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König Ratte

Miéville, China

Rezension von Ashyra

Angenommen, sie sind Schriftsteller, haben eben ihren ersten Roman fertig geschrieben und gehen jetzt zu PanMacMillan, einer Londoner Autorenagentur.
Worum geht es denn in ihrem Buch, will der Agent wissen.
„Oh“, sagen Sie, „ich habe die Legende vom Rattenfänger von Hameln ganz neu aufgelegt.“
Der Agent nickt. „Ich habe die Geschichte vom Rattenfänger ins zeitgenössische London verlegt“, fahren Sie fort. Der Agent nickt – eine mutige Idee.
„Mein Protagonist ist eine Ratte“, erklären sie weiter, „sein Gegenspieler ist der Pfeifer. Nebenbei geht es noch um Drum ’n Bass, und außerdem transportiere ich mit dem Roman meine sozialistischen Ansichten. Das ganze ist aber konventionelle Fantasy noch Science-Fiction, noch passt es in sonst irgendeine Kategorie.
Und nein, es ist keine Parodie. Es ist eine ganz und gar ernst gemeinte Geschichte.“
Was glauben Sie? - Der Agent wird den Kopf schütteln und Sie entweder mit einem Tritt oder mit einem mitleidigen Lächeln vor die Tür setzen, nicht wahr? Er wird Ihnen erzählen, dass sich so eine unglaubwürdige, abstruse Geschichte nie und nimmer verkaufen lässt, dass kein Leser Ihnen diesen Schwachsinn abnehmen wird, nicht wahr?
Nein.
Der Agent wird Ihren Roman lesen, begeistert sein und Sie einen Vertrag unterzeichnen lassen. Sie werden die SF-Bestsellerlisten erobern und Auszeichnungen erhalten.
Zumindest wird genau das passieren, wenn sie China Miéville heißen.

Zur Story: Saul Garamonds Leben ändert sich schlagartig, als sein Vater eines Morgens tot aufgefunden wird. Die Polizei glaubt, er sei der Mörder. Bevor Saul sich seiner Situation ganz bewusst werden kann, dringt ein seltsames Wesen in seine Zelle ein, ein Mann, der sich King Rat nennt. Er verhilft Saul zur Flucht und offenbart ihm, dass er kein gewöhnlicher Mensch ist, dass seine Mutter eine Ratte war, lehrt ihn Abfälle zu essen und sich durch die Kanalisation zu bewegen.
Während seine Freunde sich Sorgen um Saul machen, findet er den Weg in die Londoner Unterwelt. Doch King Rat hat ihn nicht aus uneigennützigen Motiven befreit: der Erzfeind aller Ratten, der Pfeifer von Hameln, ist in der Stadt und bedroht das Leben King Rats und aller seiner „Untertanen“ – mit Hilfe von Sauls ahnungsloser Freundin Natasha und deren Musik will er vollenden, was ihm Jahrhunderte früher nicht gelang.
Saul tut sich eine rätselhafte Welt voller unbeantworteter Fragen auf: Warum musste sein Vater sterben, und wer ist sein Mörder? Welche Motive hat King Rat, der behauptet sein Onkel zu sein, wirklich? Und welche Rolle spielt letztendlich er selbst?
Zusammen mit Anansi, dem Herr der Spinnen und Loplop, dem Vogeloberen, stellt sich Saul dem Rattenfänger entgegen...

Miévilles ungewöhnlicher Erstlingsroman „König Ratte“ ist aus der Synthese ganz verschiedener Inspirationsquellen entstanden – da ist das Märchen vom Rattenfänger von Hameln, London und seine Drum & Bass-Szene, und, unterschwellig, aber doch klar erkennbar: Sozialismus.
Die Charaktere wirken allesamt glaubwürdig, selbst Peter, der Rattenfänger, der doch vom Ursprung her eher als stereotyper Held entworfen worden ist.
Der Autor schafft sich eine sonderbare, aber eben deshalb so interessante Welt und fängt die düstere Atmosphäre von Londons Kanalisation beinahe perfekt ein (und das, wie er in einem Interview sagte, ohne je selbst den Fuß hinein gesetzt zu haben). Die Spannung lässt den geneigten Leser die knapp 460 Seiten locker in drei Tagen verschlingen. Die Storyline ist insgesamt so dicht gesponnen, dass man kaum wagt, das Buch aus der Hand zu legen.

Am meisten Kopfzerbrechen bereitet einem die Einordnung des Romans. Miéville scheint es sich zur Aufgabe gemacht zu haben, mit keinem seiner Romane in irgendein Genre zu passen.
Mittlerweile werden seine Romane zu der Gattung „Urban Fantasy“ gezählt, er selbst bezeichnet seine Romane aber ganz einfach als „weird fiction“.

Zum Glück der deutschen Leser ist Eva Bauche-Eppers für die hervorragende Übersetzung verantwortlich, die bei Miévilles umfangreichen Wortschatz und den sprachlichen Eigenheiten seiner Figuren sicherlich kein Leichtes war.

Nebenbei sei noch das hübsche Cover-Artwork von Fantasy-Illustrator Michael Whelan und der angemessene Preis erwähnt, die auch die letzten Zweifler überzeugen sollten, sich „König Ratte“ einmal zu Gemüte zu führen.

Datenbank:0.0007 Webservice:0.1104 Querverweise:0.0498 Infos:0.0004 Verlag,Serie:0.0002 Cover:0.0000 Meinungen:0.0005 Rezi:0.0001 Kompett:0.1622

 

Wertung

 

Gesamt:

(Extrem gut)

Anspruch:

(Anspruchsvoll)

Spannung:

(Fesselnd)

Brutalität:

(Jugendfrei)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Autor:

Miéville, China

Verlag:

Bastei Lübbe, Bergisch Gladbach

Erschienen:

Jan. 2003

Kritiker:

Ashyra

ISBN:

3-404-24310-2

ISBN(13):

978-3-4042-431-5

EAN:

9783404243105

Typ:

Taschenbuch

 

China Miéville

 

China Miéville erblickte 1972 in London das Licht der Welt, wo er noch immer lebt und arbeitet.
Als er 18 Jahre alt war, verdiente er sein Geld indem er in Ägypten Englisch unterrichtete; hier entwickelte er auch ein Interesse für die arabische Kultur und Lebensweise. [mehr]

 

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