 | Brandland (Hiobs Botschaft #1) Rezension von jpk Aus der Reihe "Engel (D20)" Ein Engel der Ragueliten erhält den Auftrag das Kloster Cluny vor der Invasion der Traumsaat zu warnen. Doch Calliel erreicht das Kloster nicht, die Brut Satans fängt ihn ab und lässt ihn scheinbar tödlich verletzt liegen. Am Boden findet ihn Iréne, eine junge Mutter aus dem bäuerischen Dorf Valencas. Liebevoll umsorgt die junge Witwe den gefallenen Engel, der aufgrund der Verletzung seine Schwingen verloren hat. Calliel, der sich fortan Hiob nennt, gewinnt die Zuneigung der Bauernfamilie und langsam auch das Vertrauen der Dorfbewohner. Als Beutereiter in das Dorf kommen, um den so genannten Zehnten einzutreiben, stellt er sich vor die Dörfler. Doch vergebens, die Beutereiter nehmen auserwählte Kinder des Dorfes mit. Hiob, der gefallene Engel, macht sich auf, den jungen Dominic seiner Mutter wieder zu bringen. Doch auch er gerät in Gefangenschaft. Das Drama spitzt sich zu, als Iréne einen Söldner beauftragt, ihren Sohn und den Engel zu befreien, bevor der Sohn von den kirchlichen Wissenschaftlern zu einem Engel gemacht wird. Der Roman spielt in einer fernen apokalyptischen Zukunft Europas, die auch das Szenario für das gleichnamige Rollenspiel "Engel" darstellt, dessen Kenntnis aber für den Lesegenuss keineswegs notwendig ist. Diese Zukunft wird in kleinen Happen dem Leser nähergebracht und tatsächlich ist der Roman eine hervorragende Einführung in diese Welt. Das Glossar am Ende des Romans ist ein nettes Beiwerk, aber keineswegs notwendig. Die Weltdarstellung ist eine der wenigen gelungenen Endzeitszenarien, bei denen es nicht stumpfsinnig um knappe Ressourcen geht, sondern auch um Glauben, Überzeugung und Politik. Das Meer hat große Teile der Landmassen zurück gewonnen und mehrere Katastrophen suchten die Welt im Jahre 2654 heim und es ist noch kein Ende abzusehen. Fegefeuer ziehen über die Lande und mutierte Insektendämonen suchen die Bewohner heim. Dagegen stemmt sich die Angelitische Kirche, deren Ähnlichkeit mit der Katholischen während der Inquisitionszeit frappierend ist. Die Kirchenherren stützen ihre Macht auf die militärischen Templer, die Inquisition und vor allen auf die Engel. Diese Gottesfiguren sind in Orden organisiert und werden in einem "Himmel geboren". Die alleinige Herrschaft über jede Technologie, die über reine Mechanik hinaus geht, ermöglicht den Mitgliedern der Kirche einiges an Wundern. Dem einfachen Volk ist solche Technik verboten, da sie stellvertretend für die katastrophalen Sünden der alten, untergegangenen Zivilisation steht. Besonders erfreut hat mich die Tiefe der Hauptperson. Der gefallene Engel, der mit seinem neuen Namen auch seine Weltanschauung überdenkt, gewinnt immer mehr an Selbstbewusstheit, je mehr er sein Engeldasein verliert. Seine Zweifel mehren sich mit der Erinnerung an die Zeit vor seiner Engelsgeburt. Und doch fühlt er, dass ein höheres Schicksal ihn leitet, dass es kein Zufall sein kann, was ihm widerfahren ist. Die Protagonisten können gute Gründe für ihr Handeln vorweisen und so wirkt der Ablauf der Handlungen glaubwürdig. Diese Glaubwürdigkeit wird durch bekannte Gegenstände, Abläufe aus unserer heutigen Welt unterstützt, die - wie beispielsweise eine mit Plastik überzogene Liege bei einem Arzt - einen bizarren Bezug zu uns herstellen. Allein die Kombination der Autoren hatte mich schon neugierig gemacht. Da wäre zum einen Severin Rast, der auch schon mal ein Sonnet in Shakespeare Manier verfasst und sich für gelebtes Mittelalter in Köln engagiert, wenn er nicht Webseiten für Engel strickt. Zum anderen ist Oliver Hoffmann in der Rollenspielszene kein Unbekannter und sein Name steht für qualitativ hochwertige Texte in diesem Bereich, was durchaus mit seinem Germanistikstudium zu tun haben könnte. Spannend und aus vielfältiger Sicht werden die Ereignisse und die Welt geschildert. Der Roman ist sehr gut gelungen. Die Gefahr, dass durch die tiefe Kenntnis der Rollenspielwelt, der Text zuviel Insiderwissen voraussetzt, wurde geschickt umgangen. Wer nicht den Begriffen hinterher jagen will, wird das Glossar nicht brauchen, das als praktisches Nachschlagewerk auf den letzten Seiten gedruckt wurde. Ein gelungener Auftakt zu einer Serie, der nur durch den allzu deutlichen Cliffhanger zu dem nächsten Band geschmälert wird.
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