht worden (und ein Wolverine Prequel ist in Planung), es sind auch mir bekante 15 weitere Comics gezeichnet und geschrieben worden, die sich mit der Vergangenheit von James Howlett aka Logan aka Wolverine beschäftigen. Spätestens seit den New X-Men #129/#130 (Sep 2002) wissen wir mehr über das X in Waffe X und in New X-Men #145 kann Logan in die Datenbank des Waffenprogramms einen Blick hinein werfen. In diesem Comic erfahren wir unter anderem, dass dem Subjekt 10 (denn das bedeutet X als lateinische Ziffer) multiple Erinnerungen eingepflanzt wurden. In Weapon X #23 (Jul 2004) erhalten wir dann einen Blick auf den mysteriösen Professor, der in dem Waffen-Programm den flüchtenden Dr. Cornelius beauftragt, aus Tieren und Menschen neuartige Waffen zu schaffen. Das Programm beginnt (soweit ermittelbar) mit einem Freiwilligen (Waffe I) und endet mit Fantomax als Waffe XII. Die Weapon X Serie wurde von Frank Tieri konzipiert und berichtet von der Wiederaufnahme des Waffen-Programms. Um eine höhere Marktakzeptanz beim Zielpublikum zu erreichen wurde das X in Waffe X nochmal umgedeutet und steht nun für das gleiche wie in X Men, denn der neue Leiter des Programms nimmt nur Mutanten in sein Team X auf, ob sie freiwillig oder unfreiwillig dazu kommen, ist ihm fast egal. Nach diesem kleinen Exkurs in die Comic Geschichte kann man sich also berechtigt fragen, warum Marc Cerasisni einem 15 Jahre alten Comic fast buchstabengetreu folgt, wenn es doch schon in der Marvel Community bekannt ist, dass einige erfundene Fakten auch in der fiktiven Welt nicht mehr stimmen, bzw. in einem anderen Kontext gesehen werden müssen. Statt dessen wirft der Autor in einem unangenehmen Anfall von Flashbacks irgendwelche Erinnerungen mit Sabretooth in den Roman, die mit der erzählten Story nichts zu tun haben. Flashbacks setzt der Autor im Sinne der Psychopathologie als Wiedererleben früherer Gefühlszustände, aber auch im filmischen Stil als Rückblende wahllos und immer wieder ein. Chronologischer Zusammenhang in einer Szene ist ihm scheinbar unwichtig und von durchschnittlich 10 Flashbacks tragen genau eines etwas zur eigentlichen Geschichte inhaltlich bei. Überflüssig, unsinnig und sogar störend sind die immer wieder eingebauten Flashbacks sogar für zweitrangige Protagonisten. Scheinbar versucht der Autor durch die Rückblenden seinen Charakteren etwas Tiefe zu geben. Doch das scheitert. Denn alle Charaktere sind flach, langweilig, prototypisch und klischeebehaftet. Cerasini hat sich bemüht, dem Roman einen realen Touch zu geben. Joint Task Four Two (JTF2) ist eine real existierende geheime Eingreiftruppe des kanadischen Militärs. Aber damit endet auch fast der kanadische Bezug und jedes Lokalkolorit bis auf eine Menge Schnee und Kälte. Das hat die Ursache in der strikten Auflage seitens Marvel, die Superhelden nicht zu fremdländisch erscheinen zu lassen (und für amerikanische Verhältnisse sind Inuit und Frankokanadier scheinbar zu exotisch, daher sind auch fast alle Namen der handelnden Personen vom Klang her anglokanadisch). Insgesamt ein enttäuschendes Buch, das sogar hinter der Comic Vorlage zurückbleibt.
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