 | Leben ohne Tod Rezension von Jim Melzig Eine Gruppe Wissenschaftler entwickelt ein Medikament, das den zum Zeitpunkt der Einnahme herrschenden körperlichen Zustand konserviert. Als das Militär davon erfährt, werden die Wissenschaftler an einen abgelegenen Ort entführt, um dort ihre Forschung unter der Oberaufsicht eines skrupellosen Nobelpreisträgers abzuschließen. Derweil werden sie in der Öffentlichkeit für tot erklärt und nur der junge Senator David, ein enger Freund eines der Entführten, schenkt der Erklärung keinen Glauben, beginnt auf eigene Faust mit Nachforschungen und wird dadurch mit einem kriminellen Filz aus Militär, Politik und Wissenschaft konfrontiert. Das Konservierungsmittel hat groteske Nebenwirkungen, wie zum Beispiel Sterilität und schleichende Verblödung. Dies hält jedoch einen größenwahnsinnigen General nicht davon ab, es an sich selbst zu testen. Als sich auch noch einer der Wissenschaftler offen widersetzt und das Projekt zu sabotieren droht, eskaliert die Situation. In "The Nevermore Affair" stellt Kate Wilhelm wieder einmal ihr erzählerisches Talent unter Beweis. Man findet in der Geschichte wenig Science Fiction, dafür allerdings eine Menge interessanter Szenen und einen spannenden Schluß. Kate Wilhelm diskutiert anspruchsvoll zwei große prekäre Themen. Das Eine ist die Frage, wie verantwortlich Wissenschaftler mit ihren Erkenntnissen umgehen sollen und wie schnell die Dinge außer Kontrolle geraten, wenn sie es nicht tun. Und die Zweite ist die hypothetische Situation in der die Menschen die Macht haben, ihre eigene Sterblichkeit zu überwinden und ob dies der Menschheit irgendeinen Nutzen bringen könnte. Mittels ihres fiktiven Philosophen Jean Versin beantwortet Kate Wilhelm die Frage nach der Unsterblichkeit eindeutig: "Die Menschheit wird nie reif für die Unsterblichkeit sein....Der Mensch ist ein unausgesetzter Entwicklungsvorgang und nicht ein statisches Endziel...Wenn er seinen Körper weitgehend vervollkommnet hat, dann kommt der Geist an die Reihe, und hier ist kein Ende abzusehen...Wenn der Mensch genau wüßte, daß er ein ewiges Leben hat ...Das würde Perfektion bedeuten, und die Perfektion schließt von sich aus jede Verbesserung aus, jede Veränderung und weitere Entwicklung. Das Fehlen einer Entwicklung bedeutet aber für die Menschheit den Tod." Das ist zwar keine neue Philosophie, aber Kate Wilhelm gelingt es, diese mit einer plausiblen Geschichte auf spannende Art zu verknüpfen. Ein schönes Buch, nur leider etwas zur verknappt für die Höchstnote.
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