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Der Chinese

Mankell, Henning

Rezension von Anna Veronica Wutschel

Droht die rote Gefahr aus China ? Ein neuer nicht zu kontrollierender Turbo-Kapitalismus ? Neo-Imperialismus ? Und verlangt der Leser nach moralischen Appellen an die solidarische Verantwortung der Mächtigen im Allgemeinen und der chinesischen Altkommunisten im Besonderen ?

In ‘Der Chinese’ bedient sich Henning Mankell der Requisiten des Thrillers wie auch der des Familienromans. Um letztlich doch ‘nur’ eine Art Problemstück zu schreiben, in dem das ‘Problem’, präziser noch die These des Autors - nämlich die Bedrohung Afrikas durch eine chinesische Kolonisation - immer huckepack geschultert wuchtig auf die Handlung drückt. Mehrere Jahrhunderte und Kontinente umfassend ist ‘Der Chinese’ mit so lockerem Faden gestrickt, dass Kriterien wie Spannung oder Logik durchs grobmaschige Muster gerutscht sein müssen. Der riesig anmutende Konflikthorizont und die Tragik verlieren sich im Dickicht einer routiniert aber unelegant erzählten und nur rudimentär konstruierten Story, die einen gar nicht so weit gefächerten Rundumschlag übt, der letztlich auf Angst vor weiteren chinesischen Aktivitäten in Mankells Wahlheimat Afrika (Mosambik) basiert.

Mit einem Paukenschlag beginnt’s und tut gleich so, als sei’s ein Krimi. Im entlegensten Winkel Schwedens löscht ein übles Gemetzel praktisch ein ganzes Dorf aus. Neunzehn Tote lassen Bevölkerung und Medien in Panik und Hysterie ausbrechen. Die ermittelnde Polizei wie auch die Staatsanwaltschaft scheinen völlig überfordert.

Aus dieser spektakulären Ausgangslage entspinnen sich zwei Familiengeschichten. Die eine, eine chinesische mit tragischem Ausgang, die andere eine schwedische, die allerdings auf wackeligen Füßen steht, da die Verwandtschaft kaum auf dem Papier besteht. Zwei alte, sich ergänzende Tagebücher erzählen vom Eisenbahnbau in Amerika, der unter unmenschlichen Bedingungen unzählige Opfer kostete.

In das Schweden erschütternde Verbrechen schaltet sich die Richterin Birgitta Roslin ein. Sie durchschaut bald mehr als die Polizei zu ahnen vermag, verfolgt Spuren, die sonst niemand sieht, und ergründet letztlich die Motive für Zeit und Kontinente umspannende Verbrechen.
Vom Arzt zum Nichtstun verdammt wegen einer sie nicht weiter einschränkenden Krankheit reist die Richterin zunächst an den Ort des Massakers. Dann nach China, und weil ihre ‘Ermittlungen’ sie auf die Spur eines Chinesen geführt haben, zeigt sie zufällig vor dem ‘Palast’ des Mörders ( was sie aber nicht wissen kann) ein unscharfes Foto des vermeintlichen Täters, den sie so auf ihre Fährte lockt. Zunächst allerdings wird sie Opfer eines Handtaschendiebstahls und lernt einen hohen Kader der kommunistischen Partei kennen, die leidlich sympathische Hong.
Eine chinesische Delegation reist nach Afrika, ein Bruder ermordet seine Schwester und plötzlich ist Birgitta Roslin wieder in Gefahr. Sie flieht nach London, wo ihr ganz spektakuläre Hilfe widerfährt, die ihr das Leben rettet und alle Verbrechen aufklärt.

Birgitta Roslin hat die Menopause ganz gut überstanden. Sie ist eine kompetente Richterin in einem überlasteten System und würde gern anhand eines Reimlexikons erfolgreiche Schlager verfassen. Sie leidet an der eingeschlafenen Beziehung zu ihrem Mann Staffan und lenkt sich mit einer Reise nach Peking ab, die auch eine Reise in die eigene, etwas unmotivierte linksradikale Vergangenheit ist. Diese Reise erlöst sie auch vom sinnlos kostspieligen Rotweinkauf, der ihr liebstes Hobby scheint. Das klingt abstrus und bleibt es auch. Die Figuren sind insgesamt blass und abstrakt konstruiert, um sich ganz funktional auf die politischen An- und Absichten ihres Autors, der gerechten Sache verpflichtet, konzentrieren zu können.

Völlig ohne erzählerische Raffinesse, Humor oder Charme wirft Mankell einen finsteren Blick auf die Tragik des Individuums, das als Spielball in politischen Systemen und den wirtschaftlichen Interessen Einzelner untergeht. Die drängende Wucht seines gar nicht so mehrdimensionalen Anliegens jedoch, der Ruf nach politischer Vernunft, verhallt in dem über 600 Seiten starken, wenig mitreißenden Epos. Ein Autor in Sorge ! Und ein aufgeplusterter Text, dessen Botschaft sich kaum mit Figuren oder Handlung in Einklang bringen lässt.

Bestsellerlisten und Verkaufszahlen hingegen erzählen eine ganz andere Geschichte. Mankell sell’s ! Was also läuft schief ? Ist der Leser zu unbedarft ? Mit zu wenig zufrieden zu stellen ? Kann er nicht zwischen Gut und Bös’ unterscheiden ? Oder ist es schlimmer ? Liegt es am Bürger ? Am Menschen schlechterdings ? Der liest ja nicht nur verkehrt, der isst auch falsch, bewegt sich kaum. Und raucht zu viel. Denkt oft nicht mit und lässt sich schnell verleiten. Um dann schlussendlich doch zu machen - was er will.


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Wertung

 

Gesamt:

(Geht so)

Anspruch:

(Reiselektüre)

Spannung:

(Langatmig)

Brutalität:

(Jugendfrei)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Ort:

Schweden, China, Afrika

Zeit:

2006

Autor:

Mankell, Henning

Verlag:

Zsolnay, Wien

Erschienen:

Mai. 2008

Kritiker:

Anna Veronica Wutschel

ISBN:

3-552-05436-7

ISBN(13):

978-3-5520-543-3

EAN:

9783552054363

Typ:

Hardcover

 

Henning Mankell

 

1948 wurde Henning Mankell in Nordschweden geboren und wurde dort von seinem Vater alleine großgezogen. Mit 17 zog er nach Stockholm, wo er als Regisseur arbeitete. Seit Anfang der 70er Jahre zog es ihn immer wieder nach Afrika, das für ihn zur Wahlheimat wurde.
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