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Neuromancer

Gibson, William; Behrens, Alfred

Rezension von Marcel Dykiert

ALEPH - Advanced Library for Efficient Photorealism

Schon mal was von Aleph gehört? Vielleicht von Mimetischen Polycarbonat Anzügen, die die Träger mit dem Hintergrund verschmelzen lassen und somit nahezu unsichtbar machen? Vielleicht schon mal in Freeside gewesen, jener künstlichen Stadt in der Erdumlaufbahn, die von Tessier-Ashpool konstruiert wurde und die auch selbst in der größten Villa dieses gigantischen Unterhaltungsparks leben? Nicht? Keinen einzigen der Begriffe? Aber mit Sicherheit hast Du "Matrix" gesehen, "Blade Runner" und schon mal was von "Shadowrun" gehört. Und im Internet bist Du auch zu Hause - natürlich bist Du das!

BAMA - Boston-Atlanta-Metropolen-Achse, auch The Sprawl genannt

"Neuromancer" ist der Beginn all dieser Dinge. Entgegen der allgemeinen Meinung hat Gibson den Begriff Cyberspace ebenso wenig erfunden, wie die katholische Kirche den Glauben an einen einzigen Gott, aber Gibson hat den Begriff neu definiert und wer heute von Cyberspace spricht, der meint, was der "Neuromancer" aus dem Wort gemacht hat. Gibson hat die Welt verändert und über wie viele Autoren können wir das schon sagen?

DEX - Kurzform für Dexederin, Amphetaminpräparat

Nicht wenige, die den "Neuromancer" in die Hand nehmen, legen ihn auch gleich wieder weg, wofür sie mein vollstes Verständnis haben, denn die Lektüre ist in jedem Fall harte Arbeit. Dabei ist die eigentliche Handlung nur anfangs undurchsichtig, bereits nach kürzester Zeit läuft sie wie auf Schienen:

Held der Geschichte ist Case, ein Daten-Cowboy, der lau seiner Kreditkarte Charles derek May heißt, der laut seinem Pass Truman Starr heißt, der bei den Panther Modern Cutter heißt usw. Case loggt sich mit Hilfe seines Decks in das weltumspannende Netz der Matrix ein und besorgt firmenrelevante Informationen aller Art. Das ist natürlich nicht legal, aber ein gut bezahlter Job. Als Case seine Gewinnspanne etwas steigern wollte, erteilte ihm sein Auftraggeber eine kleine Lektion; er zerstörte sein Nervensystem mit einem russischen Toxin derart, dass es zukünftig keine Ausflüge mehr in die virtuellen Welten der Matrix mehr geben würde – für Case ist die Welt im wahrsten Sinne des Wortes eingestürzt.
Die Untersuchungen, die Case mit seinem letzten Geld bezahlte, bestätigten nur, dass der Gewebeschaden tatsächlich irreparabel war, also lebte er fortan als Kleinkrimineller in den miesen Vierteln der Megastädte herum.

Sein Leben neigt sich dem Ende – ein Mann, der sich Armitage nennt, propheizeit ihm, dass sein derzeitiger Lebenswandel bedeutet, dass er vielleicht noch einen Monat hat. Aber Armitage hat auch einen Job für ihn: Er ist auf der Suche nach einem verdammt guten Daten Cowboy und zu diesem Zweck wird Case in einer illegalen Klinik wiederhergestellt. Zusammen mit seiner neuen Partnerin Molly, eine mit Messern in den Fingern bewaffnete und durch verschiedene Hardware Applikationen getunte Kämpferin, erfahren die beiden nach und nach, dass es um einen doppelten Großangriff auf einen Industrierechner geht. Während Case die Attacke von der Matrix her durchführen soll, wird Molly in der Realität angreifen.

Doch wer ist der undurchsichtige Armitage wirklich und was steckt hinter dem mysteriösen Angriff? Wer oder was ist der Neuromancer, wer oder was ist Wintermute?
CHATSUBO – Exilantenbar in Night City/ Tokio

Ja, es ist konfus und ja, ein Lexikonteil im Anhang hätte die Lektüre erheblich einfacher gemacht. Der Leser bewegt sich innerhalb der Realität des Romans im Grunde auf Case Niveau. Niemand erklärt einem irgendwas, weil Case bereits alles kennt. Das macht den Neuromancer zu einem der schwierigsten Bücher der SF Szene, gleichzeitig aber zu einem der authentischsten und besten.

Die Hörspielfassung des Kultklassikers müsste in meinen Augen ebenso unvertonbar sein, wie der „Herr der Ringe“ unverfilmbar. Doch wie Peter Jackson uns das Gegenteil bewiesen hat, so überzeugt auch die höchst aufwendige Hörspielfassung von Radio Bremen auf ganzer Linie.
Inhaltlich muss man sagen, dass der alte Werbespruch „Reduce to the max“ im Rahmen dieses Projekts eine ganz neue Bedeutung bekommen hat. Bei der Laufzeit von „nur“ 220 Minuten handelt es sich natürlich nicht um eine vollständige Fassung, doch ergibt die wirre und konfuse Geschichte so zusammengekürzt eine höchst sinnvolle und viel stringentere Fassung, der zu folgen nicht mehr annährend so schwierig ist. Dem bereits mehrfach ausgezeichneten Regisseur Alfred Behrens kann man nur gratulieren!
Die hochkarätige Besetzung macht das Einloggen in die Matrix für den Zuhörer zu einem wahren Genuss. Einen der über vierunddreißig Sprecher gesondert zu nennen, wäre unfair; jeder von ihnen leistet seinen Beitrag zu einem wunderbaren Ensemble, dass der Geschichte schon beinahe zu einer visualisierenden Kraft verhilft. Unterstützt werden die Sprecher von brillanten Soundeffekten, so dass man am Ende eigentlich nur noch von einem echten „Kino für die Ohren“ sprechen.
Ein Mini Lexikon und ein Personenregister runden das Erlebnis ab und helfen beim Verständnis.

DERMATRODEN – Hautinterface für Cyberspace Konsolen

Bleibt zu hoffen, dass Radio Bremen mit seiner Fassung des legendären „Neuromancer“ einen Qualitätsmaßstab geschaffen hat, an dem zukünftige Hörspielproduktionen sich messen müssen. Die Umsetzung ist jedenfalls so, wie ein gutes Hörbuch sein sollte: sinnvoll gekürzt, toll erzählt und fantastisch umgesetzt. Ein Tipp für jeden, der der Matrix noch einmal einen Besuch abstatten möchte ebenso wie jedem, der bei der Lektüre schlapp gemacht hat: Dermatroden für die Ohren!


Dieser Text entstand mit freundlicher Unterstützung und Genehmigung der Redaktion von www.lesehoehle.de. Die Lesehoehle beschäftigt sich mit Neuerscheinungen im Bereich der Fantasy und des Rollenspiels sowie der Online-Literatur.

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Wertung

 

Gesamt:

(Extrem gut)

Anspruch:

(Nur mit Lexikon)

Spannung:

(Fesselnd)

Brutalität:

(Brutal)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Autor:

Gibson, William

Verlag:

Der Audio Verlag, Berlin

Erschienen:

Jul. 2003

Kritiker:

Marcel Dykiert

ISBN:

3-898-13259-5

ISBN(13):

978-3-8981-325-6

EAN:

9783898132596

Typ:

Hörspiel

 

William Gibson

 

William Gibson wurde am 17. März 1948 in Conway, South Carolina, USA, geboren. Er verließ die Vereinigten Staaten 1968 nach Kanada um nicht für den Vietnam Krieg eingezogen zu werden. Er siedelte sich erst in Toronto an und zog 1972 nach Vancouver. [mehr]

 

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