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Der Dämon und die Jungfrau

Bava, Mario (Regie); Lavi, Daliah; Lee, Christopher; Kendall, Tony

Rezension von Thomas Wagner
Aus der Reihe "The Films of Mario Bava"

Mitte des 19. Jahrhunderts, irgendwo in Europa: In einem düsteren, alten Schloß residiert - gemeinsam mit seinem Sohn Christian, dessen Frau Nevenka und seiner Nichte Katia - der alte Graf Menliff. Eines Abends kehrt überraschend Kurt, der verstoßene und enterbte ältere Sohn des Grafen ins Schloß zurück. Ihm wird der Selbstmord der Tochter der Haushälterin Giorgia angelastet, die sich erdolchte, nachdem dieser sie entehrt und dann verlassen hatte. Der Empfang im Schloß ist nicht gerade herzlich und schon am nächsten Morgen macht Kurt seinem schlechten Ruf als „schwarzes Schaf“ der Familie wieder alle Ehre: Erst belästigt er Katia, im Anschluß verlangt er von seinem Vater, ihn wieder als Erben für Titel und Besitz einzusetzen und schließlich läßt er auch seine alte Affaire mit Schwägerin Nevenka wieder aufleben – eine Liason, die keinesfalls alltäglicher Natur ist, denn die masochistische Nevenka verfällt dem dominanten Kurt gegenüber in eine offenkundig sexuelle Abhängigkeit. Doch nach einem Intermezzo mit seiner Schwägerin wird Kurt eines Nachts ermordet aufgefunden – wer war der Täter? Niemand scheint ihm ernsthaft nachzutrauern, niemand außer Nevenka, die sich schließlich den nächtlichen Heimsuchungen seines Geistes ausgesetzt sieht...

Der abermals ziemlich dümmliche deutsche Verleihtitel „Der Dämon und die Jungfrau“ (der Originaltitel lautet „La frusta e il corpo“, was nichts anders bedeutet als „Die Peitsche und der Leib“) mag, ebenso wie einige der damaligen reißerisch aufgemachten Filmplakate, falsche Assoziationen wecken - die plakative Zurschaustellung eines gepeitschten Frauenkörpers ist durchaus nicht das Thema dieses 1963 entstandenen Klassikers. Unter der Regie von Horror-Maestro Mario Bava geriet der Film zu einem, im gotischen Schauerambiente angesiedelten, phantastischen Drama um Wahnsinn und Sadomasochismus, in dem die klassischen Horrorelemente Sex und Tod eine ähnlich gelungene Symbiose eingehen wie in Riccardo Fredas berüchtigtem Nekrophiliethriller „L’orribile segreto del Dottore Hichcock“ (für dessen Drehbuch übrigens ebenfalls Autor Ernesto Gastaldi verantwortlich war). Vordergründig präsentiert sich die hier erzählte Geschichte als eine Art gotisches „Whodunit“: Das Rätsel um die geheimnisvollen Morde und die Frage, ob es sich nun um einen Täter aus Fleisch und Blut oder um einen Geist handelt, stehen zunächst im Mittelpunkt. Doch im Verlauf der Handlung fokussiert sich die Story mehr und mehr auf Nevenka und ihre masochistische Obsession für den finsteren Adelssproß Kurt Menliff, und offeriert dem Zuschauer zugleich einen Trip in die dunklen, verborgenen Seiten der menschlichen Psyche. Mario Bava gelang es, das Thema Sadomasochismus auf eine zugleich höchst ästhetisierte wie verstörende und psychologisch komplexe Art zu verarbeiten, ohne dabei jemals moralisch zu bewerten oder sich, was einfach gewesen wäre, in simple Exploitationbereiche zu begeben. Zwar muß Nevenka - aufgrund der herrschenden gesellschaftlichen Konventionen - an ihrer Leidenschaft scheitern und zugrunde gehen, doch wird sie im gesamten Film niemals als "krank" oder "pervers" denunziert und wird vor dem Hintergrund der verrotteten und heuchlerischen Sippe der Menliffs sogar recht schnell zur eigentlichen Sympathieträgerin der Geschichte.

Düster-unwirkliche Technicolorfarben und essentielle Stilmittel des klassischen Gothic Horror (das alte Schloß, eine unheimliche Gruft, verwinkelte Geheimgänge etc.) dominieren die Szenerie. Den ganzen Film hindurch schwelgt Bava in dieser traumhaften, gotischen Atmosphäre, perfektioniert diese jedoch noch durch eine Reihe unglaublich virtuoser Beleuchtungstricks – so werden die Farben hier zu einem eigenen Ausdrucksmittel, zu einer Sprache, und die Ausdruckskraft dieser Bildsprache wird durch Carlo Rustichellis wunderbare Musik (dessen Windsor Concerto hier als immer wiederkehrendes, mehrfach variiertes Leitmotiv fungiert) noch intensiviert und vervollkommnet. Die Szenen, in denen Nevenka sich Kurts Leidenschaften (= seinen Peitschenhieben) hingibt, sind in einem irritierend romantischen Stil gefilmt und sorgen somit zugleich für eine Verwirrung des konventionell denkenden Zuschauers, der sich (obgleich evt. empört von dem, was er sieht) schwerlich dem Reiz dieser Bilder entziehen kann und so mit einer völlig anderen Facette seiner selbst konfrontiert wird. In den zensierten Fassungen des Films wurden die Sequenzen, in denen Nevenka ganz offensichtlich und unverhohlen diese unkonventionellen "Zärtlichkeiten" genießt, entfernt. Somit wurde auch die ganze Handlung verfälscht und aus der hier erzählten bizarren Romanze wurde die Story eines Opfers, das von einem Sadisten terrorisiert wird.

Doch neben der technischen Perfektion beeindruckt „Der Dämon und die Jungfrau“ auch mit seiner Besetzung. Mit Christopher Lee, dessen Popularität seit dem 1958 entstandenen Hammerklassiker Dracula garantiert war und der zwei Jahre zuvor in „Vampire gegen Herakles“ erstmals unter Bavas Regie agierte und hier eine überzeugend-charismatische Performance als Kurt Menliff liefert, kann der Film einen Hauptdarsteller von internationalem Format aufweisen. Doch der eigentliche Star des Films ist die damals 20jährige israelische Schauspielerin Daliah Lavi, die ursprünglich als Fotomodell arbeitete und 1959 parallel eine Karriere als Schauspielerin startete. Für die Rolle der Nevenka war sie einfach das perfekte Gesicht zugleich auch ein optimaler Gegenpart zu der weitaus "diesseitiger" wirkenden Katia-Darstellerin Isli Oberon.

Mit der restaurierten Fassung von „Der Dämon und die Jungfrau“ präsentiert das Dortmunder Label e-m-s den rundum gelungenen Auftakt zu der Reihe „The Films of Mario Bava“. Die Bildqualität (Widescreen 1.85:1 anamorph) dieser Veröffentlichung ist einfach hervorragend ausgefallen und übertrifft im Vergleich die der US-DVD von VCI bei weitem. Die schönen Technicolorfarben kommen bestens zur Geltung, der Kontrastreichtum ist sehr gut und auch die Detailschärfe läßt nichts zu wünschen übrig. Beim Ton (Deutsch, Englisch und – obwohl auf dem Cover nicht erwähnt – Italienisch in DD 1.0 mono, Untertitel sind einblendbar) müssen zwar altersbedingt ein paar Abstriche gemacht werden, doch ist auch dieser sehr ordentlich ausgefallen, bietet ein ausgewogenes Mischungsverhältnis von Dialogen und Musik und zeigt keinerlei starke Störungen oder Zerrungen. Sehr erfreulich ist auch der Bonusteil ausgefallen: Hier werden eine sehr umfangreiche Bildergalerie, drei Trailer, alternative Titelsequenzen, Biographien und als besonderes Highlight ein informativer Audiokommentar des amerikanischen Filmhistorikers und Bava-Biographen Tim Lucas geboten. Dieser ist übrigens identisch mit dem auf der US-DVD und setzt gute Englischkenntnisse voraus, denn Untertitel sind dafür leider nicht vorhanden. Lob gebührt auch den sehr geschmackvoll gestalteten Menüs und wunderhübsch geraten ist auch die Aufmachung der DVD: Das Amaray-Case steckt in einem schön gestalteten Pappschuber (Artwork von Schuber und Case sind übrigens unterschiedlich), außerdem liegt auch ein informatives, achtseitiges Booklet bei.

„Der Dämon und die Jungfrau“ ist einer der visuell beeindruckendsten Horrorklassiker Mario Bavas und wurde hier auf einer - sowohl in technischer Qualität wie auch in puncto liebevoller Ausstattung und Aufmachung - durchweg begeisternden DVD veröffentlicht.

Bitte mehr davon!

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Wertung

 

Gesamt:

(Extrem gut)

Anspruch:

(Unterhaltsam)

Spannung:

(Spannend)

Brutalität:

(Vertretbar)

Ton:

(Gut)

Bild:

(Extrem gut)

Menüs:

(Extrem gut)

Ausstattung:

(Gut)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Ort:

Italien/Frankreich

Zeit:

1963

Serie:

The Films of Mario Bava

Autor:

Bava, Mario

Verlag:

EMS

Erschienen:

Sep. 2005

Kritiker:

Thomas Wagner

Typ:

DVD

 

Mario Bava

 

Am 31. Juli 1914 einen Tag nach dem Ausbruch des 1. Weltkriegs – wurde Mario Bava in der italienischen Küstenstadt San Remo geboren und schon in frühester Kindheit mit der Welt der Kunst und des Kinos konfrontiert. Sein Vater Eugenio Bava (1886 – 1966) arbeitete eigentlich als Maler und Bildhauer, hatte sich zu Beginn des 20 [mehr]

 

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