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Die Nebel von Avalon

Bradley, Marion Zimmer; Thalbach, Anna; Thalbach, Katharina

Rezension von Holger Hennig

Ein umfangreiches Hörbuch, eine große Produktion mit Suchtcharakter. Zwölf CDs und 920 Minuten kann man in Avalon verbringen, in Camelot und Tintagel. Der Merlin von Britannien, Lancelot, Mordred und natürlich König Artus, all diese Charaktere der Artus-Sage werden dem Zuhörer näher gebracht.

Dies ist die Geschichte von Morgaine und ihrem jüngeren Halbbruder Gwyddeon, der später unter seinem Königsnamen Artus bekannt werden soll. Aber anfangs ist Morgaine nur ein kleines Mädchen, das nur halb mitbekommt, dass ihr Vater Gorlois von Cornwall mit der Hilfe von Viviane, der Herrin vom See, vom Großkönig Uther Pendragon betrogen. Er schwängert Morgaines Mutter Ygraine mit Artus. Gorlois stirbt in dieser Nacht in der Schlacht, während Uther in dessen Ehebett liegt.

Der junge Artus ist für die kindliche Morgaine erst mal ein Klotz am Bein, dann wird die Beziehung liebevoller, bis Morgaine von ihrer Tante Viviane nach Avalon geholt wird. Sie wird dort zur Priesterin ausgebildet, wohnt im Haus der Jungfrauen und erlernt die Magie der Druiden und Priesterinnen. Sie soll die nächste Herrin vom See werden, die nicht nur eine Art Hohepriesterin ist, sondern auch die weltliche Herrin der Insel mit großem Einfluss auf die britannischen Könige. Als sie erwachsen ist, und eigentlich ihren Cousin Galahad, Lancelot genannt, begehrt, aber der Göttin verschworen ist, und deshalb nicht mit ihm intimere Bekanntschaft machen darf, wird sie für die große Ehe vorbereitet. Ein junger Krieger läuft an Belthaine mit den Hirschen, muss den Königshirsch besiegen, um zu überleben und soll den gehörnten Gott verkörpern. Er trifft in einer Höhle auf die junge Priesterin, die die Göttin verkörpert, und als Gott und Göttin haben die beiden göttlichen Sex – vermutlich kommt das Wort daher. Als sich Morgaine und ihr junger Liebhaber am nächsten Morgen mal genauer anschauen, werden sie darauf aufmerksam, dass sie Bruder und Schwester sind. Das ist ohnen ein wenig peinlich, aber was passiert ist...

Morgaine ist einigermaßen sauer auf ihre Tante Viviane, die das ganze nicht ganz unabsichtlich eingefädelt hat, und geht, als sie merkt, dass sie schwanger ist, nach Luthien an den Hof König Loths und seiner Frau Morgause, einer weiteren Tante Morgaines. Dort gebärt sie ihren Sohn, den Morgause ihr schnell abnimmt und den sie als ihren eigenen Sohn aufziehen wird. Morgaine geht stattdessen an den königlichen Hof ihres Bruders, wird auch Hofdame seiner Frau Gwenhwyfar. Die ist ein kleines sehr christliches Gör und schwer in Lancelot verliebt – einer der tragischen Probleme, die Artus dereinst zu Problemen gereichen wird. Aber erst einmal kommt die große Zeit der Artusrunde.
Artus gegürtet mit Excalibur, einem magischen Schwert aus Avalon, und mit dem Drachenbanner des Pendragon einigt die Stämme und Königreiche der Insel und macht den Sachsen den Garaus. Dabei lässt er allerdings immer mehr zu, dass sein Reich ein christliches wird, die Religion von Avalon wird immer mehr zurückgedrängt. An Morgauses Hof wächst Mordred heran, der Sohn von Artus und Morgaine, und Gwenhwyfar kann nicht von Lancelot lassen, und das ist wahrlich nicht einseitig. Also sind alle Spuren gelegt, die dazu führen werden, dass das Reich des Großkönigs Artus untergehen wird.

Die Nebel von Avalon war der größte Erfolg der 1999 gestorbenen Bestsellerautorin Marion Zimmer Bradley. Ein ziemlich umfangreicher Wälzer der zum ersten Mal die Artussage aus einer außerordentlich weiblichen Sicht erzählt. Nicht große Heldentaten, nicht Schlachten und Turniere sind im Mittelpunkt des Romans, sondern die Verdrängung des Matriarchats und der keltischen Mythologie. Intrigen, das Wirken der Magie und des Schicksals, dies sind die Zutaten der Nebel.

Ausgezeichnete Charakterisierungen, viele Überraschungen – und das ist ja eigentlich unmöglich, da die Artussage in Gänze bekannt ist – und ein Handlungsstrang, der eine immer große Spannung aufrecht erhält. Das alles hat die gekürzte Hörbuchfassung auch. Das Eintauchen in diese andere Welt ist nicht geringer, als beim Selbstlesen. Das ist der Verdienst der beiden Schauspielerinnen Anna und Katharina Thalbach, die das Lesen übernommen haben. Katharina Thalbach spricht die alte Morgaine, die in ihren alten Tagen an die Zeiten erinnert, in denen sie zum Hofe ihres Bruders gehörte. Und diese Morgaine hat eine sehr ausdrucksvolle Stimme, man nimmt Katharina Thalbach immer die alte Herrin vom See ab, hier wird die Geschichte noch viel menschlicher. Die quantitativ größere Aufgabe übernahm Anna Thalbach, die die eigentliche Geschichte liest, den verschiedenen Charakteren ihre Stimme leiht und sich sehr intensiv eingibt. Sie streitet sich, sie trauert, sie begehrt und erfüllt damit eine große schauspielerische Anforderung. Große Arbeit, die nicht nach Arbeit klingt. Allenfalls wenn die Damen am Hofe sich ankreischen – besonders Königin Gwenhwyfar neigt zu allzu überschlagender Stimme – wird Thalbachs Stimme etwas arg kreischig. Da wäre weniger vielleicht mehr gewesen.

Es gibt immer wieder auch Musik im Hintergrund, und die kommt aus mittelalterlich bekannter Quelle, von Saltatio Mortis. Die Totentänzer lassen die modernen Instrumente ganz weg, auch das Schlagwerk, das sie ja gern und viel nutzen, fällt hier ganz aus. Einfühlsam, hervorragend gespielt und nie aufdringlich, so sollte die Musik eines Hörspiels sein.
Eine hervorragende Hörbuchversion von Regisseur Oliver Versch. Tolle Leistungen der beiden Schauspielerinnen und ein einfach grandioses Buch.


Eure Meinungen:


Sehr gute Adaption des zugrundeliegenden Buches. Sehr spannend und anspruchsvoll. Die Sprecherinnen überzeugen! So gut...kann man öfters hören.
[Barbara]

Ein sehr gutes buch ,das einen in eine Zeit zurückversetzt die wir menschen schon lange vergessen haben ,Bewundernswert.
[sabine nagel]

Ein buch das menschen berührt ,das Menschen dazu bewegt zu überlegen warum wir auf der erde sind ,jemand wieder mit der gewaltigen Mutternatur in verbindung bringt,einfach wunderbar.
[christine schwarz]

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Wertung

 

Gesamt:

(Extrem gut)

Anspruch:

(keine Angabe)

Spannung:

(Spannend)

Brutalität:

(Jugendfrei)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Ort:

USA

Zeit:

1982

Autor:

Bradley, Marion Zimmer

Verlag:

Random House Audio

Erschienen:

Nov. 2004

Kritiker:

Holger Hennig

ISBN:

3-898-30769-7

ISBN(13):

978-3-8983-076-7

EAN:

9783898307697

Typ:

Hörbuch

 

Marion Zimmer Bradley

 

Marion Zimmer Bradley, 1930 in Albany im Bundesstaat New York geboren, hat als Autorin von Die Nebel von Avalon, Die Wälder von Albion und Die Herrin von Avalon Weltruhm erlangt. In über fünfzehnjähriger Arbeit schuf sie einen modernen Unterhaltungsklassiker, ein Geschichtspanorama, Lieblingslektüre für Generationen von Lesern [mehr]

 

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