 | Die Abreibung Rezension von sgoRene Lecomte ist ein sehr gefährlicher Krimineller und unter dem Spitznamen „Comte“ ein hoher Tier der Pariser Unterwelt. Er ist sicherlich kein Mann, mit dem man sich leichtfertig anlegt. Allerdings: Unverwundbar ist auch er nicht, was bei einer nächtlichen Schießerei unter Beweis gestellt wird. Lebensgefährlich verletzt wird er in ein Krankenhaus eingeliefert, in welchem einige Schwesternschülerinnen ihren ersten Nachtdienst begonnen haben und keineswegs auf das Chaos vorbereitet sind, welches über sie herein brechen wird. Der Anschlag auf den Bandenboss wirbelt die Hackordnung in der Unterwelt vollkommen durcheinander. Konkurrenten wollen ein größeres Stück vom Kuchen, seine Geliebte verlangt nach Vergeltung und sein treuloser Leibwächter will Contes Posten (sowie die Geliebte) übernehmen. Der Wunsch nach Rache ringt mit der Gier nach Profit, und aus den unterschiedlichsten Gründen sammeln sich schwerbewaffnete Gangs auf den Strassen, um von der Situation zu profitieren, mit der überforderten Polizei mitten im Gewühl. Dummerweise stellt sich bald heraus, das der Comte keineswegs verstorben ist, sondern dank der medizinischen Hilfe des Krankenhauses überleben könnte. Er ist als ziemlich rachsüchtig bekannt, daher müssen nun eine Menge Leute aus seinem Umfeld um ihr eigenes Leben fürchten. Aus Freund wird Feind, aus Feinden Verbündete, und es wird schnell klar, das Rene Lecomte die Nacht nicht überleben darf. Während das ahnungslose Krankenhauspersonal noch um das Leben ihres Patienten ringt, sind auch schon die ersten Mörder unterwegs… Dies ist ein durchaus ungewöhnlicher Krimi, denn der Routine eines Krankenhauses wird im Buch genauso viel Raum eingeräumt wie der eigentlichen Krimihandlung um den sterbenden Paten. Die Schwesternschülerinnen haben einen schweren Job vor sich und werden trotz all ihren Schwächen mit einiger Sympathie geschildert. Der Autor Jean Amila scheint sich in Krankenhäusern recht gut auszukennen, was daran liegen könnte, das er viele Monate brauchte, um sich von einem erlittenen Überfall zu erholen. Die im Klappentext versprochenen „ungewohnt erotische Momente“ reduzieren sich im Buch übrigens auf einige kurze Fummeleien im Schwesternzimmer und sind dann doch sehr dezent geraten. Da ist heutzutage in jeder Vorabend-Krankenhausserie mehr Erotik vertreten. In dieser Hinsicht verbreitet der Roman dann doch den diskreten Charme von 1955. Die 184 Seiten des Romans sind sehr schnell durchgelesen und durchaus spannend geraten.
Eure Meinungen:
| Da hatte ich doch glatt den Klappentext vergessen: René Lecomte ist wieder da. Der Chef der Pariser Unterwelt hat einen längeren Aufenthalt in Lateinamerika hinter sich. Nun will der »Comte« ausstehende Schulden eintreiben und offen stehende Rechnungen begleichen. Bei einer Schießerei wird er schwer verletzt und rettet sich ins Krankenhaus. Aline, Sylvie und Thérèse, soeben mit dem Krankenschwesterndiplom ausgestattet, müssen zum ersten Mal in der Nachtschicht über Leben und Tod entscheiden. Während der »Comte« die Notoperation übersteht, beginnt draußen schon der Kampf um seine Nachfolge. Spannend, unterhaltsam und mit ungewohnt erotischen Momenten aufgeladen, lädt Jean Amila sein Publikum ein, in die Seelen der Beteiligten zu schauen. Er verbindet Handlungsstränge und Milieus unterschiedlicher Welten, die erst auf den zweiten Blick strukturelle Ähnlichkeiten aufscheinen lassen: starke Hierarchien und die Konfrontation mit dem Tod. Der Mythos der »Halbgötter in Weiß« wird gnadenlos demontiert. Idealismus und Unzufriedenheit im Kontrast: Das ist sehr gegenwärtig, Gesundheitsreform revisited! [sgo] |
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