 | Planet der Habenichtse Rezension von jpk Shevek ist einer der führenden Physiker des bekannten Universums. Seine temporale Forschung könnte die Weltraumfahrt revolutionieren. Aber auf Anarres ist das Überleben wichtiger als theoretische Physik. Auf Anarres leben die Odonier, Anhänger einer anarchistichen, revolutionären Weltanschauung, die sich in den unwirtschaftlichen Ebenen des Planeten ein soziales Paradies aufgebaut haben. Eigentum existiert nicht und die Regelungen werden durch die Handlungen der Gemeinschaft und durch die moralische Verpflichtung des Einzelnen bestimmt. Doch die Welt der Odonier ist karg und wüstenreich. Das Überleben des Volkes steht über der persönlichen Freiheit. Auf der Heimatwelt der Odonier, der Nachbarplanet Urras, herrscht Kapitalismus und Machthunger bis hin zum Krieg. Vor etlichen Generationen wanderten die Odonier aus. Doch dort, wo auf der einen Seite Armut und Not in den unteren Bevölkerungsschichten herrscht, gibt es für die Privilegierten Wohlstand und Überfluss und für Sheven die Möglichkeit ohne die selbst gewählten Einschränkungen, forschen zu können. Der Roman beschreibt begleitend zur Lebensgeschichte des Wissenschaftlers Shevek die Lebensbedingungen und sozialen Ereignisse in der anarchistisch orientierten Lebensgemeinschaft. Dabei erlebt Shevek sowohl die angenehmen, wie auch die schwierig zu ertragenen Begleiterscheinung seiner Gesellschaftsform. Erschwerend zu den sich natürlich ergebenden Zwängen erscheint die wirtschaftliche Not durch die unwirtlichen Bedingungen auf dem staubigen und trockenen Planeten. Gegen diese Zwänge rebelliert Shevek und zieht seine Konsequenz. Er verlässt die Heimat in Richtung des Nachbarplaneten, wo er als Wissenschaftler mit offenen Armen empfangen wird. Doch eigentlich will man dort nicht ihn und erst recht nicht seine politisch-soziale Anschauung, sondern nur seine Formen, um diese wirtschaftlich und militärisch auszubeuten. Ein Konflikt ist unvermeidbar. Le Guin erzählt eine Geschichte und entwirft dabei lässig ein neues Planetensystem, erklärt Zukunft und Vergangenheit der Erde und zeichnet eine plausibel funktionierende Gesellschaftsform des Anarchismus auf. Dabei deutet sie mit erhobenen Zeigefinger auf die Problemstellen der von ihr entworfenen Welt und wägt das Für und Wieder sorgfältig ab. Das Alles schafft sie, ohne an Unterhaltungswert zu verlieren und die persönlichen Erfahrungen des Protagonisten wirken echt und überzeugend, wie er selber. Verlagsinfo (Erstausgabe 1976): Vor 160 Jahren gab es in einem kapitalistischen Staat auf Urras, einem reichen, fruchtbaren Planeten, einen Aufstand von Anarchisten. Er war zu mächtig, um im Blut erstickt zu werden, und zu schwach, um die Revolution herbeizuführen. Man fand einen Kompromiss: Es wurde den Odoniern, wie sich die Aufständischen nach ihrer Anführerin nannten, gestattet, zum Schwesterplaneten Anarres auszuwandern, eine karge, knochentrockene, menschenfeindliche Welt, um dort eine freie, klassenlose Gesellschaft zu gründen. Nach 160 Jahren existiert diese Gesellschaft allen Voraussagen zum Trotz immer noch. Aber lebt sie noch ihren alten Idealen? Als Shevek, der geniale Physiker, sich entschließt, seiner Heimat Anarres den Rücken zu kehren und nach Urras zu gehen, gilt er seinen Genossen als Verräter. Er kommt mit leeren Händen nach Urras, doch er hat eine Idee im Kopf, welche den Durchbruch in der interstellaren Raumfahrt bedeuten würde, von der die Kapitalisten profitieren könnten. Doch einen eingefleischten Odonier kann man nicht kaufen, denn die grundlegende Idee seines Daseins ist: stets alles mit allen zu teilen. In einer kapitalistischen Gesellschaft bedeutet dies freilich, in einer Munitionsfabrik ein Streichholz anzuzünden. Dieser bisher wohl ehrgeizigste und gelungenste Roman der LeGuin ist Science Fiction in der großen Tradition von H. G. Wells und Olaf Stapledon, von George Orwell und Aldous Huxley, und er beweist, was Science Fiction sein und was sie leisten kann zum Selbstverständnis des Menschen und seiner Gesellschaft. Er wurde zu Recht sowohl mit denn NEBULA als auch. mit dem HUGO GERNS-BACK-AWARD als bester Science Fiction Roman ausgezeichnet.
Eure Meinungen:
| Endlich mal Science Fiction von einer Autorin, die nicht ihre "Göttliche Weiblichkeit" zum Hauptthema macht. [Druesling] |
| super Buch, habe es jetzt gelesen, kann einiges, und redet vorallem Anarchismus an sich nicht nur schön, sondern zeigt auch die negativen, aber akzeptablen seiten. Umgekehrt genauso. Kapitalismus wird nicht nur verdammt, ein paar "positive" Aspekte werden doch genannt. Sehr gut zulesen, wenn man sich nach ein paar seiten in den etwas holprigen schreibstil eingelesen hat! [Toxo] |
| Das Buch ist sehr schön zu lesen. Der Plot ist sauber aufgebaut und spannend. Wie alle Bücher von Frau LeGuin ist es sehr menschlich und ohne Ausflüchte. Wer den Schreibstil holperig findet, sollte eine andere Übersetzung oder besser das Original lesen. Ich empfehle aber zum besseren Verständnis noch ihre Bücher "Das 10. Jahr" (planet of exile), "Winterplanet" (winter) zu lesen [Lisch] |
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