 | Der Asteroidenkrieg Rezension von Martin Hoyer Die Ausgangssituation in diesem ersten Band eines neuen Zyklus’ von Ben Bova (vom Verlag nicht als solcher gekennzeichnet) ist verheerend: In naher Zukunft hat der globale Klima-Kollaps hat die Menschheit an den Rand des Abgrunds geführt. Jedes Bestreben, die Lage in den Griff zu bekommen, wird von offiziellen Stellen, die ihrerseits von religiösen Fanatikern und korrupten Bürohengsten durchsetzt sind, gründlich torpediert. Das macht es schwer für ein Konglomerat von Konzernen, welches beabsichtigt, mit Hilfe eines neu entwickelten Fusionsantriebs die Ressourcen des Asteroidengürtels zu erschließen. Hinzu kommt, dass die Zielsetzung der Beteiligten unterschiedlicher nicht sein könnte. Nachdem ich den "Asteroidenkrieg" unverletzt überstanden habe, frage ich mich, ob es möglich wäre, dass sich Ben Bova irgendwann in den 60er/70er Jahren des letzten Jahrhunderts auf eine einsame Insel zurückgezogen, seine Gesellschaftswahrnehmung beendet und sich nur noch (grob) über technische Neuerungen auf dem Laufenden gehalten hat. Der Roman mag als simples SF-Abenteuer noch einigermaßen goutabel sein, aber ich bin seit der Auffrischungslektüre von Asimovs "Foundation"-Zyklus nicht mehr über so viele Anachronismen gestolpert. Das will etwas heißen, zumal zwischen diesen Erzählungen immerhin mehr als ein halbes Jahrhundert liegt. Auch wissenschaftliche Neugier wird kaum geweckt, da jede hier verarbeitete Idee an anderer Stelle bereits sehr viel besser verarbeitet worden ist. Das Spannungspotential der Ansätze von Polit- und Wirtschaftsthriller bewegt sich auf der geruhsamen Ebene des "Denver Clans" und wenn man ganz ehrlich und ein klein wenig böswillig ist, kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Mr. Bova auch seine oberflächlich als stark skizzierten weiblichen Protagonisten lieber barfuss und schwanger am heimischen Herd angekettet sehen würde. Bei der Vielzahl an kleinen inhaltlich-stilistischen Schwächen weiß ich nicht, ob sie einer womöglich einsetzenden Senilität des Autors oder mangelnder Erfahrung des Übersetzers zuzuschreiben sind, doch auf jeden Fall wurde es mit allmählich zu bunt, auf jeder Seite wenigstens einmal lesen zu müssen, dass eine Frau manikürte Fingernägel hat und eine Tastatur bedient, um nur ein markantes Beispiel zu nennen. Weitere Schwachstellen wie die späte und sehr plötzliche Einführung eines zentralen Charakters auf dem letzten Drittel oder das allerhöchstens im Märchen legitime Herauskramen der Tarnkappe (auch wenn diese hier ein Produkt der Nanotechnologie ist), um den Handlungsverlauf nicht in eine Sackgasse münden zu lassen. Meine letzten Sympathien verscherzt sich Ben Bova damit, dass die Auflösung des Plots in etwa so sehr überhastet kommt, wie sie spätestens ab der Mitte des Romans vorhersehbar war. Zusammen mit der eher flachen Spannungskurve, die in der vertikalen Achse höher sein könnte, wenn die horizontale Achse nicht über alle Maßen gestreckt wäre (Übersetzung: Die gleiche Story hätte man auf weniger Seiten besser erzählen können.), bleibt dieser Roman absolutes Mittelmaß; ja sogar unteres Mittelmaß, wäre das derzeitige Angebot an Neuerscheinungen nicht so desolat. Schlussendlich ist der deutsche Titel des Romans (im Original: „The Asteroid Wars: The Precipice“) beinahe Etikettenschwindel zu nennen, denn selbst wer nur Action erwartet, wird bitter enttäuscht sein. Um Asteroiden geht es erst im letzten Sechstel des Romans, der Krieg wird eher durch den Konflikt des Lesers repräsentiert, ob er den Roman sofort aus der Hand legt oder sich doch bis zum Ende durchkämpft. Man darf spekulieren, ob die Entscheidung von Heyne, den für den kompletten Zyklus angedachten Namen zum Titel des ersten Bandes der deutschen Ausgabe zu machen, darauf zurückzuführen ist, dass es keine weiteren Bände geben wird. Ein Grund zur Trauer wäre das nach dieser Vorlage allerdings nicht.
Eure Meinungen:
| Ein wirklich spannendes Buch. Ich freu mich schon auf die Fotsetzung. Kann die Rezension des Artikels überhaupt nicht verstehen. [Jasmin] |
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