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Kuckuckskind

Noll, Ingrid

Rezension von Martina

Anja, von Beruf Lehrerin, hat ich ihr Leben ganz anders vorgestellt. Doch wie sooft kommt es eben anders als gedacht und statt Haus, Mann und Kinder fristet sie eher ein unglückliches Dasein als geschiedene, kinderlose Frau Anfang vierzig. Ihre Ehe ist gescheitert, nachdem ihr Mann sie betrog und dann wird auch noch ihre Kollegin Birgit schwanger. Anja kommt der Verdacht, dass ausgerechnet ihr eigener Exmann der Vater des Kindes sein könnte. Die verheiratete Birgit wird auf die Probe gestellt und Anja überredet deren Mann zu einem Vaterschaftstest – mit ungeahnten Konsequenzen...

Ingrid Noll besticht für gewöhnlich mit ihren außergewöhnlichen, mit rabenschwarzen Humor, gespickten Romanen. Ihre ganz eigene Art und Weise Bösartigkeiten mit Humor zu vermischen ist eigentlich ihre Spezialität. Mit Romanen wie „Der Hahn ist tot“ oder „Die Apothekerin“ schuf sie ein bislang nicht dagewesenes Genre des Kriminalromans: Eigenwillig, zynisch, bitterböse und dennoch auf gewisse Weise erheiternd. Das machte die Romane der in Shanghai geborenen Autorin zu einem Markenzeichen und zu Besonderheiten.
Bei ihrem Roman „Kuckuckskind“ jedoch vermisst der Leser schnell den liebgewonnenen Schreibstil. Der schwarze Humor lässt leider auf sich warten, der Aufbau der Geschichte birgt keine Spannung und die Dialoge wirken langweilig und farblos.
Ohne Zweifel ist diese Lektüre leicht zu lesen und kann durchaus als nette Unterhaltung gewertet werden, jedoch hat der Aufbau der Geschichte nichts mit anderen Noll-Romanen gemeinsam.
Wie es sich für einen Kriminalroman gehört, kommen hier natürlich Tote und Intrigen unter den Protagonisten nicht zu kurz, jedoch mag der Funke nicht so recht überspringen. Der Schwung in der Geschichte fehlt schlichtweg, um wirklich spannend, wenn nicht sogar packend, zu sein. Die Charakteren sind flach gezeichnet, wirken zu oberflächlich und unnahbar. Da hilft auch die neue Beziehung nicht mehr, die Anja mit dem Vater eines Schülers eingeht. Die Lehrerin verrennt sich immer mehr, bringt Steine ins Rollen, dessen Lawine sich nicht mehr aufhalten lässt. Ein tragisches Ereignis folgt dem nächsten. Die Hauptakteurin Anja erweist sich als neidische, vom Hass zerfressene Frau, dessen eigenes Leben ihr immer mehr entgleitet. Anders als sonst, denn normalerweise gelingt es der Autorin ihren Figuren Leben einzuhauchen und sie mit morbiden, mit Vorsicht zu genießenden, Persönlichkeiten bzw. nicht alltäglichen Charaktereigenschaften auszustatten.

Fazit:
Lauwarme Durchschnittskost und leider keins ihrer besten Werke. „Kuckuckskind“ ist mit anderen Romanen der Bestseller-Autorin nicht vergleichbar.

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Wertung

 

Gesamt:

(Mittel)

Anspruch:

(Reiselektüre)

Spannung:

(Langatmig)

Brutalität:

(keine Angabe)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Ort:

Deutschland

Zeit:

Gegenwart

Autor:

Noll, Ingrid

Verlag:

Diogenes, Zürich

Erschienen:

Dez. 2009

Kritiker:

Martina

ISBN:

3-257-24012-0

ISBN(13):

978-3-2572-401-2

EAN:

9783257240122

Typ:

Taschenbuch

 

Ingrid Noll

 

Ingrid Noll wurde 1935 in Schanghai geboren, also kurz vor der japanischen Invasion, und studierte in Bonn Germanistik und Kunstgeschichte. Nachdem ihre drei erwachsenen Kinder das Haus verlassen hatten, begann sie, Kriminalgeschichten zu schreiben, die allesamt Bestseller wurden [mehr]

 

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