 | Arrivederci amore, ciao Rezension von VictoriaDer nach Mittelamerika geflüchtete, wegen politischen Verbrechen gesuchte Giorgio Pellegrini bekommt die Chance, wenn er frühere Kameraden verrät, nach Italien zurückzukehren und nach ein paar Jahren Haft sich ein neues Leben aufzubauen. Er nutzt diese Gelegenheit; geht dabei wortwörtlich über Leichen, und zwar über Zahlreiche. Nur wenige Kampfgenossen, wie Giuseppe („den Standhaften“), hatten sich nicht auf die Kronzeugenregelungen eingelassen, Er ist Kommunist geblieben. Solche wie Giuseppe gibt es in der Tat wenige; wie im richtigen Leben. Pelleginis Anwalt hingegen arbeitete einstmals für die linke Häftlings-Hilfsorganisation „Soccorso rosso“ und machte jetzt Karriere als Mitglied einer neuen Mitte-Rechts-Partei. Mit extremer Kaltblütigkeit mordet er, mit extremer Gefühllosigkeit wechselt er des Öfteren seine Bettgefährtinnen. Er hat eine Vorliebe für Frauen um die Vierzig, die er geradezu benutzt. So sucht er sich aus einer Zeitung eine 47 Jahre alte Angestellte in gehobener Stellung, die er als „unansehnlich, wie ihr Leben öde ist“ beschreibt. „Die Einsamkeit machte sie blind und taub“, und dies nutzt Giorgio, um sich ein günstiges Dach über dem Kopf zu verschaffen. Giorgio „mag keine Frauen, die sich nicht unterordnen können, vor allem Männern“. Die Frau als Ware. Sein Geld verdient er durch Geschäfte. Mal besorgt er chinesische Näherinnen für die Herstellung von Markenjeans, mal besorgt er Koks. Der Roman schildert das Leben eines sehr einsamen Menschen, der nie wirklich an seine politischen Ideale geglaubt hat. Ein Mitläufer aus dem ökonomisch stabilen Norden Italiens unter den linken Militanten, einer, wie Pasolini sie Juni 1968 in einem Gedicht beschrieben hat: „Ihr habt Gesichter von Bürgersöhnchen. Die rechte Art schlägt immer durch. Ihr habt denselben bösen Blick. Ihr seid furchtsam, unsicher, verzweifelt (ausgezeichnet!), aber ihr wisst auch, wie man arrogant, erpresserisch und sicher ist: kleinbürgerliche Vorrechte, Freunde.“ Die 68er Bewegung hat auch solche Charaktere hervorgebracht. Seine einstmals verfolgten politischen Ziele vertrat er niemals ernsthaft. Der italienische Krimi war noch vor wenigen Jahren überwiegend mit einer Mafia aus dem Süden Italiens verbunden. Inzwischen ist das Geschehen von Kriminalromanen (insbesondere jenen der jüngeren italienischen Krimiautoren wie Carlotto und Lucarelli) im Norden des Land4es angesiedelt. „Ob Padua, Treviso oder Vicenza, die Geldgier war überall gleich groß.“, ist in „Arrivederci amore, ciao“ zu lesen. Neben einem gnadenlos brutalen Kriminalroman ist es dem Autor gelungen, ein Bild über das gegenwärtige Italien zu machen. Einsamkeit in den Metropolen, Geldgier im Nordosten Italiens. „Arrivederci amore, ciao!“, ist ein ehrlicher, brutaler Kriminalroman.
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