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Die Kristallwandler

Flock, Anika

Rezension von goswin

Elderas lebt auf der kalten, eisigen Nachtseite Narus, während Meruna auf der heißen, vulkanischen Tagseite lebt. Keiner weiß um die Existenz des anderen, dennoch sind beide gezwungen, sich auf den Weg in jene gefährliche Gegend zu machen, die beide Welten trennt: den Sturmbann. Doch beide müssen erst lernen, den Kristall, der in ihrer Brust wohnt, zu nutzen, um Eis bzw. Feuer ihrem Willen zu unterwerfen…

"Die Kristallwandler" von Anika Flock ist im BoD (Books on Demand) Verlag, Norderstedt, erschienen. Sofort fällt das ungewöhnliche Format des Buches auf. Es wirkt mit ca. 22x17cm auf den ersten Blick nahezu quadratisch. Warum für das Buch diese Form gewählt wurde, ist nicht ersichtlich. Nachteilig wirkt sich das Format auf die Lesbarkeit des Textes aus, denn durch die breiteren Seiten werden die Zeilen länger, der Text wirkt kompakter und man verrutscht schon mal beim Zeilenwechsel. Zudem ist das Buch dadurch deutlich umfangreicher, als es die Seitenzahl 388 vermuten ließe. In einem regulären Buchformat würde der Text sicherlich an die 500 Seiten haben. Ebenfalls ungewöhnlich ist der Kapitelwechsel. Unüblicherweise beginnt ein neues Kapitel nicht auf einer neuen Seite, sondern ein paar Leerzeilen unter dem vorherigen.

Das Cover zeigt einen roten und einen blauen Kristall vor einem steinernen Hintergrund, der zum Teil durch Nebel oder Rauch verdeckt wird. Das Bild setzt sich auf der Rückseite fort, auf der aber nur noch Nebel zu erkennen ist. Die beiden Kristalle passen gut zum Inhalt, der Hintergrund weniger. Der Titel passt bedingt. Zwar geht es um die beiden Kristalle, aber das Wort "Wandler" erschliesst sich nicht ohne Weiteres.
Die Rückseite des Buches gibt eine kurze Inhaltsangabe und ein Bild der Autorin. Auf der Außenseite findet sich die ISBN des Buches, aber die sonst übliche Angabe eines Verlages fehlt.

Im Buch findet man dann erneut die Inhaltsangabe und eine Kurzbiographie der Autorin, mit einem Hinweis auf ein bereits erschienenes Buch und ihre Homepage. Das Inhaltsverzeichnis weist 17 Kapitel aus, die römisch nummeriert sind und je eine Kapitelüberschrift tragen, die zum jeweiligen Inhalt passt. Zudem gibt es eine doppelseitige farbige Karte der Welt, in der der Roman spielt. Im Anschluss an den Roman findet man einen Anhang, der sowohl wichtige Personen benennt, als auch Glossar ist. Eine Unterteilung in Personenliste und Glossar wäre schöner gewesen, ist aber nicht unbedingt nötig.

Ein Buch, welches bei BoD erscheint, muss mit dem Vorurteil leben, es bei einem etablierten Verlag nicht ins Programm geschafft zu haben.
"Die Kristallwandler" hat es mit diesem Vorurteil sicher nicht leicht, denn man findet schnell Mängel, die eigentlich nur auf ein ungenügendes Lektorat schließen lassen. Nimmt man sich aber die Zeit und urteilt erst am Schluss des Buches, so fallen diese Mängel aber kaum noch ins Gewicht und das Vorurteil ist widerlegt.

In Anika Flocks Roman geht es um eine von ihr erdachte Phantasiewelt, bzw. zwei Welten in einer. Sie bedient sich hierbei nicht der einfachen Methode, sich auf das irdische Mittelalter zu beziehen, sondern erschafft komplett neu. Ihre Sprache ist nicht trivial, eher im Gegenteil. Sie neigt zu längeren, verschachtelten Sätzen, die wegen des erwähnten Buchformates anfangs schwer zu lesen sind. Hat man sich aber an den Stil gewöhnt, ist er sehr gut zu lesen.

Wer wie Anika Flock eine komplett neue Welt erschaffen will, steht vor einem Dilemma. Denn wie macht man diese Welt für den Leser lebendig, ohne ausufernde Abhandlungen über Geografie, Flora und Fauna usw. zu schreiben? Die Autorin hat einen guten Mittelweg gewählt. Die Darstellung der Welt Naru hat sie in die Handlung einfließen lassen, so dass man im Laufe des Romans ein immer besseres Verständnis für die Umgebung bekommt. Allerdings schafft sie das nicht ohne einige Längen. Das bessert sich aber im Laufe der Handlung. Je weiter die Geschichte voranschreitet, je mehr man also bereits von der Welt weiß, desto mehr verzichtet die Autorin auf solche Beschreibungen zugunsten der Handlung.

Leider sind der Autorin dabei aber auch Fehler unterlaufen. Während sie anfangs viel Wert darauf legt, den Dingen neue Namen zu geben, damit man die neue Welt, in der man sich befindet, auch als solche ständig wahrnimmt, so verlässt sie diesen gute Vorsatz später. Es schleichen sich oft Begriffe ein, die mit der Phantasiewelt der Autorin nichts zu tun haben. "Hexengebräu", "Engelshaar" oder "Feuerteufel" sind einige der Begriffe, die auftauchen und den Lesefluss unterbrechen. Solche irdischen Worte passen nur dann in eine neu erschaffene Phantasiewelt, wenn die Autorin diese Worte entsprechend neu belegt oder erklärt. Wenn es aber weder Hexen oder Engel in ihrer Welt gibt, stellt sich die Frage, was die Worte dann im Buch zu suchen haben. Gleiches gilt für Worte, die eher wissenschaftlich belegt sind, wie "Kilometer", "0 Grad" oder "Planet".
Solche Fehler wären sicher durch ein paar Testleser mehr oder ein ausführlicheres Lektorat gefunden worden, so fallen sie unangenehm auf.

Es fehlen leider auch einige hintergründige Aspekte ihrer Welt. So beschreibt sie zwar ausführlich zwei Götter, geht aber kaum auf Fragen ein, die sich zwangsläufig im Zusammenhang mit Religion stellen wie z. B. die Frage nach dem Jenseits. Sie erwähnt solche Themen zwar ansatzweise, geht jedoch leider nicht näher darauf ein.

So, wie die Autorin anfangs mehr Wert auf die neu zu beschreibende Welt als auf die Handlung legt, geht sie auch mit ihren Figuren um. Während sie anfangs viel Zeit in die Charakterisierung steckt und somit einige Längen verursacht, erwachen die Figuren dadurch aber recht schnell zum Leben und sind für den Leser greifbar. Das ist in diesem Falle schwierig, da es vier Gruppen von Charakteren gibt, die jeweils sehr verschieden sind. Die Autorin schafft es aber, nicht nur diese Gruppen zu charakterisieren, sondern auch den einzelnen Individuen ein Gesicht zu geben.
Nicht ganz so gut gelungen ist die Darstellung der Entwicklung der Charaktere im Laufe der Handlung. Dort gibt es hin und wieder Szenen, in denen man als Leser zwar nicht stirnrunzelnd den Kopf schüttelt, weil man die Handlungen der Figuren nicht nachvollziehen kann, aber an mancher Stelle wackelt man doch leicht zweifelnd mit dem Kopf.

"Die Kristallwandler" ist sicher kein Buch, welches von der ersten Seite an den Leser von einer spannenden Situation in die nächste bringt. Im Gegenteil, die Spannung wächst sehr langsam. Da man bereits durch den Buchrücken einen Teilaspekt der Handlung voraussehen kann, nährt sich die Spannung aus der Neugier, wie dies wohl ablaufen wird. In den letzten Kapiteln wird es dann spannender, jedoch verschleppt die Autorin die Handlung hier abermals ein wenig, so dass das Finale keinen großen Knall bietet, sondern in eher ruhigen Szenen die Handlungsfäden auflöst.

Es ist sicherlich Geschmackssache, ob man spannende Romane solchen vorzieht, die mehr Wert auf Inhalt und umfassendere Charakterisierung von Personen und ihrer Umgebung legen. Ein wenig mehr Spannung zugunsten einiger vielleicht weniger wichtigen Szenen wäre sicherlich möglich, aber letztlich muss jeder Autor dies für sein Werk selbst entscheiden.

Bei der Besprechung dieses Buches darf die philosophische Seite nicht zu kurz kommen. Anika Flock beschreibt ausführlich zwei Gesellschaftsordnungen, die verschiedener kaum sein könnten. Sie bringt dem Leser nahe, wie unterschiedlich man mit seinen Mitmenschen und seiner Umwelt umgehen kann, wenn man große Macht hat. Es gelingt ihr dabei, nicht in einfache Klischees zu verfallen, sondern glaubwürdig mit diesem nicht-trivialen Thema umzugehen.

Allerdings kann sie für den Konflikt, der sich aus der Begegnung der gegensätzlichen Ansichten entsteht, auch keine Lösung anbieten. Dies ist ein wenig unbefriedigend, da man schon davon ausgeht, dass ein Autor zumindest eine Lösungsidee hat, wenn er solche Themen aufgreift und seine Charaktere in ein moralisches Dilemma bringt. Doch hier bleibt die Handlung leider offen. Das fällt besonders beim Finale auf, bei dem zwar die Handlung beendet wird, aber einige wichtige Fragen unbeantwortet bleiben.

Vielleicht plant die Autorin aber auch eine Fortsetzung, in der jene Fragen beantwortet werden. Zwar sieht das Finale nicht nach einem Cliffhanger aus, aber ausgeschlossen ist es auch nicht.

"Die Kristallwandler" ist ein Roman, der zwar einige Klischees eines BoD-Romans bestätigt, aber in der Summe auch das Zeug hätte, es in das Programm eines etablierten Verlages zu schaffen. Die kleinen Fehler, die durch Überarbeitungen gefunden werden könnten, fallen in der Gesamtbeurteilung kaum ins Gewicht. Andere veröffentlichte Fantasy-Romane weisen eklatantere Mängel auf und sind trotzdem auf dem Markt.

Abgesehen davon ist es der Autorin gelungen, ein in sich schlüssiges Buch zu schreiben, in dem sie glaubhaft eine neue Welt entstehen lässt, in der lebendige Charaktere wandeln. Zwar ist das Buch nur wenig spannend, trotzdem schafft Anika Flock es, den Leser zu fesseln. Philosophische Ansätze machen das Buch auch zu einem Ansatzpunkt für eigene Überlegungen, auch wenn es leider keine eigenen Lösungsideen präsentiert.

Alles in allem ein empfehlenswertes Buch für jene Leser, die nicht unbedingt Nervenkitzel brauchen, um ein gutes Buch zu lesen. Anika Flock zeigt, dass BoD-Bücher durchaus von guter Qualität seien können und entkräftet damit Vorurteile.

Hinweis: Wer sich vorab ein Bild vom Buch machen möchte, kann auf der Homepage der Autorin (www.anikaflock.de) einige Textpassagen probelesen. Zudem findet sich dort auch die farbige Landkarte noch einmal.

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Wertung

 

Gesamt:

(Gut)

Anspruch:

(Entspannend)

Spannung:

(Unterhaltsam)

Brutalität:

(Jugendfrei)

 

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von Edith Nebel

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Homepage Anika Flock
Bod, Norderstedt

 

Infos

 

Sprache:

Deutsch

Autor:

Flock, Anika

Verlag:

Bod, Norderstedt

Erschienen:

Sep. 2005

Kritiker:

goswin

ISBN:

3-833-43403-1

ISBN(13):

978-3-8334-340-7

EAN:

9783833434037

Typ:

Taschenbuch

 

Anika Flock

 

1974 in Worms geboren
1994 Abitur [mehr]

 

  [mehr]
 

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