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Shadowgrounds

Frozenbyte

Rezension von Cronn

Mein Schnellfeuergewehr rattert und spuckt den heranstürmenden Aliens Tod und Verderben entgegen. Die Munition meiner Pulse-Rifle nähert sich in beängstigenden Schritten dem Nullpunkt. Alle meine anderen Waffen sind bereits leergeschossen. Schweiß sammelt sich auf meiner Stirn.
Ein Gegner nach dem anderen wird von den Projektilen getroffen und sinkt in einer Blutlache zu Boden. Doch es kommen noch immer neue Feinde aus der Dunkelheit heran. Meine Taschenlampe flackert und erlischt – keine Energie mehr. Ich stehe nun in nahezu absoluter Dunkelheit und höre das Kreischen von Krallen auf Metall, als sich die Aliens an mich heranpirschen. Kein Licht mehr, um sie abzuschrecken...
Ich taste mich nach links in einen Gang, öffne dort ein Schott und finde mich in einer Waffenkammer wieder. Ein breites Grinsen stiehlt sich auf mein Gesicht. Gerade rechtzeitig gefunden, denke ich und packe Magazin um Magazin ein. Dann lade ich die Pulse-Rifle durch, entsichere die Waffe und trete erneut hinaus in den dunklen Gang.
In der Zwischenzeit hat sich auch meine Taschenlampe wieder aufgeladen und ich schalte sie an. In ihrem Licht flüchtet ein halbes Dutzend Alienspinnen, aber ich lasse sie nicht weit kommen. Das Gewehrfeuer hallt laut durch die Gänge der verlassenen Wasseraufbereitungsanlage. Die Feuerstöße erhellen die blutbespritzten Wände. Diesmal hatte ich noch Glück, doch wie wird es erst sein, wenn ich mich außerhalb der Anlage auf der Oberfläche des Jupitermondes aufhalten werde...?

SHADOWGROUNDS ist das neue Action-Game von Frozenbyte, das hierzulande vom Publisher dtp Entertainment AG vertrieben wird. Der finnische Entwickler ist ein gutes Beispiel dafür, dass auch heutzutage es noch möglich ist, als junges Team mit Elan und frischen Ideen im Computerspiele-Business aufzutreten und große Verträge an Land zu ziehen. War das Spiel zunächst mit seiner Engine für einen Strategietitel vorgesehen, so änderten die Entwickler von Frozenbyte dies bald zu einem reinen Actiongame. Und das war gut so, wie bislang alle Reviews von deutschen Spielezeitschriften bezeugen.
Aber kann SHADOWGROUNDS im Test des X-Zine bestehen?

Story:
Im Jahre 2030 steuerte die Welt auf eine Katastrophe zu. Anhaltende Umweltverschmutzung und Überbevölkerung bedrohten überall auf der Erde die Existenz der Menschheit. Man suchte das Heil in der Raumfahrt und gründete die ISEU ("International Space Exploration Unit"), um Informationen über zur Besiedelung geeignete Planeten zu erhalten und Wege, diese Planeten bewohnbar zu machen. Diese Methode wurde „Terraforming“ genannt. Es war eine großartige Entdeckung, als die ISEU den Jupitermond Ganymed als für die Menschen geeignet zum Terraforming-Prozess und Kolonisierung betrachtete.
Zusammen mit einem privaten Militärkonzern brachte die ISEU die nötigen finanziellen Mittel auf, um den Plan in die Tat umzusetzen. Unbemannte Raumschiffe wurden gestartet, welche den Terraforming-Prozess einleiteten. Im Jahr 2070 gelangten erstmals Menschen auf den Mond Ganymed und fanden bereits halbwegs gute Lebensbedingungen vor. Es existierte eine Atmosphäre und die Temperatur stieg Monat für Monat. Man nannte die gegründete Kolonie „New Atlantis“ und bereits im Jahr 2096 erreichte die Bevölkerung einen Höchststand von 8000 Personen.
Ein Sicherheitsbeamter der Stadt war Wesley Tyler. Bei einem Unfall wurden Männer seines Teams getötet und man gab ihm die Schuld an den Geschehnissen. Wesley Tyler wurde degradiert und in die Außenposten der Ganymed-Kolonie entsandt. Dort fristet er sein Dasein als Reparatur-Techniker. In dieser Funktion wird er zu Hilfe gerufen, als die Elektrizität der Kolonie ausfällt. Er soll im Kraftwerk nach dem Rechten sehen. Doch was er vorfindet, übersteigt seine Erwartungen bei weitem...
Die Story von SHADOWGROUNDS ist umfangreich und dient wesentlich der Schaffung von Atmosphäre. Das Spiel selbst unterstützt diese Stimmung ebenfalls und daher wirkt alles wie aus einem Guss.

Gameplay:
SHADOWGROUNDS ist ein Top-Down-Shooter, reiht sich damit ein in die Riege unvergessener Klassiker wie “Alien Breed” oder “Take No Prisoner”, alle aus alten Tagen der PC-Spielewelt. Es ist geradezu unglaublich, dass dieses Spielprinzip lange Jahre ungenutzt blieb, quasi einen Dornröschenschlaf schlummerte, bis sich Frozenbyte daran erinnerte. Man steuert seinen Helden Wesley Tyler in der absoluten Draufsicht (keine Iso-Perspektive!) durch die Gänge der Kolonie-Stationen und über die Oberfläche von Ganymed. Die Kamera schwenkt dabei automatisch mit, wenn sich der Held in die verschiedenen Richtungen dreht und bewegt. Eine freie Kamera ist optional, wird aber nur Experten empfohlen, da die Steuerung nicht einfach ist und man als Anfänger leichter mit der Standard-Steuerung zurechtkommt.
Mit Hilfe einer Taschenlampe leuchtet man dunkle Ecken aus (mehr zu den Licht/Schatteneffekten unter dem Punkt "Grafik") und sucht nach Waffen, Munition, Magnetkarten, etc. Manche der auftauchenden Aliens werden übrigens vom Licht abgeschreckt, während andere geradezu magisch davon angezogen werden.
Ein Radar („Alien“-Fans würden „Motion-Tracker“ dazu sagen) zeigt die Position der Feinde als rot blinkende Punkte an, während ein Piep-Ton die Nähe der Gegner betont, indem er langsam bis schnell pulsiert. Das schafft eine grandiose Atmosphäre, welche an Filme wie „Aliens“ erinnert.
Doch damit nicht genug. Die konsequente Einbindung von stimmungsvollen Licht/Schatteneffekten weckt Erinnerungen an „Pitch Black“. Gerade wenn man sich über die Mondoberfläche bewegt und versucht, innerhalb des mit Lampen festgelegten Pfades zu bleiben, um die Taschenlampe zu schonen und das Licht gegen die Feinde zu nutzen, fühlt man sich an Szenen aus diesem Horror-SF-Film erinnert, der schon zu einem modernen Klassiker gezählt werden kann.
Die geniale Atmosphäre wird zudem unterstützt von weiteren Grafikeffekten, auf die im nächsten Punkt eingegangen wird.
Dem Spieler stehen 10 verschiedene Waffen zur Verfügung, mit denen er sich seiner Haut erwehren kann. Das Arsenal reicht von der einfachen Pistole, über Pulse-Rifle, Shotgun, bis hin zu Raketenwerfer und Flammenwerfer. Bis dahin nichts Innovatives, aber ein sehr gut durchdachtes Modifikations-System erweitert jede Waffe. Drei mögliche Mods gibt es pro Waffe, die den Knarren interessante Zusatzfunktionen verleihen. Die Modifikationen werden durch Einsatz aufgesammelter Upgrade-Teile (von getöteten Feinden hinterlassen) freigeschaltet. Die geschickte Wahl der Upgrades verleiht SHADOWGROUNDS zu einem kleinen Rollenspielaspekt, was das Spiel über die Masse der simplen Action-games hinaushebt.
Einziger Spieledesign-Schnitzer: Es kann weder frei gespeichert werden, noch gibt es festgelegte Speicherpunkte. Die Spielfigur kann 5 Mal wiederbelebt werden, danach heißt es „Game Over“. Das ist besonders ärgerlich, wenn man bedenkt, dass manche Levels des Spiels sehr umfangreich sind und es extrem frustrierend ist, beißt man kurz vor dem Levelende noch ins Gras. Solcherlei Design-Entscheidungen sollten eigentlich der Vergangenheit angehören.

Grafik:
Das Spiel benutzt eine selbstentwickelte Grafikengine von Frozenbyte, welche in der Lage ist, sehr gute Effekte auf den Bildschirm zu zaubern. Allen voran bezaubern die Licht/Schatteneffekte. Jeder, aber auch wirklich jeder Gegenstand wirft korrekte Schatten, wenn er angeleuchtet wird. Dieser Schatten erscheint überdimensional auf den Böden und Wänden, so dass allein hiervon der Spieler schon an einigen Stellen erschreckt wird, weil er den Schatten für ein Alien-Monster hält. Dieser Effekt ist dermaßen überzeugend, dass er einen Großteil der Atmosphäre von SHADOWGROUNDS ausmacht.
Die Feuereffekte sind mit ihrem Hitzewabern ebenfalls State-of-the-art, sowie die Partikeleffekte, die man bei Funken sprühenden Kurzschlüssen, oder zersplitternden Fenstern sehen kann. Nahezu alle Gegenstände sind zerstörbar, so dass ein Effektfeuerwerk auf dem Bildschirm abgebrannt wird, das manchen Ego-Shooter alt aussehen lässt.
Wettereffekte gibt es ebenso. Befindet man sich auf der Oberfläche, heult der Wind und biegt die Bäume und Büsche. Regentropfen fallen aus dem (unsichtbaren) Himmel herab. Tristesse überall, wohin man sieht. Stark!
Die Story wird übrigens in Cutscenes weitererzählt, welche passend mit der Grafik-Engine realisiert wurden.

Sound:
Stimmungsvolle Klangteppich aus Synthesizer-Musik sind dem Spiel unterlegt. Diese unterstützen die Atmosphäre des Games kongenial.
Die Soundeffekte von Waffen und Spielumgebung sind brachial und kommen besonders gut an, wenn man sein Boxensystem ordentlich aufgedreht hat.

Multiplayer:
SHADOWGROUNDS unterstützt kein Internet-Multiplayer, sondern einen Mehrspieler-Modus, der an einem PC gespielt werden kann. Dieser Modus erfordert mehrere USB-Gampads. Besitzt man solche, können bis zu 4 Spieler an einer Spiele-Sitzung teilnehmen. Das Besondere daran ist, dass man kooperativ vorgeht, d.h. dass man gemeinsam gegen die Aliens antritt und sich gegenseitig unterstützt. Dieser Modus wird von Spielern sehr geschätzt und erlangt mehr und mehr Aufmerksamkeit von Seiten der Spieleindustrie.
Dass es ein großer Spaß sein kann, zusammen mit 3 Freunden am heimischen Rechner zu sitzen und sich gegenseitig Feuerschutz zu geben (natürlich mit den passenden Kommentaren dazu ;-) versteht sich eigentlich fast von selbst.
Cover-Design: Besondere Erwähnung sollte das ansonsten sträflich vernachlässigte Box-Design finden. Hier wurde eine schön gestaltete Klappdeckelbox verwendet. Auf der Vorder- und Rückseite wurde mit Prägungen und Glanzeffekten gearbeitet, erstere unterstreichen den Titel, letztere sind im Stil von Blutspritzern gehalten. Das gesamte Design wirkt im positiven Sinn schmutzig, abgenutzt. Toll!
Fazit:
Der Top-Down Shooter SHADOWGROUNDS ist eine erfreuliche Überraschung in diesem Spiele-Herbst. Kaum von einer großangelegten Werbekampagne im Vorfeld getragen, überrascht und besticht das Game durch seine hervorragende Atmosphäre, das fast hundertprozentig stimmige Spieldesign und eine deutsche Synchronisation, welche nicht mit kantigen Sprüchen geizt.
Wer schon lange auf der Suche nach einem Action-Titel abseits der Ego-Shooter Manie war, der wird bei SHADOWGROUNDS garantiert fündig werden. Dringende Kaufempfehlung!

USK Einstufung: Freigegeben ab 16 Jahren gemäß § 14 JuSchG

Systemvoraussetzungen:
Windows 98/ME/2000/XP
733 MHz Intel P3 oder vergleichbarer Prozessor
128 MB RAM
32 MB DirectX-kompatible Grafikkarte
4x CD-ROM
700 MB freier Festplattenspeicher
DirectX-kompatible Soundkarte
Maus/Tastatur/Lautsprecher


Screenshots:
Shadowgrounds (PC)

Copyrights Screens by Frozenbyte

zur offiziellen deutschen Produkt-Webseite: bitte hier klicken.


Eure Meinungen:


Sau hammer game !
[Skyhunter]

Multiplayer ist unspielbar, da sich die Kamera immer immer zwischen den Spieleren zentriert. Grnaues Zielen wird dadurch zur Unmöglichkeit. Singleplayer ist absolut top, speziell der Soundtrack.
[asdf]

Ja. Es ist ein gut finnish Spiel! :>
[Lauri]

Singleplayer is endgeil...macht richtig fun zu zoggn. aber: freies speichern sollte möglich sein und netzwerk und onlinemodi sollten wenigstens nachgeliefert werden... trotzdem, dies ist das erste spiel seit langem, bei dem ich einfach nicht aufhören konnte zu spielen
[cleric]

Sau geiles game super Atmosphäre spielspaß pur. Hab die Demo durchgezockt und nun brauch ich unbedingt die Vollversion. Kann das Spiel nur empfehlen
[Anthraxx]

Hallo an Alle, ich kann das Spiel nur wirklich jedem weiterempfehlen. Die Grafik, die Story und das eigentliche Spielprinzip sind einfach genial. Die stimmungsvolle Musik, passend zu jeder Situation, ist meiner Meinung auch ein weiterer Pluspunkt. Das Spiel hat mich so gefesselt, dass ich es in wenigen Tagen durchgespielt habe. Einziges Manko empfinde ich wie der Berichteschreiber die fehlende Speicherfunktion. Gott sei Dank durfte ich diese Erfahrung erst in der letzten Mission in vollem Umfang genießen als ich anscheinend von einem Turm tödlich getroffen wurde, obwohl ich den Alien erledigt hatte und so den Abspann erst nach einem erneuten Spielen der letzten Mission genießen konnte. Dennoch im großen und ganzen hat mich diese Option sehr angespornt das Spiel zu beenden, aber liebe Programmierer verschont uns mit Spielen ohne Speicherfunktion!
[Dixon Dell]

Super Spiel! Und Multiplayer hat mir persönlich noch um einiges mehr Spaß gemacht...Nur zu empfehlen
[Hugo]

Der Singeplayer-Modus macht wirklich Spaß und weist eine tolle Atmosphäre auf, nicht zuletzt durch die Licht-Schatten-Spiele und den Soundtrack. Spielumfang ist zwar nicht soo riesig, aber für den mittlerweile niedrigen Preis ist es sehr empfehlenswert.
[Skilance]

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Wertung

 

Gesamt:

(Extrem gut)

Schwierigkeit:

(Anspruchsvoll)

Spannung:

(Fesselnd)

Brutalität:

(Vertretbar)

Grafik:

(Gut)

Sound:

(Gut)

Spieltiefe:

(Gut)

Steuerung:

(Extrem gut)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Autor:

Frozenbyte

Verlag:

dtp Entertainment AG

Erschienen:

Nov. 2005

Kritiker:

Cronn

ISBN:

3-899-56406-5

ISBN(13):

978-3-8995-640-8

EAN:

9783899564068

Typ:

Computerspiel

 

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