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Fäden des Schicksals

Balzer, Alexandra

Rezension von Peter-Pan

Das dritte Zeitalter der Welt neigt sich dem Ende entgegen, und die Götter Herenayas erwecken ihre Dienerin Aleanjre aus einem Jahrtausende währenden Schlaf. Von Andla, der Herrscherin der Seelen, erfährt die Halbgöttin, wie sich die Machtverhältnisse während ihres Schlafes verschoben haben. Die Elfen haben inzwischen ihren Zenit überschritten und die Zeit der Drachen geht zu Ende. Während die Zwerge langsam aussterben, sind die Menschen zahlreich geworden auf Erden. Sie stellen die neue große Macht dar, und werden unabhängig von Sieg oder Niederlage der guten Götter, die verbleibenden fünf Äonen der Welt die herrschende Rasse sein. Aleanjre soll sich nach Norden wenden, bis sie ein Gebiet erreicht, das die Menschen Ujo nennen. Dort soll ihr Kampf gegen die Diener des finsteren Gottes Ubri’cal beginnen, und nur das Schicksal wird zeigen, wohin er sie führt.

Teil 1: Marejo

In Uskara, einem kleinen Landstrich in der Provinz Niskrym, entwickelt sich eine Romanze zwischen dem unschuldigen Bauernmädchen Daenna und einem geheimnisvollen Fremden, der sich selbst Tanor nennt. Die vor der Gemeinschaft des Mädchens geheimgehaltene Beziehung führt schließlich zur Schwangerschaft, und zur Geburt eines außergewöhnlichen Jungens. Doch nachdem das Mädchen bei der Geburt ihres Kindes stirbt, will seine Familie nichts mit ihrem Sohn zu tun haben. Daraufhin nimmt Tanor den Jungen an sich und begibt sich auf die Suche nach Ersatz - Eltern, die ihn großziehen sollen. Fündig wird er bei dem Holzfäller Haras und seiner Frau Alysea, beide zwar nicht mehr die jüngsten, aber gesund und stark, und entgegen ihrer Wünsche kinderlos. Vor ihrem Haus setzt Tanor den Jungen ab, und lässt sie per Magie nur eines noch wissen: Den Namen des Kindes, Marejo’el – Sohn des Drachen.

Glücklich wächst Marejo bei seinen Adoptiveltern auf, und entwickelt sich schnell zu einen kräftigen und gesunden Jungen. Doch seine Kraft und seine Intelligenz überschreiten bald jedes natürliche Maß, und mit acht Jahren lässt er zum ersten Mal eine magische Begabung erkennen. Schließlich nehmen Haras und Alysea ihn mit in die Stadt Korbos, wo er an der Magier-Akadamie geprüft werden soll. Doch in der Stadt kommt es am späten Abend zu einem Vorfall, bei dem Marejo Magie einsetzt um einen Krüppel vor seinen Peinigern zu beschützen. Als am nächsten Tag der Feuermagier Erolel bei der kleinen Familie vorstellig wird, scheinen sich die Vermutungen der drei zu bestätigen, und schneller als erwartet betritt Marejo die Akademie der Magier. Bei der Prüfung durch den versammelten Lehrkörper, bei der auch eine Elfe namens Arreley anwesend ist, gelingt es Marejo Zugang zu allen acht Toren der Magie zu finden – etwas das keinem Menschen und auch keinem Elf möglich sein sollte. Marejo bleibt an der Universität, wo er in nahezu allen Fächern ausgebildet wird und nach kurzer Zeit seine Meister übertrifft. Doch nicht nur von den Menschen muss Marejo lernen, bald zieht es ihn auch zu den Elfen, zu den Zwergen und in ferne Länder, wo er versucht seine Bestimmung zu finden.

Teil 2: Nonya

Die junge Frau Nonya ist die Tochter des Drachens Shomabra und wurde von ihrer Mutter sowohl in der Jagd als auch in der Magie gut ausgebildet. Eines Tages weist Shomabra sie an, sich in die nächste Menschensiedlung zu begeben, wo sie dem Schicksal folgen soll, das die Götter für sie vorgesehen haben. Denn Nonya, die wie Marejo Zugang zu allen acht Toren der Magie hat, spielt eine wichtige Rolle im Kampf der guten Götter gegen Ubri’cal. In der Stadt der Menschen trifft Nonya auf den jungen adligen Thorne, der sie irrtümlich für eine Angehörige seines Standes hält Nonya beschließt das Spiel mitzuspielen, und gibt sich als Gesandte einer adeligen Familie aus, die mit einer wichtigen Botschaft an den Hof des Königs geschickt wurde. Zusammen mit Thorne, und gegen den Willen seiner Mutter, bricht Nonya auf in Richtung Hauptstadt und Palast. Was genau sie dort tun soll, weiß sie selbst noch nicht.

Gut und Böse

John Ronald Reul Tolkien, bekanntermaßen der Autor von „Der Herr der Ringe“, ließ in eben jenem epischen Märchen die finale Schlacht zwischen Gut und Böse am Ende des dritten Zeitalters von Mittelerde stattfinden. Viele Fantasy – Autoren haben diese Idee aufgenommen, und zumindest versucht, ähnliche Geschichten zu erzählen. Als sei es ein ungeschriebenes Gesetz, dass der große (wenn auch nicht entgültige) Sieg über das Böse, den Beginn eines neuen Zeitalters mit sich bringen müsste. Auch Alexandra Balzer hat diesen Gedanken aufgegriffen und erstaunlich konsequent umgesetzt. Schon ziemlich zu Beginn des Buches stellt sie klar, dass sich der Kampf zwischen den guten und den bösen Mächten, zwischen den Engeln (oder Göttern laut Buch) und den Dämonen am Ende aller Zeitalter der Welt wiederholt, und der Ausgang stets ungewiss ist. Eigentlich eine ganz witzige Idee, und da der Roman am Ende des dritten Zeitalters spielt und es laut der Herenaya – Mythologie acht Zeitalter geben soll, hat sie damit noch viel Raum für Fortsetzungen.

Überhaupt hat sich Balzer Mühe gegeben ihrem Erstlingsroman einen episch anmutenden Anstrich zu verpassen. Die Geschichte, die sich über knapp zwei Jahrzehnte hinzieht, vermittelt zu jeder Zeit den Eindruck weiterer, tiefer gehender Geschichten. Dabei sind die typischen Fantasy – Elemente, wie Drachen, Elfen, Trolle, Zwerge und Einhörner fast vollständig vertreten, und werden, sei es zum guten oder schlechten, in sehr altbekannter Weise eingesetzt. So kommt Alexandra Balzer, ebenso wie Tolkien und unzählige andere Fantasy – Autoren zu dem Schluss, dass die magischen und mythischen Geschöpfe letztendlich aussterben müssen, und dass am Ende ihrer Existenz entgültig die Zeit der Menschen anbricht. Eine Zeit, die unweigerlich in unserer Gesellschaft mündet, und in der Fabelwesen und Magie nur noch den Märchen vorbehalten sind. Auch in anderer Beziehung greift Balzer beliebte Thesen der Fantasy wieder auf. So mangelt es ihren Zwergen, ebenso wie bei Tolkien, Pratchett und sogar Disneys Schneewitchen eindeutig an einer weiblichen Seite, wofür die Autorin aber mit einer sehr spannenden pseudohistorischen Erklärung aufwartet. Die Elfen erweisen sich, wie von anderen Autoren gewohnt, als zartgliedrige, leichtfüßige Wesen, die älter und klüger als die Menschen sind, und über weitaus mehr Wissen und Magie verfügen. Ein interessanter Aspekt ist, dass gerade sie nur sehr zurückhaltend von der Magie Gebrauch machen, ja sie in Teilen sogar ablehnen und sich lieber auf die Kraft und Geschicklichkeit ihres Körpers verlassen. Auch die uralten Drachen, ebenfalls dargestellt als schwindende Rasse, sind wie bei beispielsweise Ursula Kroeber LeGuin (Erdsee) sprachbegabt und voller Weisheit, und jenseits aller Wertevorstellungen von gut und böse.

Ein weiterer schöner Zug ist die Geradlinigkeit der Geschichte. Der Roman setzt sich, Prolog und Epilog mal außen vorgelassen, aus drei Teilen zusammen. Der erste Teil erzählt von Marejo’el, dem Sohn des Drachen, von seiner Kindheit, seiner Jugend und seinen Erfahrungen bei den unterschiedlichen Völkern. Sehr spannend beschreibt Balzer den Aufenthalt des Helden an der Akademie der Magier, im Wald der Elfen und in den Höhlen der Zwerge. An all diesen Orten muss Marejo Abenteuer bestehen, Freunde finden und Wissen sammeln. Dabei muss er einige Kämpfe bestehen, und, was eigentlich noch interessanter ist, dass eine oder andere historische Rätsel lösen. Ein fast klassisches Helden – Schicksal, aber spannend und unterhaltsam erzählt, und mit einigen Überraschungen aufwartend.

Der zweite Teil erzählt von Marejos weiblichen Gegenstück Nonya, welche die Tochter eines Drachen ist. Erfreulicherweise vermeidet es die Autorin uns zweimal dieselbe Geschichte zu erzählen. Sowohl Kindheit als auch ein Teil der Jugendjahre Nonyas werden zunächst völlig außen vorgelassen. Tatsächlich können wir aus dem Wenigen, was wir erfahren, und aus dem, was wir bereits über Marejo wissen, auch ziemlich gut schlussfolgern, wie diese Zeit für Nonya verlaufen sein muss. Sehr anders zwar als bei Marejo, aber dennoch mit einigen offensichtlichen Parallelen. Stattdessen also setzt die Handlung damit ein, dass Nonya, die Zeit ihres Lebens in der Wildnis gelebt hat, in eine Stadt der Menschen geschickt wird, und sich dort mit den doch sehr seltsamen Verhaltensmustern und sozialen Strukturen der Zweibeiner auseinandersetzen muss. Das ist sehr atmosphärisch und stellenweise sogar witzig geschildert, und findet im Palast des Königs einen nicht nur für Nonya ernüchternden Ausgang.

Der dritte Teil schließlich, „Fäden des Schicksals“, führt die Ereignisse der beiden Handlungen zusammen, und erzählt, wie Herenaya langsam im Bürgerkrieg versinkt. Sowohl Marejo als auch Nonya versuchen jeder auf ihre Weise die schwierige Situation in den Griff zu bekommen, und die Rolle zu spielen, welche die Götter für sie vorgesehen haben. Dabei treffen beide auf neue Bekannte, von denen sie nicht völlig sicher sind, ob es sich um Freunde oder Feinde handelt. Im großen Finale schließlich, wenn die Schlacht schon fast geschlagen scheint, laufen alle Handlungsfäden zusammen, und manche Gestalt erweist sich als nicht das, was sie zu sein vorgibt.

Kommen wir zu einigen negativen Punkten, die ich leider nicht außer acht lassen kann. Der Asaro Verlag ist (noch?) ein ziemlich kleiner Verlag, und wie bei kleinen Verlagen oder books on demand gewohnt, hat das Buch einige äußere Mängel. So finden sich unweigerlich Rechtschreib- und Tippfehler im Buch, die hier zwar nicht so zahlreich sind, wie ich es anderweitig schon erlebt habe, aber dennoch ins Auge stecken. Auch das Cover, das übrigens in keinen augenscheinlichen Zusammenhang zur Handlung steht, ist nicht unbedingt nach meinem Geschmack. Anders als bei den meisten Fantasy - Romanen wirkt das Titelbild hier nicht malerisch, sondern eher gekünstelt. Der Eindruck von Computergenerierung ist unangenehm deutlich und wird nicht allen Lesern gefallen. Zudem finde ich es ziemlich happig, fast 30 Euro (29,90 um genau zu sein) für ein Buch zu verlangen, dass weder Hardcover ist, noch einen Lesefaden hat, noch in anderer Hinsicht mit einer herausstechenden Aufmachung aufwarten kann. Dieser hohe Preis, für ein Paperpack, dessen Einband nach einmal Lesen unweigerlich Knickspuren aufweisen wird, stößt doch sehr unangenehm auf. Als Fantasy – Erstlingsroman einer bislang noch unbekannten deutschen Schriftstellerin, wird es das Buch ohnehin sehr schwer haben, und ich finde es mehr als bedauerlich, wenn potenzielle Käufer auch noch durch diesen Betrag abgeschreckt werden. Denn die Geschichte ist gut, wirklich gut. So gut, dass ich mich trotz der genannten Mängel zur Höchstnote durchgerungen habe, um die Arbeit der Autorin angemessen zu würdigen.

Fazit: Ein weiterer Fantasy – Roman, der von der großen Schlacht zwischen gut und böse berichtet. Viele bekannte Ideen und Muster finden in Alexandra Balzers Debüt Verwendung, werden hier aber so spannend und atmosphärisch dicht präsentiert, wie es nur wenigen Autoren gelingt. Auf über fünfhundert Seiten erzählt die Nachwuchsautorin eine Geschichte, die mit vielen überraschenden Wendungen aufwartet und am Ende einen wirklich gelungenen Bogen zum Beginn der Handlung schlägt. Man darf gespannt auf ihr nächstes Buch sein.

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Wertung

 

Gesamt:

(Extrem gut)

Anspruch:

(Entspannend)

Spannung:

(Fesselnd)

Brutalität:

(Vertretbar)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Autor:

Balzer, Alexandra

Verlag:

Asaro, Ottersberg

Erschienen:

Okt. 2003

Kritiker:

Peter-Pan

ISBN:

3-934-62539-8

ISBN(13):

978-3-9346-253-6

EAN:

9783934625396

Typ:

Taschenbuch

 

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