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Ancient Domains of Mystery (ADOM)

Biskup, Thomas

Rezension von sgo

ADOM
Es gibt Computerspiele mit hervorragender Graphik, deren bloßer Anblick einem die Sprache verschlägt vor Begeisterung. ADOM gehört nicht dazu.

Dann gibt es Spiele mit schlechter Graphik, deren Anblick einem bestenfalls ein müdes Lächeln abnötigt. ADOM gehört hier auch nicht dazu, denn ADOM besitzt überhaupt keine Graphik! Jede noch so unansehnliche Legostein-Graphik aus längst ausgestandenen C64-Steinzeiten schlägt in dieser Hinsicht ADOM um Längen.

Bislang klingt ADOM (oder eben Ancient Domains Of Mystery) nicht so spannend, das muss ich zugeben. Warum schreibe ich dann einen Bericht über ein derart antiquiertes Spiel? Nun, aus einem einzigen Grund: ADOM ist der entgültige Beweis dafür, das Graphik für ein gut gemachtes Spiel völlig ohne Belang ist. Der Spielspass ist das einzig wichtige Kriterium, und in dieser Hinsicht muss ADOM sich auch vor den aktuellen Titeln nicht verstecken.

Was muss man sich bei einem Spiel ohne Graphik vorstellen? Die bekannteste Variante hierbei sind wohl die guten alten Text-Adventures. Der Spielspass dieser oftmals englischen Spiele blieb leider dank fehlender Englisch-Kenntnisse der Spieler (und mitunter auch der Programmierer) auf der Strecke. Deutsche „Textabenteuer“ sind allerdings auch nicht besser. Ständige Verständigungsprobleme mit den oftmals armseligen Befehlslisten der Programme haben mir schon seit Langem den Spaß an dieser Art von Spielen ausgetrieben.

ADOM geht einen anderen Weg und nutzt die Buchstaben der Tastatur als Platzhalter. Der eigene Charakter wird durch ein @ dargestellt, und ein grünes T ist kein Buchstabe, sondern ein vermutlich bösartiger Troll. (Neben Trollen kommen auch noch Elfen, Zwerge, Orks und sonstiges Gesocks vor, denn es handelt sich bei ADOM um ein Fantasy-Rollenspiel.)

Ein typischer Bildschirm könnte so aussehen:

###########
#. &. . . . . . #
#. . . . . . . . ###########
#. . . @ . . . / . . . . . .
#. . . . . . r . ###########
#. . . . . . . . #
############

Unser Held @ steht hier mitten in einem unterirdischen Kellerraum. Die # sind die Wände des Dungeons, die Punkte sind freier Raum. Oben links befindet sich eine Statue (&), während sich rechts unten eine Ratte (r) befindet. Der Raum hat in der rechten Wand eine Tür (/), durch die unser Held auf den Gang hinaus gehen kann. Er kann sich aber auch mit der Ratte prügeln oder die Statue durchsuchen. Jeder Buchstabe hat also eine Bedeutung. Dies klingt komplizierter als es ist, denn in der Praxis merkt man sich die Bedeutung der Zeichen sehr schnell und nimmt das Ganze schnell nur noch als Kartenbilder wahr. Außerdem kommen noch die verschiedenen Farben der Zeichen dazu, welche bei der Identifizierung helfen. So sind die Wände und die Bodenpunkte Grau gehalten, während die Tür holzbraun daher kommt und die Statue Goldgelb sein könnte.

In diesem Kartenbild läuft unser Held @ herum, prügelt sich mit Monstern und sammelt Schätze ein. (Man benimmt sich also ganz genau wie in Baldurs Gate). Und damit das Ganze sich nicht auf reine Monsterschlächterei beschränkt bekommt der Held auch Missionen und Aufträge. Erfolgreiche Kämpfe und gelöste Aufgaben werden mit Erfahrungspunkten belohnt, und der Charakter steigt auf diese Art und Weise im Level. Er erhält bessere Fähigkeiten und mehr Trefferpunkte, hält also im Kampf mehr aus und wird immer gefährlicher für seine Umwelt. Und hier ist einer der Pluspunkte von ADOM, denn die Charakterentwicklung ist sehr ausgeklügelt.

Schon bei der Erschaffung des Helden hat man die Auswahl zwischen x Rassen und noch mehr Klassen. Trolle können großartig kämpfen, wären aber schlechte Magier, während Halblinge als Paladin eher fehlbesetzt erscheinen. Man bekommt auch einen kurzen Abriss über sein bisheriges Leben, und alles darin hat Auswirkungen auf den eigenen Charakter (wer als Kind hungern musste ist z.B. etwas schwächlicher als wohlversorgte Kinder). Auch die Sternzeichen, unter dem der Charakter geboren wird, haben Auswirkungen auf seine Karriere, da manche Sternzeichen Magier bevorzugen, während Andere besser für Kämpfernaturen sind. Auch die Religion des Helden ist nicht unwichtig, da die Götter dem wahren Gläubigen durchaus helfen können. Allerdings sollte man im Gegenzug seinem Gott auch schon mal magische Gegenstände oder einen erschlagenen Feind opfern, sonst wird er eventuell böse...

Einen Sonderpunkt wert ist die ausgeklügelte Lebensmittelversorgung des Spiels. Anders als in vielen anderen Computerrollenspielen, in denen die Helden im wahrsten Sinne des Wortes von Luft und Hiebe zu leben scheinen, müssen hier die Charaktere genügend Nahrung mit sich führen. Lebensmittel sind leider teuer, nehmen viel Platz im Rucksack weg und halten auch nicht sonderlich lange. Dabei gibt es doch eine billige und ökologische sinnvolle Alternative: es liegt nach den Kämpfen doch eine Menge Fleisch völlig sinnlos herum! Bevor man verhungert, wird frittierte Fledermaus zur Delikatesse, und selbst ein rohes „Orkfilet in eigener Sauce“ ist immer noch besser als zu Verhungern. Und das Hirn eines Gelehrten kann sogar dem dümmsten Troll dabei helfen, lesen zu lernen...

Trotz der (wohlmeinend ausgedrückt) einfachen Optik des Spieles ist es unglaublich komplex, und kein Spielverlauf gleicht dem Anderen. Während die Übersichtskarte des Spielkontinents immer Dieselbe ist und auch die Grundzüge der verschiedenen Ortschaften gleich bleiben, sind die Dungeons per Zufallsgenerator aufgebaut und im wahrsten Sinne des Wortes Unendlich. Eine fast ebenso unendlich unterschiedliche Zahl von Monstern bevölkern die Keller und Ebenen der Spielwelt, und viele sorgen mit Spezialfähigkeiten für eine breite Varianz von interessanten Charaktermorden. Die erhältliche Ausrüstung unseres stolzen Recken ist ebenfalls sehr umfangreich und deckt so ziemlich alles ab, mit dem sich ein normaler Mensch bekleiden, behängen oder bewaffnen kann. Und Manches davon ist verflucht...

Da wir beim Fluchen sind, sollten wir langsam zu den Nachteilen des Spieles kommen. So kann man zwar abspeichern, aber sobald man stirbt, war es das für den Charakter. Das Programm löscht automatisch den Spielstand und zeigt nur noch ein „Memorial File“ an. Hier kann man noch einen letzten Blick auf seinen Charakter-Highscore werfen und sich die Liste seiner erschlagenen Feinde ansehen, was ja auch durchaus interessant ist. Aber mit dem gespeicherten Helden weitermachen kann man nicht mehr. Dies kann man immerhin umgehen, wenn man regelmäßig eine Sicherheitskopie des Spielstands auf ein anderes Laufwerk zieht. (Ein solches Verhalten wird vom Autor des Spiels übrigens als Betrug gewertet, aber ich betrüge meinen Computer gern und regelmäßig.)

Das ständige Abspeichern führt im Normalfall übrigens dazu, das man schnell die ersten 10 Plätze der Highscore-Liste mit (z.B.) immer demselben elfischen Bogenschützen namens Legolas voll schreibt, denn man stirbt schnell und oft in diesem Spiel. Die Todesarten sind fast Unendlich und reichen vom (häufigen) Hungertod über Vergiftungen und Erschlagen werden bis hin zu reichlich obskuren Hinrichtungsarten. Und die Schnelligkeit, mit der man seine sauer erworbenen Ausrüstungsgegenstände wieder verlieren kann ist auch ärgerlich. Hier wird das Spiel an manchen Stellen einfach schon etwas unfair, was in Verbindung mit der umständlichen Speichermöglichkeit ärgerlich ist.

Die Steuerung per Tastatur ist durchaus gewöhnungsbedürftig und dürfte das größte Hemmnis für den Neueinsteiger in ADOM darstellen. Wenn man sich erst einmal an die wichtigen Befehle gewöhnt hat ist dies zwar kein Problem mehr, aber den Anfängerspieler dürfte ein Listing mit 2 Seiten Tastaturbefehlen eher abschrecken. Regelmäßig braucht man nur eine Handvoll davon, und Manche sind eher ein Scherz als ein unbedingt notwendiger Befehl. So kann man sich z. B. per Tastaturbefehl auch das Gesicht sauber wischen. Für den erfahrenen Spieler verwandelt sich die umfangreiche Steuerung eher in einen Vorteil, denn die Handlungsmöglichkeiten sind immens.

Und leider fehlt auch eine Multiplayer-Variante, welche das Spiel absolut bereichern könnte. Mancher wird noch eine fehlende deutsche Version des Games beklagen, welches trotz seines deutschen Autors Thomas Biskup nur auf englisch ist. Wer seine Englisch-Stunden nicht gerade in Pisa gemacht hat dürfte allerdings damit klar kommen, denn es ist doch eher einfaches Englisch.

Diese Nachteile werden durch einen klaren Vorteil mehr als aufgewogen: Das Spiel ist umsonst und DARF kopiert werden. Thomas Biskup arbeitet seit 1994 an ADOM, bringt regelmäßig neue Versionen heraus und das alles ohne Bezahlung. Alles was er möchte ist eine Postkarte; offensichtlich sammelt er die Dinger. (Ich habe ihm eine Karte aus Jamaika geschickt und bin in dieser Hinsicht nun Schuldenfrei.)

Zieht es euch aus dem Netz und zockt es zumindest mal an, dann werdet ihr seinem Charme sicherlich genauso erliegen wie es mir erging. Ich jedenfalls ziehe ADOM so manchem 3D-Adventure mit toller Graphik und schwacher Story vor. Außerdem sind Einzelheiten des Spieles auch ohne blutige Splatter-Graphik-Versionen schön makaber. Wo sonst darf man schon seine Feinde verspeisen, wenn man mit ihnen fertig ist? (Von Koboldfleisch rate ich allerdings ab...;-))

Hier gibt es das Teil:
http://adom.de/adom/download.php3 Das ist die version 1.1.1 von 2002. Die Nächste ist aber bereits in Arbeit...

Datenbank:0.0013 Webservice:0.0000 Querverweise:0.0049 Infos:0.0005 Verlag,Serie:0.0006 Cover:0.0001 Meinungen:0.0007 Rezi:0.0001 Kompett:0.0084

 

Wertung

 

Gesamt:

(Gut)

Schwierigkeit:

(Verständlich)

Spannung:

(Spannend)

Brutalität:

(Brutal)

 

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Infos

 

Sprache:

Englisch

Autor:

Biskup, Thomas

Verlag:

Thomas Biskup

Erschienen:

Jan. 2002

Kritiker:

sgo

Typ:

Soloabenteuer

 

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