Raumpatroullie Rollenspiel Wilkes, ChristianEin ganz besonderes Vergnügen ist es mir heute, ein Rollenspiel vorzustellen, auf das die Welt wohl lange, lange gewartet hat: das "Raumpatroullie Rollenspiel". Und die Leser unter Euch, die deutlich über 30 Jahre alt sind und damit schlagartig Commander McLane und seine Orion-Crew verbinden, die liegen vollkommen richtig. Das Freie Rollenspiel basiert auf der siebenteiligen Fernsehserie "Raumpatrouille", die 17. September 1966 zum ersten mal im deutschen Fernsehen ausgestrahlt wurde und seitdem immer wieder über den Bildschirm flimmert. Wenn irgendwo in einem Raumschiff an einem Bügeleisen gedreht wurde, in einen Duschbrausenkopf gesprochen oder scheinbar wahllos Apfelweinbecher von der Decke hingen, dann handelte es sich um die Produktion der Bavaria Atelier GmbH München aus den ersten Gehversuchen der deutschsprachigen Science-Fiction. Als Literatur sei Fans unbedingt das ORION-Buch von Jörg Kastner empfohlen oder wer es virtuell mag, der amüsiere sich auf der Homepage www.orionspace.de. Jede Sendung begann mit schrecklichen Geheul, das entfernt an Musik erinnerte und den Sätzen "Was heute noch wie ein Märchen klingt, kann morgen Wirklichkeit sein. Hier ist ein Märchen von Übermorgen: Es gibt keine Nationalstaaten mehr. Es gibt nur noch die Menschheit und ihre Kolonien im Weltraum. Man siedelt auf fernen Sternen. Der Meeresboden ist als Wohnraum erschlossen. Mit heute noch unvorstellbaren Geschwindigkeiten durcheilen Raumschiffe unser Milchstraßensystem. Eins dieser Raumschiffe ist die ORION. Winziger Teil eines gigantischen Sicherheitssystems, das die Erde vor Bedrohungen aus dem All schützt. Begleiten wir die ORION und ihre Besatzung bei ihrem Patrouillendienst am Rande der Unendlichkeit..." Und genau um diesen herrlichen Unsinn dreht sich auch das Rollenspiel, welches von Fans der Serie verfasst wurde. Bereits auf der Homepage werde ich in das unbegreifliche Flair der alten Schwarzweiß-Serie gezogen. Kaum ein Farbklecks ist zu sehen und die Navigation ist vorbildlich gelöst. Vorsichtig bewege ich mich von Seite zu Seite, immer Gefahr laufend, dass einer der furchtbaren und heimtückischen Frogs - so wurden die feindlichen Außerirdischen genannt – mir entgegenspringt. Doch zum Glück finde ich nur eine gut gemachte Einführung und die Dowloadseite vor, bei der ich mich auch prompt bediene und dort die angebotenen Dateien: Grundregelwerk, Charakterbogen, Raumschiffbogen (alle PDF-Format) und die Overkill-Schablone (JPG-Format) herunterlade. Der Zweck beiden Bögen sind für erfahrene Rollenspieler selbsterklärend und lassen sich problemlos ausdrucken, die Daseinsberechtigung für die Schablone, welche sich auch mit dem Browser ausdrucken lässt, wird erst beim Studium der Grundregeln ersichtlich, welches sich ebenfalls in ausgedruckter Form auf meinem Schreibtisch befindet. Auffällig sind sofort die vielen Illustrationen, die bei diesem „Zitate“-Rollenspiel natürlich leicht fallen und eigentlich komplett aus der Fernsehserie bedient hätten werden können. Aber damit hat sich der Autor Christian Wilkes nicht begnügt, sondern er hat 3D-Grafiken beigefügt, die von verschiedenen Künstlern beigesteuert wurden. Die Hobby Grafiken sind mit heimischen Mitteln entstanden und trotzdem den Tricktechnikern der 1960er Jahre deutlich überlegen. Und so freut sich das Auge des Lesers, wenn das digitale Format leider nur eine begrenzte Auflösung zulässt. Gut strukturiert erscheint das Grundregelwerk sofort sympathisch und die 90 Seiten sind gut durchzublättern. Die Einführung in die Welt(en) fällt – wie leider bei freien Rollenspielen üblich – recht kärglich aus, aber da wir ja die Videokassetten und Sekundärliteratur zu dem Thema als Vorbild haben, bedeutet dies ausnahmsweise kein Manko. Die Strukturierung des Rollenspiels trennt die Charakterschaffung von der Schilderung der Eigenschaften und Fertigkeiten des Charakters. Zuerst werden die Regeln und Parameter erklärt, so dass man diese mit dem Charakterbogen parallel vergleichen kann und dann wird eine Charakterschaffung in dem Kapitel „Karriere“ erläutert und in Form einer direkten Ansprache als Bedienungsanleitung ausformuliert. Nachdem die üblichen Attribute – hier „Eigenschaften“ genannt – ausgewürfelt wurden (Stärke, Ausdauer, Geschicklichkeit, Intelligenz, Kampfgeschick, Willenskraft, Charisma) widmet sich der Spieler den ungewöhnlicheren Grundfertigkeiten, wie beispielsweise „Alkoholkonsum“, „Tanzen“ (wichtig für diese herrliche Bar mit den Goldfischen) und „Einfühlungsvermögen“. Auch PSI-Fertigkeiten kann ein Charakter besitzen. Diesen befremdenden Fähigkeiten wird ein ganzen Kapitel gewidmet, das erläutert, welche Kategorien von PSI-Talenten möglich sind und wie diese auszuspielen sind. Im Grunde handelt es sich um das altbekannte Magiepunkte, bzw. PSI-Punktesystem, bei der ein Talentierter als eine Art Batterie betrachtet wird, die bei dem Versuch eine Wirkung herbeizurufen sich entleert, unabhängig davon, ob der Versuch erfolgreich war oder nicht. Die Mächtigkeit der PSI-Fähigkeiten scheint mir noch nicht vollständig ausgetestet, denn Fähigkeiten wie unter „Telepathie“ beschrieben, sind meiner Erfahrung nach eher spielstörend. Die berufliche Entwicklung beschränkt sich auf die Institutionen wie Raumflotte oder –garde, Amt für Kolonalisierung, Handelsflotte und Galaktischer Sicherheitsdienst, und legt damit die Grundfesten für die Fertigkeiten des Charakters. Das scheint im ersten Moment extrem hinderlich für freies lustiges Rollenspiel, relativiert sich allerdings schnell bei einem ernsten Blick auf den Titel des Spiels. Hier geht es darum, zusammen mit der Raumflotte Abenteuer zu erleben und nicht als Vagabund durch das All zu ziehen. Dass dies mit ein wenig Erfahrung in der Erschaffung von Hausregeln trotzdem möglich ist, sei hiermit festgestellt. Das Fertigkeitssystem ist recht einfach gestrickt und schnell lässt sich eine Verbesserung der Charakterfähigkeiten erreichen. Dabei ist allerdings zu beachten, dass Charaktere im Weltall gefährlich leben. Ein Schuss aus einem Laser ist zwar nicht zwingend tödlich, ein damit verbundenes Loch im Raumanzug allerdings schon. Wie leicht ist ein Raumschiff vernichtet oder die Bordkanone des Gegners trifft genau die Brücke. Somit spricht viel für eine einfache Charakterschaffung und ein schnelles Steigerungssystem. Beides finden wir hier vor. Für das Kampfsystem werden zwei Alternativen angeboten. Zum Ersten ein Initativesystem, welches nicht besonders tief erläutert wird – und für erfahrene Rollenspieler auch nicht muss. Und zweitens ein Tabletopsystem, welches ich in Anbetracht der Reichweitenwaffen bevorzugen würde. Kämpfe werden in Runden und Runden in Phasen unterteilt: 1. Entscheidung: Kampf oder komplexe Aktion 2. Bewegungsphase 3. Nahkampfphase 4. Fernkampfphase 5. Psi-Phase 6. Test und Ergebnis der komplexen Aktionen Die Möglichkeiten des Spielers, bzw. des Charakters, in den einzelnen Phasen werden detailliert beschrieben und hier fällt mir zum ersten mal auf, dass etwas in dem Regelwerk fehlt: ein Spielleiterbogen. Denn es werden doch einige kleine Tabellen aufgeführt, deren Sammlung auf einem Bogen sehr viel Sinn machen würden. Das nächste Kapitel widmet sich den Konsequenzen des Kampfes, den Verletzungen und der Heilungen. Mein Tipp: nehmt bloß immer das M.A.S (Medizinische Akku Set) mit und sorgt dafür, dass ein Sanitäter oder Arzt Mitglied der Gruppe ist. Wenn gar nichts mehr hilft, dann hilft das „Schicksal“ aus den folgenden Kapiteln: „Hauptdarsteller überleben einfach immer“. Wie es sich für ein Science-Fiction Rollenspiel gehört, sind einige Seiten über Raumflug und Raumkampf vorhanden. Auf 30 Din-A4 Seiten wird alles erläutert, was zum Betrieb eines Raumschiffes gehört, wie man damit fliegt, kämpft, es repariert und mit Glück wieder landet. Fazit: Ich habe mich persönlich über dieses Raumschiff-Rollenspiel gefreut. Es ist für ein solch komplexes Thema, wie Raumschiffkontrolle, Science-Fiction Umwelt erfrischend einfach und leicht erlernbar. Das einzige was mir fehlte, war eine Tabellensammlung, um das Nachschlagen auf fast Null zu minimieren. Ich glaube, dass es ein Riesenspaß sein dürfte, sich die alten Videos anzuschauen und dann selbst auf Abenteuer ins Weltall zu stechen. Das Rollenspiel gibt einem das notwendige Handwerkszeug dazu. Mag es auch an der einen oder anderen Ecke noch klemmen oder knirschen, so sollte sich ein erfahrener Spieler nicht daran stören und meiner Meinung nach kommen auch weniger erfahrene damit zurecht. Meine Empfehlung: Rücksturz zur Erde und downloaden. Homepage: www.raumpatrouille-rpg.de © 2002 Jens Peter Kleinau, www.x-zine.de für den Envoyer
Eure Meinungen:
| Auf der angegebenen Seite ist nur noch Werbung für einen Versicherungsvergleich! Ganz große Klasse! [Frank] |
| Ich bin der Autor des RO-RPG. Das Spiel existiert nicht mehr, nachdem ich aufgrund einer Abmahnung durch die Bavaria Film GmbH die Seiten einstellen musste. Eine Versicherung hat sich kurz darauf die aufgegebenen Domains registriert. [Christian Wilkes] |
| Ich finde es sehr gut.. [Michael] |
Datenbank:0.0015 Webservice:0.0000 Querverweise:0.2722 Infos:0.0012 Verlag,Serie:0.0022 Cover:0.0001 Meinungen:0.0028 Rezi:0.0003 Kompett:0.2807 |