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Reptilia

Thiemeyer, Thomas

Rezension von Christian Endres

Für alle, die hinter „Reptilia“ so etwas wie einen deutschen „Jurassic Park“ vermuten (oder gar fürchten), gebe ich gleich zu Beginn Entwarnung: „Reptilia“ ist ein grundsolider, bis auf wenige Ausnahmen komplett auf eigenen Beinen stehender Abenteuer-Roman, in dem wir dem jungen Genetiker David Astbury in das ebenso wilde wie schwarze Herz des afrikanischen Kontinents folgen, wo er und ein kleines Team sich auf die Suche nach seiner vermissten Jugendliebe, einem uralten Mythos und einem ebenso rätselhaften wie bedeutenden Geheimnis der Evolution machen ...

‚Mokéle m’Bembé’, aber auch ‚Großes Tier’ oder ‚Tier, das einen Fluss stoppen kann’ - genau das ist es, was David (aus dessen Sicht wir bis auf wenige Ausnahmen fast das gesamte Abenteuer geschildert bekommen), die einheimische Biologin Elieshi, Großwildjäger Maloney, sein Gefährte, der Aborigine Sixpence, und bald auch der Pygmäe Egmo am See Lac Télé mitten im Kongo suchen. Sie sollen aber auch noch Emily, Davids große Jugendliebe, die vor einiger Zeit an eben diesem See eine große Entdeckung gemacht hat und kurz darauf verschwunden ist, finden oder sich zumindest Gewissheit verschaffen, was das Schicksal und den Verbleib der Tochter ihrer betuchten Auftrag- und Geldgeberin angeht.

Nach Ankunft am See und Sichtung der angespannten Lage dort tauchen David, Maloney und Sixpence schließlich hinab, um sich auf die Suche nach Mokéle m’Bembé zu machen, von dessen Existenz sie bereits zuvor dank einer Video-Aufnahme – dem letzten Lebenszeichen Emilys – erfahren haben. Unter Wasser kommt es dann auch zum ersten großen Showdown, als das vermeintlich bösartige Ungeheuer die Störenfriede, die es herausgefordert haben, stellt ...

Als die Wunden verbunden und die Opfer beklagt sind, wird schnell klar, dass sich hinter dem riesigen, allem Anschein nach urzeitlichen Wesen aus dem See noch mehr verbirgt als eine Möglichkeit zur Genforschung oder eine begehrte Jagdtrophäe, die wenigstens der Rache halber zur Strecke gebracht werden muss. In dem Moment, da David dies erkennt und zur Sprache bringt, sind jedoch bei Weitem nicht alle überlebenden Crew-Mitglieder seiner Meinung, und es kommt zum Eklat innerhalb des Teams, der schnell ungeahnt heftig ausartet.

Das einzige, das die Situation für David jetzt noch retten kann, ist Mokéle m’Bembé höchstpersönlich ...

Man merkt dem Roman bei vielen Gelegenheiten und Szenen an, dass im Vorfeld gründlich und in viele Richtungen recherchiert worden ist, auch wenn die Informationen, die diese Vermutung bestätigen, geschickt in die Geschichte eingeflochten sind. Das wirkt keineswegs so aufdringlich wie in manch anderem Werk, wo Autoren am laufenden Band – und vor allen an den unpassensten Stellen, wo es eigentlich auf Dramatik und das richtige Erzähltempo ankäme - versuchen, dem Leser zu zeigen, wie tief sie ihre Nase in Fachliteratur vergraben und ‚recherchiert’ haben. Thiemeyer wählt hier einen um Längen geschickteren Weg, indem er Fachwissen und für die Handlung und deren Tiefe relevante Informationen entweder im Gespräch zwischen seinen Hauptprotagonisten durchsickern lässt, oder aber seinem Helden David Astbury als Gedankengut mit auf den Weg gibt – einem klugen Forschergeist mit ausgeprägter Beobachtungsgabe, wohl gemerkt, von dem man so was irgendwie doch erwartet.

Auch die Atmosphäre ist ein großer Pluspunkt in „Reptilia“. Egal ob der Campus in England, das Herrenhaus in Kalifornien oder das Unwetter im tiefsten Dschungel: stets hat man das Gefühl, dabei zu sein. Selbst der etwas behäbige Anfang des Buches wird dadurch gut kompensiert. Man macht sich dank des ruhigen Aufbaus der ersten Kapitel mit den stellenweise leicht klischeehaften Figuren und den ganzen Umständen, die den Stein erst ins Rollen gebracht haben, vertraut, und folgt Astbury einfach so lange, bis sich dieser entgültig entschließt, das Abenteuer seines Lebens zu wagen und damit auf den Spuren seines Vaters zu wandeln (wobei der Fairness halber erwähnt werden muss, dass es vor allem dieser ab und dann aufblitzende „Vaterkomplex“ ist, der sehr stereotyp daher kommt und dem Roman an besagten Stellen einen kleinen Minuspunkt beschert). Auch die Tatsache, dass manch eine der Wendungen innerhalb der Handlung für den geübten Leser recht vorhersehbar ist, kann verkraftet werden; ein Abenteuerroman lebt eben in erster Linie von den geschilderten Eindrücken und dem Umgang mit der fremden, rauen Umwelt, mit der die Protagonisten konfrontiert werden, und wie der Autor diese Konstellation unter Berücksichtung des Gleichgewichts aus Spannung, Handlung und Action vermitteln kann.

Vielen Büchern merkt man heutzutage an, dass sie ein wenig auf die Aussicht, eher früher denn später verfilmt zu werden, geschrieben wurden. Das geht mir bei Dan Brown und bei Barry Eislers John Rain Thrillern so, und das ging mir jüngst auch bei Matthew Delaneys „Dämon“ so. Und auch Thomas Thiemeyer könnte man, gerade da er hat verlauten lassen, dass die Filmrechte tatsächlich heiß umworben waren, noch ehe das Buch veröffentlicht wurde, diesen Hintergedanken vorwerfen. Da er es aber glücklicherweise nicht übertreibt und die Popcorn-Action sparsam dosiert und vor allem passend einsetzt, ist es in diesem Fall letztlich doch in Ordnung. Ob die Filmemacher die gute Vorlage für einen guten Film nutzen können, oder sich zu sehr an „Congo“, „The Lost World“ und Konsorten orientieren, bleibt abzuwarten und steht auf einem völlig anderen Blatt. Die Grundlage für eine gute Verfilmung ist, bleibt man denn nahe genug an der Vorlage, allemal vorhanden.

Schon vor dem Lesen war mir eines klar: Auch wenn Thomas Thiemeyer sich in einem Internet-Forum ein klein wenig über die farbliche Anpassung des von ihm geschaffenen Titelbildes an seinen ersten Roman „Medusa“ mokierte, so ist die Umschlaggestaltung zu „Reptilia“ dennoch mit Abstand die schönste Aufmachung aller bisherigen Neuerscheinungen 2005, und ich glaube, dass sich das auch im letzten Quartal nicht mehr ändern wird. Das Buch schreit regelrecht nach einem Ehrenplatz in der Sammlung, wurde doch mit aufwendigen Prägungen und Lacken, die dem ohnehin schon wunderschönen Titelbild den letzten Kick geben, in keinster Weise gespart. Auch der Rest des schmucken Hardcovers kann sich sehen lassen: Kartenmaterial des Schwarzen Kontinents, Schattenrisszeichnungen an den Kapitelanfängen sowie eine schlichte, aber geschmackvolle Prägung des farblich stimmigen Buchrückens selbst, auf den sich das Hauptmerkmal der restlichen Umschlaggestaltung – eine reptilienartige Fußspur – fortsetzt.
Zwei Kleinigkeiten fallen jedoch auf und damit sogar ein wenig ins Minus: Einmal die Entscheidung des Setzers, auf Einzüge zu verzichten (was manchmal etwas störend und statisch wirkt), und auch die Kapitelanfänge. Zwar sehen die grauen Umrisszeichnungen mit den typisch afrikanischen Motiven nett aus, doch machen sie es teilweise schwer, die schwarze Schrift der ersten drei oder vier Zeilen an besagten Stellen zu lesen, da der Hintergrund schlichtweg zu dunkel ist.
Dies sind unterm Strich aber Peanuts, die nicht weiter ins Gewicht fallen und den Gesamteindruck in keinster Weise schmälern können – die Verpackung von ‚Reptilia’ sieht einfach stark aus und wird dem Inhalt definitiv gerecht, ohne dabei ein Ungleichgewicht zu schaffen.

Fazit: Thomas Thiemeyers „Reptilia“, das geschickt eine ´wahre´ These der Kryptozooliogie aufnimmt und mit eigenen, fiktiven Ansätzen und Ideen des Autors ausschmückt und weiterspinnt, spreche ich an dieser Stelle einfach einmal eine Empfehlung aus.

Vielleicht nicht einer der innovativsten oder weltbewegensten Romane dieses Jahres, aber mit Sicherheit einer der besten auf nationaler Ebene – und auch vor der internationalen Konkurrenz alles andere als ein Mauerblümchen. In „Reptilia“ wird zwar das Rad nicht neu erfunden, doch muss das ja auch nicht immer gegeben sein, um einen unterhaltsamen, spannenden und atmosphärisch dichten Pageturner vorzulegen – was Thiemeyer hier zweifelsohne getan hat.

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Wertung

 

Gesamt:

(Extrem gut)

Anspruch:

(keine Angabe)

Spannung:

(Spannend)

Brutalität:

(keine Angabe)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Autor:

Thiemeyer, Thomas

Verlag:

Knaur, München

Erschienen:

Aug. 2005

Kritiker:

Christian Endres

ISBN:

3-426-66153-5

ISBN(13):

978-3-4266-615-6

EAN:

9783426661536

Typ:

Hardcover

 

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