 | Tiefe Rezension von Maggy Mit dem Roman „Tiefe“ begibt sich Mankell in ein abgelegenes Inselgebiet in der Zeit des Ersten Weltkrieges und beweist einmal mehr die Vielseitigkeit seines Schaffens. Der Erste Weltkrieg hat gerade begonnen, in der Ostsee bekämpfen sich russische und deutsche Schiffe, während die schwedische Marine neutral bleibt. Der Seevermessungsigenieur Lars Tobiasson-Svartmann hat den Auftrag, das Fahrwasser der Küstenregion neu zu vermessen. Die schwedische Küste ist stark zergliedert und von zahlreichen Felseninsel, den sogenannten Schären durchzogen. In diesem Gebiet misst nun Tobiasson-Svartmann die Tiefe des Meeres. Er ist ein genauer und sehr disziplinierter Mensch, ein Offizier, dem auch mal die Hand ausrutscht, wenn ihm die verrotzte Nase eines Matrosen stört. Sein größter Traum ist es, die bodenlose Tiefe zu entdecken, die Tiefe, wohin sein Lot nicht hinabreicht. Dieser Traum durchzieht den Roman und ist Symbol für die folgende Geschichte, in der der Protagonist immer mehr den Boden unter den Füßen verliert. Die Routine und den Ablauf der Seevermessung beschreibt Mankell detailliert und beginnt sehr langsam, zum eigentlichen Thema des Romans vorzudringen. Kurz bevor der Leser sich zum Diplom der Seevermessungstechnik anmelden kann, verliebt sich Lars Tobiasson-Svartman auf einer Schäre in eine dort lebende Frau und die Geschichte nimmt nun eine andere Gangart an. Von diesem Augenblick an, wird sein Leben auf den Kopf gestellt. Nun begibt er sich, im übertragenen Sinne, tatsächlich hinab zur unendlichen Tiefe. Er kann diese Frau nicht vergessen und kehrt immer wieder dorthin zurück. Sein Leben in Stockholm und seine dort wohnende Ehefrau sind ihm wie alles in seinem bisherigen Leben fremd geworden. Er schwängert beide Frauen und pendelt hin und her ohne wirklich ernsthaft eine feste Beziehung im Sinn zu haben. Was mit einer harmlosen aber makabreren Lüge begann, als er nämlich behauptete seine Frau und Tochter seien tot, läuft immer stärker auf ein tödliches Spiel hinaus. Das Lot ist dabei dem Ingenieur das wertvollste, was er besitzt und was er behütet, wie sein Augapfel. Es ist wichtiger als die Personen um ihn herum, die er ins Unglück stürzt und gleichzeitig ist dieses Lot ein Symbol für seine Beziehungsunfähigkeit, für seine Vorliebe für Distanzen. Wie das Lot langsam in das Meer hinabgleitet, so versinkt auch Lars Tobiasson-Svartman immer mehr hinab in seinen Wahn und geht letztendlich an seiner Beziehungsunfähigkeit zugrunde. Mankell würdigt das Thema um Maße und Zahlen, in dem er den Roman in 206 Kapitel auf 380 Seiten gliedert. Die starke Untergliederung entwickelt aber auch eine Eigendynamik als sich der Ingenieur verliebt und förmlich in die Katastrophe hineingezogen wird. Die Darstellung der Psyche, die pointentierte Darlegung der menschlichen Abgründe sind die eindeutigen Stärken des Romans. Mankell führt seine Leser sehr nah an die Romanfigur heran, deren Handeln so unsympathisch und abstoßend wirkt, dass man fast eine größere Distanz wünschen würde und somit Nähe gleichermaßen wie der Protagonist unerträglich findet. Dieser Roman wird sicher nicht nur begeisterte Leser finden, da er sich weit weg von typischen Wallander-Krimis bewegt: er ist kein Polizeiroman und die Figuren sind keine Sympathieträger. „Tiefe“ ist ein düsterer, spannender Roman, der von Symbolhaftigkeit durchzogen ist und dessen herausragendes Merkmal die psychologische Beschreibung ist.
Eure Meinungen:
| Das Buch ist meiner Meinung nach gut, wenn auch nicht überragend in Vergleich zu einigen seiner geschriebenen Krimis. Am Anfang zieht sich das Geschehen etwas in die Länge, erst ab der Mitte wird es spannender. [nora] |
| tolle Sprache, schpannende Geschichte [viktoria] |
Datenbank:0.0010 Webservice:0.0804 Querverweise:0.1585 Infos:0.0008 Verlag,Serie:0.0009 Cover:0.0154 Meinungen:0.0115 Rezi:0.0002 Kompett:0.2691 |  |