State of Grace Dansky, Richard E.; Feldstein, Jason; Marmell, Ari Religion war bisher ein Thema, das zwar am Rande von Vampire vorkam, doch nie wirklich im Mittelpunkt stand. States of Grace soll in dieser Hinsicht Abhilfe schaffen, indem es sich diesem Aspekt als umfangreiches Quellenbuch widmet. Dabei werden in dem Buch grundsätzlich drei Ebenen unterschieden: die real existierenden Religionen, ihre vampirischen Interpretationen und die geheimen Religionen der Untoten. Im Kapitel der existierenden Religionen geht es um drei verwandte (und bekannte) Vertreter: Christentum, Islam und Judentum. Das Kapitel rollt ohne den Anspruch auf Vollständigkeit diese drei großen Religionen auf, indem es bestimmte Aspekte beleuchtet und einen Überblick gibt. Es geht um allgemeine Glaubensprinzipien, Entwicklungen, kirchliche Untergruppen usw. Bereits diese Beschreibungen sind durchsetzt von Anmerkungen zu der Welt von Vampire, wie z.B. die Religionen die Welt der Vampire beeinflußt haben oder welche Meinungen die Blutsauger zu speziellen Fragen haben. Im zweiten Kapitel wird diese Basis ausgebaut und erläutert, wie gläubige Vampire ihre Religionen interpretieren und ausleben. Dabei geht es um Fragen, wie die Vampire beispielsweise die Rolle von Kain im Sinne der christlichen Überlieferung interpretieren. In diesem Kapitel taucht dann auf einmal der Hinduismus auf, der jedoch nur sehr kurz angerissen wird. Den anderen Religionen sind sogar nur wenige Zeilen gewidmet. Extremer wird das dritte Kapitel mit den kainitischen Religionen. Auch hier finden sich viele Variationen menschlicher Konzepte, die jedoch oftmals stark modifiziert wurden. Die meisten dieser Sekten sind kleine Splittergruppen mit radikalen Glaubensansichten und oftmals fanatischen Tendenzen. Abgerundet wird das Ganze durch einige Profile religiöser Gruppen und Hinweisen für Erzähler. Auf Regeln wird dankenswerter Weise völlig verzichtet. Am Ende fällt es schwer, States of Grace zu beurteilen. Einige Texte werfen interessante Fragen auf und haben durchaus brauchbare Ansätze. Andere Dinge sollten aber allgemein bekannt sein (bzw.schon woanders erläutert wie z.B. die Ashirra) oder sind nicht wirklich relevant. Wer beispielsweise dem Islam eine wichtige Rolle in seiner Chronik zubilligen will, weiß sicherlich bereits genug, um nicht auf ein solches Quellenbuch angewiesen zu sein. In den vampirischen Splittersekten stecken zwar nette Ideen, aber mehr als eine solcher Gruppen wird niemand wirklich verwenden. Die ganze Argumentation, Religionen im Unleben der Vampire stärker einzubauen, ist fragwürdig. Spieler, die diesen Aspekt im Spiel ausleben wollen, brauchen dafür sicher kein Quellenbuch, und jeder andere Spieler kann erst recht darauf verzichten. Auch wenn States of Grace sicherlich einige Stärken hat, ist es im Gesamten leider recht überflüssig. Diese Rezension entstand mit freundlicher Genehmigung der Redaktion des Magazins Mephisto. Mehr Rezensionen, Abenteuer und Berichte aus der Welt der Phantastischen Spiele in jeder neuen Ausgabe der Mephisto.
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