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Die dunkle Seite (Leselupen-Bücherei)

Schmidt, Michael

Rezension von Susanne Jaja

Ein rätselhafter Blick - ein grünes Auge späht durch die Lücke einer geheimnisvollen, steinernen Wabenstruktur – so herausfordernd, fast hypnotisch hat mich schon lange kein Buch mehr angesehen. Dieses sehr gelungene Coverbild (gestaltet von N.T. Neumann) ist überaus passendes Entree für ‚Die Dunkle Seite’, wie die erste Kurzgeschichtensammlung der Leselupen-Bücherei sich nennt. Einblicke – Ausblicke ... in die Abgründe der Seele, die dunklen Seiten des Lebens.

Die Leselupen-Bücherei ist ein ambitioniertes Buchreihenprojekt, das auf einer der größten deutschsprachigen Literaturplattform www.leselupe.de aus der Taufe gehoben wurde, um das Beste und Besondere unter den Tausenden Erzählungen und Kurzgeschichten, die man dort online veröffentlicht findet, in genrespezifischen Anthologien einem breiteren Publikum zu empfehlen.
Mit dem ersten Band, einer Horror/Krimi-Anthologie, ist Herausgeber Michael Schmidt eine abwechslungsreiche Mischung gelungen - vom gänsehautauslösenden Psychothriller, über schwindelerregenden Ökokrimi, phantastisch-bissige Alltagssatire, abgründig-dezentgruselige Mystery bis zur skurril-komischen Horrorparodie. Und noch viel mehr - durch die interessante, vielseitige Zusammenstellung ist sicher für jeden Lesegeschmack etwas dabei. Die fünfzehn Autoren schaffen es fast durchgehend, mit atmosphärisch dichten, oft mitreißenden Geschichten zu fesseln. Obwohl weder Krimis, noch Horrorliteratur zu meinen bevorzugten Genres zählen, mochte ich das Buch nach den ersten Seiten kaum noch weglegen. Die erzählerischen Qualitäten der meisten Geschichten entfalten – ganz unabhängig vom Genre – einen solchen Reiz, dass sie auch Krimi- und Horrormuffel wie mich überzeugen können. Wem also ist ‚Die Dunkle Seite’ ganz besonders zu empfehlen?

Wer kennt sie nicht: Menschen, die es stets versäumen, Zahnpastatuben zuzuschrauben, ihre Haare aus dem Waschbecken zu entfernen, oder gar Toilettenbrillen herunterzuklappen? Denen nicht bekannt ist, dass es Risiken birgt, neue Toilettenpapierrollen falsch herum - mit dem ersten Blatt zur Wand - in den Halter zu hängen? Man sollte ihnen ‚Die Dunkle Seite’ ans Herz legen – und sie Stefan Briels ‚Hundstage’ lesen lassen, bevor Kleinigkeiten, die die Freude am Zusammenleben normalerweise nur leicht und vorübergehend trüben, fatale Auswirkungen zeigen.

Oder diese Prototypen der perfektionistischen Putzteufel, deren Heim nach ihren Idealvorstellungen keimfrei wie ein Liter frischabgefüllte H-Milch und blankpoliert wie der Kotflügel von Dieter Bohlens Nobelkarosse zu sein hat. Man sollte diesen armen Menschen helfen, sich von ihrer zwanghaften Putzsucht zu befreien – nach der Lektüre von Achim Hildebrands ‚Smergs’ werden sie vermutlich die Wattestäbchen beiseitelegen und dem Innenrand des Ausgussüberlaufs die über Jahre angesetzte Patina lassen. Beim Lesen das Atmen nicht vergessen.

Auch Bahnfahrten bergen Risiken und Nebenwirkungen – dies und mehr klärt Edgar Güttges ‚Alles Vertigo’. Eine Geschichte, die sich um den Drehschwindel dreht, voll befremdlicher Zufälle, die gar keine sind, Begegnungen mit diversen Produkten der Pillendreherkunst, Altlasten und den Folgen verdrehter Entwicklungspolitik. Ein schwindelerregender Ökothriller der leisen Töne, gespickt mit humorvollen Details und witzigen Wortspielen.

Rauchen Sie? - Noch? Nicht mehr lange. Jedenfalls steigert die Lektüre von Marcus Lüthkes locker-schnoddrigen ‚Zombies anner Esso-Tanke’ die Wahrscheinlichkeit, dass es mit dem Aufhören endlich klappt. Den Unverbesserlichen wird ohnehin vor Lachen die Kippe aus dem Gesicht fallen – ein guter Anfang. Also besser nicht im Bett lesen. Eine skurrile Begegnung der unheimlich komischen Art zur Nachtstunde.

Warum manche Theaterkritik im Feuilleton der Zeitung nur entfernt Ähnlichkeit mit dem hat, was sich abends zuvor auf der Bühne abgespielt hat, lässt sich womöglich nicht immer mit unterschiedlichen Geschmäckern von Kritikern und Restpublikum erklären. Veronika Aydins ‚Lorbeer’ zeigt eine völlig andere, interessante Begründung für das Phänomen. Ein Stück Kopfkino vom Feinsten.

Dass Postboten manchmal seltsam wissend – oder mitleidig - gucken, während sie Briefe überreichen, könnte natürlich etwas mit Trauerrändern an Umschlagkanten zu tun haben. Oder ... Wohin einen unbescholtenen Zusteller der Bruch des Briefgeheimnisses führt, erzählt eindringlich Beate Reckmann in ‚Gefährliche Briefschaften’.

Auch die anderen neun – wieder ganz eigenen - Geschichten machen diese Sammlung zu einer Empfehlung, sowohl für überzeugte Krimi/Horrorfans, die nach neuem Lesefutter hungern, als auch für andere anspruchsvolle Leselustige, die stets auf der Suche nach unverbrauchten, originellen Ideen und guterzählten Shortstories sind.
Michael Schmidts ‚Rhythmus der Angst’ – und Katrin Czernys ‚Flieh, wenn du kannst’ - zwei Fluchtgeschichten, die ihre Dramatik auf sehr unterschiedliche Weise entfalten – in der einen hetzt das Unbekannte - Mächte des Voodoo - den Protagonisten und Leser atemlos durch die Story, in der anderen die höchst irdische Polizeigewalt.
Katharina Wegelebens ‚Eine klare Entscheidung’ - ein Psychothriller, der den Leser in die Gedankenwelt eines Menschen im psychotischen Schub mitnimmt.
‚Geschwisterliebe’ von Daniel Mylow – eine Geschichte haarsträubend abgründiger Familienbande. Wenn das älteste aller Tabus nicht schreckt, wie weit beeindrucken dann noch andere ethische Grundsätze?
N.T. Neumanns ‚Fahrgemeinschaft’ – eine Mysterygeschichte mit beklemmender Atmosphäre, ein Déjà-Vu aus einer anderen Dimension.
In ‚Die Hexe’ von Anna Rinn-Schad wirken offene Rechnungen der Vergangenheit - zwischen mittelalterlichen Ahnen – bis in die Gegenwart: im Leben ihrer Nachkommen.
Freunde historischer Geschichten werden ihre Freude an Marlene Geselles ‚Ratten in Heinsberg’ und ‚Unbefleckte Empfängnis’ von Marcus Richter haben. Letztere spielt in einem Lazarett der letzten Kriegstage, ein albtraumhaftes (Kriegs-) Endzeitszenario. Die mittelalterliche Kulisse gibt dem Krimi ‚Ratten in Heinsberg’ eine ganz spezielle, für dieses Genre eher ungewöhnliche Atmosphäre.
‚Viron’ von Udo Ahrens – eine Cyberhorrorstory für Internetjunkies: wenn die synthetische virtuelle Welt des Netzes echter als die dreidimensionale alltägliche Wirklichkeit erscheint kann es durchaus passieren, dass beide sich zu einem ziemlich realen Albdruck vermischen ...

Mal humorvoll, mal dramatisch, mal beißend ironisch - ob actiongeladen oder eher ruhig - blicken fünfzehn Autoren in Abgründe – und auf ‚Die Dunkle Seite’. Auch wenn mir nicht alle Geschichten gleichermaßen zusagen – neben den (vielen) Highlights macht die ausgewogene, runde Mischung und das nahezu durchgängig erfreulich hohe sprachliche Niveau diese Kollektion zu einem Gewinn. Sehr zu empfehlen!

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Wertung

 

Gesamt:

(Gut)

Anspruch:

(keine Angabe)

Spannung:

(keine Angabe)

Brutalität:

(keine Angabe)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Autor:

Schmidt, Michael

Verlag:

Web-Site, Ebersdorf

Erschienen:

Jan. 2004

Kritiker:

Susanne Jaja

ISBN:

3-935-98227-5

ISBN(13):

978-3-9359-822-6

EAN:

9783935982276

Typ:

Taschenbuch

 

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