 | Neuromancer Rezension von Marcel Dykiert ALEPH - Advanced Library for Efficient Photorealism Schon mal was von Aleph gehört? Vielleicht von Mimetischen Polycarbonat Anzügen, die die Träger mit dem Hintergrund verschmelzen lassen und somit nahezu unsichtbar machen? Vielleicht schon mal in Freeside gewesen, jener künstlichen Stadt in der Erdumlaufbahn, die von Tessier-Ashpool konstruiert wurde und die auch selbst in der größten Villa dieses gigantischen Unterhaltungsparks leben? Nicht? Keinen einzigen der Begriffe? Aber mit Sicherheit hast Du "Matrix" gesehen, "Blade Runner" und schon mal was von "Shadowrun" gehört. Und im Internet bist Du auch zu Hause - natürlich bist Du das! BAMA - Boston-Atlanta-Metropolen-Achse, auch The Sprawl genannt "Neuromancer" ist der Beginn all dieser Dinge. Entgegen der allgemeinen Meinung hat Gibson den Begriff Cyberspace ebenso wenig erfunden, wie die katholische Kirche den Glauben an einen einzigen Gott, aber Gibson hat den Begriff neu definiert und wer heute von Cyberspace spricht, der meint, was der "Neuromancer" aus dem Wort gemacht hat. Gibson hat die Welt verändert und über wie viele Autoren können wir das schon sagen? DEX - Kurzform für Dexederin, Amphetaminpräparat Nicht wenige, die den "Neuromancer" in die Hand nehmen, legen ihn auch gleich wieder weg, wofür sie mein vollstes Verständnis haben, denn die Lektüre ist in jedem Fall harte Arbeit. Dabei ist die eigentliche Handlung nur anfangs undurchsichtig, bereits nach kürzester Zeit läuft sie wie auf Schienen: Held der Geschichte ist Case, ein Daten-Cowboy, der lau seiner Kreditkarte Charles derek May heißt, der laut seinem Pass Truman Starr heißt, der bei den Panther Modern Cutter heißt usw. Case loggt sich mit Hilfe seines Decks in das weltumspannende Netz der Matrix ein und besorgt firmenrelevante Informationen aller Art. Das ist natürlich nicht legal, aber ein gut bezahlter Job. Als Case seine Gewinnspanne etwas steigern wollte, erteilte ihm sein Auftraggeber eine kleine Lektion; er zerstörte sein Nervensystem mit einem russischen Toxin derart, dass es zukünftig keine Ausflüge mehr in die virtuellen Welten der Matrix mehr geben würde – für Case ist die Welt im wahrsten Sinne des Wortes eingestürzt. Die Untersuchungen, die Case mit seinem letzten Geld bezahlte, bestätigten nur, dass der Gewebeschaden tatsächlich irreparabel war, also lebte er fortan als Kleinkrimineller in den miesen Vierteln der Megastädte herum. Sein Leben neigt sich dem Ende – ein Mann, der sich Armitage nennt, propheizeit ihm, dass sein derzeitiger Lebenswandel bedeutet, dass er vielleicht noch einen Monat hat. Aber Armitage hat auch einen Job für ihn: Er ist auf der Suche nach einem verdammt guten Daten Cowboy und zu diesem Zweck wird Case in einer illegalen Klinik wiederhergestellt. Zusammen mit seiner neuen Partnerin Molly, eine mit Messern in den Fingern bewaffnete und durch verschiedene Hardware Applikationen getunte Kämpferin, erfahren die beiden nach und nach, dass es um einen doppelten Großangriff auf einen Industrierechner geht. Während Case die Attacke von der Matrix her durchführen soll, wird Molly in der Realität angreifen. Doch wer ist der undurchsichtige Armitage wirklich und was steckt hinter dem mysteriösen Angriff? Wer oder was ist der Neuromancer, wer oder was ist Wintermute? CHATSUBO – Exilantenbar in Night City/ Tokio Ja, es ist konfus und ja, ein Lexikonteil im Anhang hätte die Lektüre erheblich einfacher gemacht. Der Leser bewegt sich innerhalb der Realität des Romans im Grunde auf Case Niveau. Niemand erklärt einem irgendwas, weil Case bereits alles kennt. Das macht den Neuromancer zu einem der schwierigsten Bücher der SF Szene, gleichzeitig aber zu einem der authentischsten und besten. Die Hörspielfassung des Kultklassikers müsste in meinen Augen ebenso unvertonbar sein, wie der „Herr der Ringe“ unverfilmbar. Doch wie Peter Jackson uns das Gegenteil bewiesen hat, so überzeugt auch die höchst aufwendige Hörspielfassung von Radio Bremen auf ganzer Linie. Inhaltlich muss man sagen, dass der alte Werbespruch „Reduce to the max“ im Rahmen dieses Projekts eine ganz neue Bedeutung bekommen hat. Bei der Laufzeit von „nur“ 220 Minuten handelt es sich natürlich nicht um eine vollständige Fassung, doch ergibt die wirre und konfuse Geschichte so zusammengekürzt eine höchst sinnvolle und viel stringentere Fassung, der zu folgen nicht mehr annährend so schwierig ist. Dem bereits mehrfach ausgezeichneten Regisseur Alfred Behrens kann man nur gratulieren! Die hochkarätige Besetzung macht das Einloggen in die Matrix für den Zuhörer zu einem wahren Genuss. Einen der über vierunddreißig Sprecher gesondert zu nennen, wäre unfair; jeder von ihnen leistet seinen Beitrag zu einem wunderbaren Ensemble, dass der Geschichte schon beinahe zu einer visualisierenden Kraft verhilft. Unterstützt werden die Sprecher von brillanten Soundeffekten, so dass man am Ende eigentlich nur noch von einem echten „Kino für die Ohren“ sprechen. Ein Mini Lexikon und ein Personenregister runden das Erlebnis ab und helfen beim Verständnis. DERMATRODEN – Hautinterface für Cyberspace Konsolen Bleibt zu hoffen, dass Radio Bremen mit seiner Fassung des legendären „Neuromancer“ einen Qualitätsmaßstab geschaffen hat, an dem zukünftige Hörspielproduktionen sich messen müssen. Die Umsetzung ist jedenfalls so, wie ein gutes Hörbuch sein sollte: sinnvoll gekürzt, toll erzählt und fantastisch umgesetzt. Ein Tipp für jeden, der der Matrix noch einmal einen Besuch abstatten möchte ebenso wie jedem, der bei der Lektüre schlapp gemacht hat: Dermatroden für die Ohren!
Eure Meinungen:
| Echt super Hörspiel. Einfach nur spannend und sehr atmosphärisch... [Blackwire] |
| Ich kenne nur das Buch und kann nichts zur Hörspielfassung sagen, aber zumindest bei der Lektüre wird der Leser nicht mehr verwirrt als bei anderen SF-Geschichten. Natürlich gibt es unbekannte Begriffe, aber diese werden entweder soweit erklärt wie es für die Hanlung nötig ist, oder aber es ist völlig irrelevant was es ist. [Darnok] |
| Hm, das Hörspiel hört sich gar nicht mal so schlecht an. Zumindest von der Beschreibung her, selbst gehört habs noch nicht. Aber wenn das auch nur annähernd an die Qualität der Trilogie heranreicht...Respekt!! [mouses] |
| Das Buch ist zumindest das beste was ich kenne. [Wintermute] |
| Hörspiel ist absolut spitze, wärmstens zu empfehlen vor allen Dingen wenn man auch schon den Roman gelesen hat. Ansonsten eventuell für manche Hörer ein wenig verwirrend... [CaseKoch] |
| Ich habe zwar leider das Buch nicht gelesen, allerdings ist das Hörbuch allererste Sahne! Und für jeden Shadowrunspieler sowieso zu empfehlen! [Kulcha Don] |
Dieser Text entstand mit freundlicher Unterstützung und Genehmigung der Redaktion von www.lesehoehle.de. Die Lesehoehle beschäftigt sich mit Neuerscheinungen im Bereich der Fantasy und des Rollenspiels sowie der Online-Literatur. Datenbank:0.0010 Webservice:0.1080 Querverweise:0.2258 Infos:0.0034 Verlag,Serie:0.0004 Cover:0.0006 Meinungen:0.0023 Rezi:0.0002 Kompett:0.3420 |  |