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Zorro gegen Maciste

Lenzi, Umberto (Regie); Brice, Pierre; Steel, Alan; Aureli, Andrea

Rezension von Thomas Wagner

Die Geschichte führt uns ins Phantasiekönigreich Nogara, das irgendwie auffällige Ähnlichkeiten mit dem Spanien des 17. Jahrhunderts aufweist. Nach dem plötzlichen Ableben des Königs stellt sich die Frage um dessen Nachfolge, die eine der beiden Nichten des Monarchen antreten soll: Wird das Reich künftig von der schönen, blonden und gütigen Isabella oder von der schönen, dunklen und bösen Malva beherrscht werden? Die Antwort auf diese Frage findet sich im Testament des Monarchen, das jedoch erst von der Insel Guadarrama an den Königshof geschafft werden muß. Die von Machtgier getriebene Malva will nun – unterstützt von dem finsteren Kommandanten Garcia - das Dokument um jeden Preis zuerst in ihren Besitz bringen. Zu diesem Zweck heuert sie den starken Muskelmann Maciste an, der sich (noch nicht ahnend, an welch schurkischem Spiel er teilnimmt) auf den Weg macht. Derweil ahnt die rechtmäßige Erbin Isabella schon das Schlimmste und bittet ihren Freund und Berater Ramon um Hilfe, der ihr den Beistand des maskierten Fechtkünstlers Zorro vermittelt (und anders als der Zuschauer weiß Isabella natürlich nicht, daß Ramon und Zorro ein- und dieselbe Person sind). Zwischen den ungleichen Helden Zorro und Maciste kommt es nun zum Kampf um das Testament des Königs. Beide müssen sich in zahlreichen turbulenten Kämpfen messen, bis Maciste schließlich seinen Irrtum erkennt und an der Seite Zorros für das Gute kämpft...

“Zorro gegen Maciste” (“Zorro contro Maciste”) wurde 1963 in der Regie von Umberto Lenzi gedreht und ist ein typischer Vertreter des damaligen italienischen Abenteuerfilms. Die Figur des Maciste – ein starker, mutiger und moralisch integrer Muskelprotz – tauchte erstmals zu Stummfilmzeiten in “Cabiria” (1914) auf und wurde im Lauf der Jahrzehnte zu einem immer wiederkehrenden Archetyp des italienischen Kinos. Die größte Popularität erreichte diese Gestalt in den 50er/60er Jahren, als er neben Herkules, Ursus und anderen minirocktragenden Bizepsathleten zu einer der Säulen der überaus erfolgreichen Sandalenfilmwelle avancierte. Dabei war der Einsatzort Macistes jedoch keinesfalls auf mediterrane Antikengefilde beschränkt: In “Maciste all’inferno” (1925) muß der Held vom beschaulichen Biedermeier mitten in die Hölle hinabsteigen, in “Maciste, der Felsgeborene” (1961) verschlägt es ihn an den Hof des Kaisers von China und “Maciste, der Rächer der Verdammten” gestaltet sich als Crossover aus Sandalen-, Horror- und Hexenjägerfilm. So wundert es also auch wenig, daß er sich hier in einem Musketier-Setting an der Seite Zorros wiederfindet – Zeit und Ort sind im Endeffekt egal, denn richtige Helden vermögen sich überall mit Anstand zu prügeln. “Ein Abenteuer voller Kraft und Temperament” wurde im damaligen Filmprogramm versprochen und so bieten sich dem Zuschauer schwungvolle Fecht- und Prügelszenen, dramatische Kraftakte mit Pappfelsen und ein (vor allem für den Zuschauer) gnadenloser Kampf mit einem wasserverspritzendem Gummikrokodil. Abgerundet wird das Ganze mit einer Prise kumpelhaften Humors und einer romantischen Lovestory zwischen Isabella und Ramon/Zorro.

Klar, das ist ausgesprochen leichte Kost, intellektuellen Tiefgang sucht man hier ebenso vergebens wie eine auch nur ansatzweise komplex geratene Dramaturgie oder ausgefeilte Charaktere – aber wer würde das bei diesem Film auch erwarten? “Zorro gegen Maciste” bietet nostalgischen Kintopp auf Comic Strip-Niveau, zwar weit entfernt davon, ein Meilenstein des Genres zu sein, aber in sich solide funktionierend und (die richtige Laune vorausgesetzt) recht gut unterhaltend. Die Darsteller machen ihre Sache ordentlich bzw. tun genau das, was man von ihren Figuren erwartet: Pierre Brice - damals noch ein paar Jahre vom “Winnetou”-Ruhm entfernt und sich fleißig in italienischen B-Movies tummelnd - verkörpert einen eleganten, edelmütig-samtäugigen Zorro, der die damaligen Frauenherzen wahrscheinlich höher schlagen ließ. Alan Steel (eigentlich Sergio Ciani) kontrastiert dazu als eingeölter Wonneproppen Maciste, der nicht nur die Muskeln sondern auch das Herz auf dem rechten Fleck hat. Über die schauspielerischen Fähigkeiten des gelernten Bodybuilders, der im Verlauf der 60er Jahre in einer Vielzahl von Genreproduktionen mitwirkte und u. a. auch mit Mario Bava zusammenarbeitete (in “Die Schlacht von Marathon” und “Herkules und die Königin der Amazonen”), läßt sich eigentlich nicht viel unken, als pragmatischer Muskelheld vermag er durchaus zu überzeugen. Nach dem Ende der Sandalenfilm-Ära verließ Steel/Ciani übrigens der Erfolg und er fand sich in obskuren Produktionen wie dem türkischen Western “Küçük kovboy” wieder, bevor er endgültig in der Versenkung verschwand. Auch Regisseur Umberto Lenzi dürfte Eurotrash-Freunden kein Unbekannter sein: Ebenso wie z. B. Lucio Fulci begann auch er seine Regiekarriere mit diversen Abenteuerfilmen, wechselte zur 60/70er Jahrzehntwende zum Thriller (das Gebiet, auf dem er seine definitiv besten Filme fabrizierte, so z. B. “Paranoia” und “Spasmo”), trug mit Beginn der 80er Jahre sein Schärflein zur grassierenden Kannibalenfilmwelle bei und verwandelte sich schließlich mehr und mehr zu einem Billigtrashlieferanten.

Zur DVD-Umsetzung:

Die DVD von e-m-s erfreut mal wieder mit einer liebevollen Aufmachung, in puncto technischer Qualität läßt sich das Alter des Films jedoch nicht so ganz verhehlen. Das Bild (2.35:1 Letterbox) kann zwar mit schön kräftigen Farben aufwarten, in den dunklen Szenen sind die Kontraste jedoch eher unbefriedigend ausgefallen. Ferner sorgt ein recht starkes Bildrauschen für partielle Unschärfen, vor allem bei Kameraschwenks und stark bewegten Szenen (derer es in diesem Film nun mal etliche gibt). Auch am Ton (DD 2.0 in Deutsch) ist der Zahn der Zeit nicht ganz spurlos vorbeigegangen, die Dialoge klingen stellenweise etwas blechern; störendes Rauschen oder grobe Verzerrungen treten jedoch kaum auf. Berücksichtigt man, daß der Film mehr als vier Jahrzehnte auf dem Buckel hat, lassen sich diese technischen Defizite jedoch verschmerzen, alles in allem bietet die DVD immer noch ein befriedigendes Filmerlebnis ohne Augen- und Ohrenschmerzen. Das Bonusmaterial umfaßt den deutschen Trailer, eine Bildergalerie mit alten Aushangfotos sowie Textinfos zu Regisseur Umberto Lenzi und den Darstellern Pierre Brice, Alan Steel, Andrea Aureli, Moira Orfei und Gracia Matia Spina. Als besonders gelungene Beigabe gibt es noch ein 8seitiges Booklet mit dem Nachdruck des alten deutschen Filmprogramms (Illustrierte Film-Bühne Nr. 6855) und einigen Aushangfotos.

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Wertung

 

Gesamt:

(Mittel)

Anspruch:

(Leichte Kost)

Spannung:

(Unterhaltsam)

Brutalität:

(Jugendfrei)

Ton:

(Gut)

Bild:

(Mittel)

Menüs:

(Gut)

Ausstattung:

(Gut)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Ort:

Italien

Zeit:

1963

Autor:

Lenzi, Umberto

Verlag:

EMS

Erschienen:

Apr. 2007

Kritiker:

Thomas Wagner

Typ:

DVD

 

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