 | Offenes Grab Eriksson, KjellRezension von Wiebke Als der vierundachtigjährige Medizinprofessor Bertram von Ohler die Nachricht erhält, dass ihm der Nobelpreises verliehen wird, kann er es kaum fassen. Gerade von einem Spaziergang zurückgekehrt, macht sich der Wissenschaftler erneut auf den Weg, um seinem Nachbarn, dem Dozenten Johansson, die freudige Nachricht zu überbringen. Denn mit diesem hat er viele Jahre zuvor in der Forschungsabteilung der Wirtschaftsakademie zusammengearbeitet und deshalb hat der als Virologe tätige Wissenschaftler einen nicht unerheblichen Anteil daran, dass Professor Ohler die unerwartet hohe Ehre zuteile wird. Doch anstatt sich zu freuen, scheint dieser verärgert und das wohl zu Recht. Lange dauert es nicht, bis neben hochgradigen Gratulanten auch ausreichend Neider erscheinen, und ihre Meinung in überaus kritischen und destruktiven Zeitungsmeldungen zum Ausdruck bringen. Aber nicht nur durch die örtlichen Presse wird der Professor mit seinen Widersachern konfrontiert, auch in seiner unmittelbaren Nachbarschaft spielen sich plötzlich merkwürdige Dinge ab. Da landet plötzlich ein Stein auf dem Dach seines Hauses oder ein unbekannter Anrufer versucht ihn zu bedrohen. Und als eines Morgens dann auch noch ein Totenkopf seinen Gartenzaun ziert, fühlt er sich veranlasst, die Polizei zu rufen. Ein Fall für Ann Lindell und ihr Team, die mitten in einer Mordermittlung stecken und für die harmlosen Probleme des im Ruhestand befindlichen Professors nicht viel übrig haben. „Offenes Grab“ ist der letzte Fall der schwedischen Ermittlerin Ann Lindell, die sehr spät in das Geschehen eintritt und in diesem auch nur eine untergeordnete Rolle spielt. Denn das Augenmerk des sehr ungewöhnlichen und überaus ruhig verlaufenden Kriminalromans ist auf das Leben der in ihm agierenden Personen und deren Verhältnis zueinander gerichtet. Eine Zweckgemeinschaft, die schon seit vielen Jahren funktioniert, allerdings durch einige unschöne Geschehnisse in der Vergangenheit in Mitleidenschaft gezogen wurde. Dinge, die ihr zerstörerisches Potential erst im Verlaufe der Handlung entwickeln und letztendlich zu einen grausamen Verbrechen führen. Doch bevor es soweit ist und ein Mord die nicht vorhandenen Idylle stört, lernt der Leser neben dem finanziell gut gestellten und angesehenen Bertram von Ohler, auch dessen langjährige Haushälterin Agnes, seine Tochter Brigitte nebst Freundin und einige Personen aus der Nachbarschaft kennen. Fazit: „Offenes Grab“ ist ein Kriminalroman, dessen psychologisch tiefgründige Herangehensweise sehr an die Bücher der amerikansichen Autorin Patricias Highsmith erinnert und eher eine Studie verschiedenartiger Charaktere beinhaltet, als ein von Spannung nur so strotzende Verbrecherjagd. Deshalb ist dieses Buch vor allem den Lesern zu empfehlen, die ein Hang für menschliche Schwächen haben und aufgestaute Gefühle und Rachegelüste genauso mögen, wie alte Geheimnisse, neugierige Nachbarn und verdeckt agierende Personen. Ein Kriminalroman, der auf eine besonders subtile Art und Weise gut unterhält. Datenbank:0.0010 Webservice:0.0726 Querverweise:0.1616 Infos:0.0011 Verlag,Serie:0.0007 Cover:0.0000 Meinungen:0.0017 Rezi:0.0003 Kompett:0.2393 |  |