Vietnam 67 Greiss, MichaelRezension von Ernesto Ravasio Aus der Reihe "Cthulhu" Cthulhu, Vietnam `67 besteht aus einer Kampagne die wiederum in fünf Missionen eingeteilt ist und spielt während des Vietnamkrieges. Genauer gesagt zwischen Weihnachten 1967 und Ende Februar 1968, was die Zeit der Ted-Offensive des Vietcongs im Januar 1968 mit Einschliesst. Die Spieler kämpfen als Angehörige einer amerikanischen Elitetruppe im Dschungel Vietnams gegen den Vietcong. In einem abgelegenen Berggebiet, nahe der Kambodschanischen Grenze, werden sie dabei mit übernatürlichen Ereignissen konfrontiert, welche den Schrecken des Krieges noch übertreffen. Die Idee, das auf Horror- und Schreckensszenarien angelegte Cthulhu-Regelwerk mit einer kriegerischen Dschungelkampagne zu verbinden, geisterte in meiner Gruppe bereits seit einiger Zeit als Idee herum. Das vorliegende Buch kam mir daher wie gerufen. Tatsächlich gelingt es dem Autor gut sowohl Hintergrundmaterial zum Vietnamkrieg wie auch die angestrebte Stimmung der Kampagne zu vermitteln. Das Bild wird dann jedoch in der Ausgestaltung der eigentlichen Geschichte getrübt. Der rote Faden in der Kampagne ist nur schwer erkennbar und wird unzureichend erklärt. Formales (Bilder, Handouts, Schreibstil) Die Stimmung wird bereits durch das Cover geprägt – das totenstarre Gesicht eines Soldaten in einem schwarzen Leichensack. Meiner Meinung nach ein zweckmässiges Bild, so wie auch die anderen der in schwarz-weiss gehaltenen Zeichnungen. Über die Anordnung der einzelnen Bilder und ob das Dargestellte genau an diesem Punkt des Buches Sinn mach könnte man streiten, alles in allem aber unterstützen sie die angestrebte Stimmung. Was meiner Gruppe fehlte, waren Darstellungen einiger Waffen die zur Auswahl standen. Die Handouts Hingegen sind ein Highlight des Buches. Mit detaillierten Hintergrundinformationen zum Vietnamkrieg, der Geschichte Vietnams und den amerikanischen Streitkräften unterstützen sie sehr gut sowohl Spieler wie auch Spielleiter. In Verbindung mit der Einleitung und dem Rest des Buches, kann rasch mit spielen losgelegt werden. Hierbei kommen einem der schnörkellose, direkte Stil und die Kürze des Werkes entgegen. Auf wenig Raum wird (fast) alles nötige präsentiert. Nach dem Aufschlagen des Covers wird in der Einführung gleich in einem Appell an den Spielleiter klar gemacht, wie eine Kampagne in Vietnam zu führen ist: Nämlich mit dem gehörigen Respekt gegenüber dem Hintergrund. Die darauf folgenden Erklärungen zu Vietnam, zusammen mit den Handouts, lassen die Stimmung im Land schnell plastisch erscheinen. Auch am Schluss des Hauptteils findet sich Material zu Ausrüstung, Armeeorganisation, Verwundungen und mehr um die Kampagne in Vietnam zu führen. Interessant auch die Idee eines Kampferfahrungs-Malus für Neulinge und einem Wert für das Risiko der Vergiftung durch Entlaubungsmittel, dem sich Dschungelkämpfer aussetzten. Um die hohe Ausfallrate in den ersten Wochen der Einsätze zu simulieren, erhalten Neulinge in Kampfsituationen einen Malus von 30 auf alle Aktionen. Dieser Malus wird nach und nach abgebaut – wenn sie ihre ersten Feuergefechte überleben. Die Chemikalien die während des Krieges über dem vietnamesischen Dschungel versprüht wurden, stellten ein Gesundheitsrisiko dar. Diesem setzen sich auch die Spielercharaktere aus, was mit einem entsprechenden Wert simuliert wird und der nach einer gewissen Zeit bleibende Schäden anzeigt. Insgesamt erhält ein Spielleiter mehr als genug Informationen um auch mit wenig Vorwissen diese Kampagne mit der dazugehörigen Stimmung zu meistern. Nach der kurzen Einführung geht es sogleich mitten ins Geschehen. Die Charaktere – ein Teil davon frisch ausgebildete Neulinge, werden auf dem Flughafen in Saigon abgeholt und per Hubschrauber in das Entlegene Militär Camp ihrer neuen Einheit verfrachtet. Dort erhalten sie ein wenig Zeit um sich einzuleben. In meiner Kampagne eine der stärksten Sequenzen. Die Ideen des Autors waren hilfreich um die die Stimmung für den Rest der Kampagne zu setzen. Tipps für die Ausgestaltung kleiner Details, gaben Anregungen für weitere Beschreibungen die dem Abenteuer mehr Leben verliehen. Das Problem beginnt meiner Meinung nach mit den einzelnen Missionen. Diese werden auch wieder kurz und überblickartig präsentiert. Für mich als Spielleiter war es jedoch nicht einfach den Zusammenhang der einzelnen Missionen zu erkennen. Erst nach mehrmahligem Vor- und Zurückblättern kam ich auf die vermutliche Hintergrundgeschichte und den tieferen Zusammenhang der einzelnen Missionen. Diese sind nicht allzu komplex, es handelt sich vorderhand nicht um detektivische Aufgaben sondern, nicht verwunderlich, um Militäreinsätze. Dabei werden die einzelnen Aufträge sehr gut beschrieben und mit guten Kartenskizzen als Handouts geliefert. Als Spielleiter war es daher nicht sehr aufwändig eine Mission vorzubereiten. Von einfachen Beobachtungs- und Patrouillen-Missionen bis zu Strassengefechten während der Ted-Offensive und dem Ausheben von Tunnelsystemen ist alles in den fünf Missionen zu finden. Das Gefühl einer gewissen Leere der Geschichte blieb. Trotz gut übermittelter Stimmung des Krieges erhielt ich den Eindruck, dass hier zwar eine tolle Vietnamkampagne vorliegt. Über den Ehrgeiz eine realitätsnahe Vietnamkampagne zu schreiben ging aber der Bezug zum Cthulhu-Oiden Hintergrund verloren. Deshalb fällt der Zusammenhang zwischen den Missionen, für mich, zu dürftig aus. Mit etwas Arbeit lässt sich die Hintergrundgeschichte ausbauen. So wurde meine Kampagne beispielsweise zu einer Delta Green Geschichte in der ein CIA Agent, der in der Originalgeschichte bereits eine kleinere Rolle spielte, die Charaktere als Helfer anheuert und sie während der Kampagne immer weiter mit einbezieht. Andere zusätzliche Erweiterungen der gelieferten Geschichte ergaben dann eine durchaus spannende Kampagne. Spielleiter die sich nicht vor einiger Arbeit bezüglich der Hintergrundgeschichte scheuen, erhalten hier nicht nur einen guten Einstieg in die Vietnamthematik. Auch Menschen mit mehr Hintergrundwissen erhalten auf wenig Raum viel Informationen und ein einfach zu spielendes Szenario geliefert. Trotz der guten Ausstattung was Setting-Informationen und Handouts anbelangt, werte ich das Vernachlässigen einer klar herausgearbeiteten, in das Setting eingebetteten Hintergrundgeschichte als gravierendes Manko.
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