 | Konzert Nachtleben FFM März 2007 Rezension von jpk Am 11. März 2007 lud mich Adversus ein mich auf ein Abenteuer der Klang- und Wortwelten einzulassen. Der Auftritt der Musiker fand in Frankfurts verordnetem Szenelokal Nachtleben statt und wurde von der Newcomerband "Charlett Schwarz" unterstützt. Diese erschien als Trio mit Veyna am Micro, Alex an der Gitarre und Marc, der sich hinter den Keyboards verbarrikadierte. Charlett Schwarz kam an ihre Studioqualität nicht heran und auch die Bühnenpräsenz ist allgemein noch ausbaufähig. Persönlich waren sie mir im musikalischen Ausdruck zu brav und trotz der gelegentlichen Shouteinlagen zu flach und konturlos, um eine Gefühlstiefe beim Auftritt zu vermitteln. In meiner Einschätzung ist die Band jedoch ausbaufähig und wird mit der Routine auch mehr Mut zum Ausdruck auf der Bühne gewinnen. Nach meinem zweiten Schwarzbier (den Rotwein im Nachtleben mag ich nicht) kam Adversus auf die Bühne und begann gleich mit einer Inszenierung ihrer selbst, die für ordentlich Stimmung und Ambiente sorgte. Das Live Line-Up für diesen Abend bestand aus Gesang Aysel und Rosendorn, an den Tasten fand sich Tanja Frisch, die Violine bearbeitete Lestaria, die Trommeln Thomas Eifert und der Bassmeister Carsten Hundt entlockte seinem Kontrabass eine Variation von Klängen, während Ex- und Ersatzbandmitglied Thomas "Tommy" Steuer seine Gitarrensaiten streichelte.  "Everybody´s talkin´ ´bout the new sound Funny, but it´s still rock and roll to me" Wer sich der Gothic Szene musikalisch nähert, dem wird irgendwann eine derartige Formulierung entegegenschreien, die von "extrem schwierig einzuordnen" oder "von entzieht sich der Kategorisierung" spricht, und dabei das Unvermögen des Autors belegt, die Musik der Band in eine passende Schublade zu werfen, auch wenn er noch so viele auspackt. So kann man Adversus als Neogothic, Medieval Industrial, Lyrical Classic Death Metal oder gar mit dem Schreckensbegriff "Neue Deutsche Todeskunst" belegen. Alles Bullshit. Eine gute Band entzieht sich der Schubladisierung, weil sie mehrere Stilrichtungen variabel wie ein Instrument benutzt, zu einem eigenen Klangkunstwerk verarbeitet und somit ihren eigenen Stil prägt. Wer also in einer Bandbeschreibung in der hilflosen Kategorisierungsbemühung eines Kritikers mehr als drei Stilrichtungen findet, hat schon mal einen guten Grund hinzugehen. Adversus hat einen völlig eigenen Stil, in dem sich Versatzstücke gefälliger Kompositionen und eigene Kreationen wieder finden und in einem eigens geschaffenen, stetig veränderten Rahmen neu zusammensetzen zu tatsächlich eigenständigen Werkstücken. In der Konserve überfordert es den flüchtigen Hörer aber Live reißt es auch ihn mit. Denn komplex, einfühlsam, schnell und hart, langsam und ruckartig - Adversus rockt! Die Bühnenpräsenz der sieben Bandmitglieder ist mitreißend und sie holen aus der klaustrophobischen Enge der Clubbühne alles an Tanzbewegung heraus, was dort mit schlangenähnlicher Beweglichkeit zu machen ist. Mit der Passivität und dem Konsumverhalten der Zuschauer ist es vorbei und tanzend zuckt die Schar neu gewonnener und schon lange lieb gewonnener Fans. Sympathisch freuen sich die Musiker über die Besucher und steigern lachend sich in die Erschöpfung hinein. Adversus sucht die Nähe zu den Fans und Freunden ihrer Musik und überwindet spielerisch und häufig die Distanz. So werden Fans mit Rose oder Rotwein beschenkt und Rosendorn verlässt singend seine Bühne, um unter den Zuschauern zu sein. Gesungen wurde (soweit ich es als Adversus Neuling erkannte) an dem Abend aus den beiden Alben "Winter, so unsagbar Winter" (2003) und dem etwas neueren "Einer Nacht gewesenes" (2005). Musikalisch übertrifft die Band ihre Studioleistung an diesem Abend. Dies nicht in Qualität oder Perfektion, denn ab und zu wird schon noch der Ton verfehlt, die Abmischung klappt nicht oder ein Einsatz kommt nicht präzise (ich vermute, dass die Bühnenbeschallung suboptimal war und die Musiker teilweise auf Verdacht spielen mussten). Aber die Klarheit der Kompositionen und die Eindringlichkeit der Musik ist im Live Zusammenspiel einfach besser. Weniger Effekte (obwohl auch hier Samples im Hintergrund eingespielt werden), dafür mehr Handgemachtes scheint meinem Hören gefälliger. Es wird weniger abgeliefert, dafür mehr gegeben. Einen Besucher eines Adversus Konzerts erwarten harte Rythmen, schnelle Parts, tanzbare Musik, laute Schreie, wunderschöner Soprangesang und musikalische Überraschungen gepaart oder in Abwechlsung mit tiefgehender, persönlicher Poesie, die man nur am Rande wahrnimmt, an deren Versen man sich trotzdem labt: ein Hexenkessel Schwarzes. Wer sich zutraut Waltaris Death Metal Symphonie in Deep C per Kopfhörer zu hören, der sollte auf keinen Fall ein Adversus Live Konzert verpassen. Wer bei mancher Mittelalter Combo meint im Schlagerfestival zu sein, der soll sich in dunkle Linne hüllen und zu Adversus rennen. Wer sich bei Death Metal gelangweilt nach Ohrenschützern umsieht, sollte ein Auge auf Adversus werfen. Wer bei Industrial an Kreissägen denkt, der suche Handgemachtes bei Adversus. Wem die Lyra zu eintönig klingt, der suche den Lärm bei Adversus. Adversus sind sieben Musiker, die sich an interessanten und guten Klängen berauschen, an Poesie erfreuen und weit vor allem Anderen mit ihren Fans gute und schöne Konzertabende erleben wollen. Wer an seinen Ohren keine Scheuklappen trägt, sich an harten Rythmen nicht stört, der ist eingeladen, einen wirklich guten Abend mit Adversus zu erleben. Mir hat es Spaß gemacht.  Hinweis: Mehr zu Adversus findet man unter www.adversus.de
Eure Meinungen:
| You keep it up now, uendrstand? Really good to know. [qriAIBrcqPJdiBVLZrL] |
Datenbank:0.0014 Webservice:0.0970 Querverweise:0.2403 Infos:0.0012 Verlag,Serie:0.0005 Cover:0.0001 Meinungen:0.0025 Rezi:0.0004 Kompett:0.3439 |  |