 | Der Wahrträumer Rezension von Firunew Aus der Reihe "Gezeitenwelt" Der Roman „Der Wahrträumer“, geschrieben von Bernhard Hennen und erster Teil des „Gezeitenwelt – Zyklus“, besticht durch seine verschiedenen Handlungsstränge und Protagonisten. „Gezeitenwelt“ spielt in einer fernen Zukunft der Erde oder eines der Erde sehr ähnlichen Planeten, in der alle technischen und kulturellen Errungenschaften zerstört wurden und die Menschheit um ihr Überleben kämpft – alles in allem eine trotzdem sehr interessante Variante der typischen Endzeit – Szenarien. Doch etwas ist anders: Uralte Mythen scheinen plötzlich wahr zu werden, Realität ist nicht immer gleich Realität, vieles gerät aus den Fugen nach dem Meteoriteneinschlag. Zu den Charakteren, die von Hennen mit unterschiedlichen Schreibstilen hervorgehoben werden: Da gibt es einmal die Walfängerin Alessandra, die als Beinahe – Ausgestoßene der Gesellschaft lebt und lernen muss, mit diesen Problemen fertig zu werden, und die schmerzvolle Erfahrungen mit dem Reichtum machen muss, und der hilflos überforderte Schamane Serun, der plötzlich seinen Stamm leiten soll, dieser Aufgabe aber weder geistig noch körperlich gewachsen ist. Als Kontrast zu diesen Charakteren gibt es einen Söldnerführer namens Joacino, der seine Schläue und Kühnheit plötzlich gegen eine seltsame Opferbereitschaft für und Treue gegenüber seiner Truppe gewandelt sieht. Ein außerhalb des normalen Gefüges stehender Charakter existiert weiterhin: Der Priester des Abwesenden Gottes, Francisco, der seinen Glauben auf eine harte Prüfung gestellt sieht. Das Verfahren, mit dem die Autoren arbeiten, ist das aus der amerikanischen Literatur entliehene „Wildcards“ – Verfahren: Mehrere Autoren entwickeln je einen Handlungsstrang konsequent weiter, um sie irgendwann einmal, vielleicht nicht einmal direkt, kollidieren zu lassen. Während des Lesens war (und offenbar nicht nur für mich, auch andere Rezensenten im Internet berichteten so) die Versuchung groß, einige Seiten nach vorne zu blättern und eine Handlung, die als nicht so wichtig erscheint, zu überspringen. Das Buch macht jedoch gleichzeitig konsequent deutlich, dass dieses Verfahren unglücklich ist: Zu schön ist die oftmals genau gegensätzliche Stimmung, die erzeugt wird, zu sehr möchte man sich nachher selber mit Spannung belohnen, wenn man auf einen Höhepunkt des Spannungsbogens wartet. Fazit: Sollte es den Autoren gelingen, die hohe Qualität dieses Buches auch in den folgenden Romanen zu halten, so steht uns wirklich, wie von Hohlbein als Werbung auf dem Buch abgedruckt, „Das größte deutsche Fantasy-Epos, das jemals geschrieben wurde“ bevor. Ich hoffe, dass mir noch weitere Romane dieser Reihe ähnlich viel Spaß beim Lesen machen werden.
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