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Russische Orchidee

Daschkowa, Polina; Fieseler, Margret

Rezension von Christoph Mann

Polina Daschkowa ist die beliebteste russische Krimiautorin und ihre Bücher gelten als beste Schilderungen des heutigen Russlands. Dieses Motiv zieht sich wirklich durch ihren Kriminalroman, er enthält ausgeprägte, aber wunderschön zu lesende biographische Erzählungen, viele kleinen Geschichten von den verschiedensten Russen. Es gibt etwa Artjom Butejko, den rotzigen Fernsehmoderator, irgendwo zwischen gescheitert und erfolgreich schwankend – das Mordopfer in diesem Krimi. Polina Daschkowa switscht in ihrer Erzählweise zwischen den Akteuren her, taucht in verschiedene Köpfe ein und betrachtet sie dann wieder von außen. Kurz nimmt der gescheiterte New-Economy Geschäftsmann Sanja als vermeintlicher Mörder und seine junge Frau die Hauptrolle ein, dann der Untersuchungsführer Borodin, der von all den Standardfällen gelangweilt nach einem Mörder vom Schlag eines Raskolnikow sucht (bekanntester Mörder der klassischen russischen Literatur). Er taucht immer wieder auf, schnüffelt hier und da herum, aber seine Weise zu ermitteln folgt weniger einer polizeilichen Logik, sondern vielmehr Daschkowas Erzähllaune. Daher bringt ihn diese immer wieder an die interessanten Personen, deren Lebensverlauf Daschkowa in vielen schönen Geschichtchen erzählt.

Die gesamte Geschichte, mit all ihren Verwickelungen hier zusammen zu fassen, ist nicht möglich. Es ist auch nicht nötig, denn ganz verständlich sind die vielen Zusammenhänge und Querschüsse nicht. Dennoch ist es spannend, man fragt sich bis zum Ende, wer der Mörder ist und was Pawel der Diamant, Nachrichtenmoderatorin Lisa und ein Mord miteinander zu tun haben. Viele Personen, die in diesem Roman eigentlich keine Rolle spielen sollten, wurden von Daschkowa in Mitleidenschaft gezogen und mit Rollen versehen, die sie dann auch grandios spielen.

Manchmal erinnert das Buch an Marquez, wenn er einen Kriminalroman schreiben würde. Das Lesen macht Spaß, auch wenn die vielen einzelnen Akteure lange Zeit nichts miteinander zu tun haben – wie die Nachrichtenmoderatorin Lisa, ein braves Mustermädchen das es nach oben gebracht hat und nun in Montreal von einem Spezialisten für Verhöre belästigt wird. Oder Warja, die zum Einstieg Sex ohne Vergnügen aber mit einem reichen Mann hat. Und dann gibt es da noch den Diamanten Pawel, dessen komplette Geschichte erzählt wird – vom Fund im frühen 19. Jahrhundert über wechselnde Besitzer, Mord und Totschlag bis zu seinem Verschwinden. Gewöhnlich ärgere ich mich über eine solche Erzählweise und ganz besonders über derartige sachliche Einschübe. Es kann ja funktionieren, wie man bei Tad Williams sieht, aber auch bei ihm zündet es erst nach ungefähr 1000 Seiten. Bei Daschkowa aber ist das ganz anders: Jeder der Akteure hat sofort etwas zu erzählen, und wirklich, jeder erzählt etwas von dem neuen Russland, von Korruption, Verbrechen, aber auch von Moderne, die Helden stammen aus der Oberschicht, Historiker und Parteibosse, sind manchmal die geldgierigen kleinen Leute, die den Kapitalismus zum Lebensinhalt machten und daran zugrunde gingen – sie alle werden in diesem Roman zum Leben erweckt, jeder Mensch hat seine eigene Geschichte zu erzählen, wenn man ihn nur lässt.

Ich kenne das neue Russland nicht, denke aber dennoch, dass es von Polina Daschkowa äußerst treffend und stilistisch hervorragend geschildert wird. Ihr Erzählstil gleicht einem ruhigen Gleiten ohne Spannung zu verlieren, man kann sich einfach von ihr treiben lassen, und es ist egal wohin, weil sich auch aus den gewöhnlichsten Biographien interessante und menschliche Details erheben. Angenehm zu lesen ohne anspruchslos zu sein und nirgendwo verharrend ohne oberflächlich zu werden. Man liest sich durch grandiose 400 Seiten, die wie 200 an einem vorüberfliegen und wünscht sich am Ende, dass noch weitere 400 folgen würden. Wunderschöne russische Unterhaltungsliteratur.

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Wertung

 

Gesamt:

(Extrem gut)

Anspruch:

(Entspannend)

Spannung:

(Spannend)

Brutalität:

(Brutal)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Ort:

Russland

Zeit:

Gegenwart

Autor:

Daschkowa, Polina

Verlag:

Aufbau, Berlin

Erschienen:

Apr. 2005

Kritiker:

Christoph Mann

ISBN:

3-746-62154-2

ISBN(13):

978-3-7466-215-8

EAN:

9783746621548

Typ:

Taschenbuch

 

Polina Daschkowa

 

Polina Daschkowa, geboren 1960 in Moskau, studierte am Gorki-Literaturinstitut. Sie berichtete als Journalistin für Hörfunk und Presse aus der Duma und arbeitete als Dolmetscherin und Übersetzerin (Englisch-Russisch). 1996 schaffte sie den Durchbruch als Kriminalschriftstellerin. Heute erstellt sie im Auftrag verschiedener Medien Tätergutachten in aktuellen Kriminalfällen. [mehr]

 

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