Das Buch der toten Tage Sedgwick, MarcusRezension von jpk Boy hat keinen eigenen Namen. Er hat eigentlich ganz und gar nichts. Aus der Zeit, bevor er Valerians Lehrling wurde, ist ihm kaum eine Erinnerung geblieben. Als Lehrling des Magiers Valerian hat er auch nichts außer ein wenig zu Essen und eine winzige Schlafstelle erhalten. Eigentlich ist er auch eher Sklave als ein Lehrling. Valerian behandelt ihn nicht gut, obwohl sich Boy die größte Mühe gibt, dem Meister zu gefallen. Aber entweder interessiert sich Valerian nicht für Boy oder er scheltet und schlägt ihn aufgrund irgendwelcher Fehler, die der Junge begangen haben soll. Doch es geht Boy bei Valerian besser als zuvor und besser als vielen anderen Jungen in dieser Stadt und in dieser Zeit. Es ist eine düstere und brutale Zeit. Das Imperium ist schon lange zusammen gebrochen und was bleibt ist diese alte Stadt, die nun nach und nach vergammelt und verfault. Die meisten Menschen kümmern sich nur noch um sich selbst und sind in ihrer Seele ebenso verdorben, wie die Stadt. Und weil Valerian alles ist, was Boy hat, versucht er seinem Meister zu helfen. Denn dieser ist in Gefahr, sein Leben und seine Seele zu verlieren. Zusammen mit einem jungen Mädchen, das ebenso wie er verloren ist, versucht er zu helfen, doch was soll ein kleiner Junge denn schon ausrichten können. Der Roman von Marcus Sedgwick erscheint auf den ersten Blick wie eine unvollständige Geschichten, die ein Anfang und auch ein echtes Ende vermissen lässt. Das Buch ist zwar in sich abgeschlossen, aber der Autor lässt eine solche Vielzahl an neugierig machenden offenen Punkten zurück, dass die eigenen Phantasie hier stark gefordert ist. Man erfährt nur das Wesentliche für das Grundverständnis der Geschichte. Das mag den einen oder anderen Leser unbefriedigt zurück lassen, andere werden gerade von diesem Minimalismus begeistert sein, der an gelungene Kurzgeschichten erinnert. Die düstere Grundstimmung des Romans ist teilweise erschreckend. Man versteht sehr schnell die Ängste, welche den Jungen auf jedem Schritt begleiten. Ungeklärte Morde, Leichen, Totenschädel, brutale Gesellen und eine rücksichtsloser Zaubermeister rücken den Roman in ein finsteres Ambiente, das nur in wenigen Momenten der angehenden Freundschaft zwischen dem Jungen und dem Mädchen durchbrochen wird. Der Schreibstil des Autors ist durchaus passend. Teilweise sehr knapp, aber doch ausreichend, ist er flüssig und leicht zu lesen. Das Buch lässt sich gut an einem verregneten Wintertag durchlesen (würde auch jahreszeitlich und vom Wetter hervorragend passen). Insgesamt ein guter, wenn auch ungewöhnlicher Fantasyroman. Es ist nicht der erste Zauberlehrling, der mit einem brutalen Meister zu tun hat. In Gegensatz zu seinen Vorgängern ist jedoch die Vater-Sohn Beziehung zwischen Lehrling und Meister hier ein andauerndes unterschwelliges Thema, das im Finale schließlich auch Ausdruck findet. Das Buch ist empfehlenswert, jedoch bleibt die Vermutung, dass die offenen Punkte wie oben beschrieben, so manchen Leser enttäuschen werden, der lieber ein Rundumsorglos-Roman lesen würde. Denn schließlich sind gerade Fantasy- wie auch Kriminalromane oft ein Mittel, eine komplexe und nicht immer angenehme Realität durch einfache Geschichten für eine Zeitlang gerade zu rücken.
Eure Meinungen:
| Bin gespannt auf die Fortsetzung! [birgit] |
| Das Buch ist sehr spannend, horrormäßig und geht auf jeden Fall unter die Haut! Für alle die gerne horror haben nur empfelenswert!!!! [NADINE] |
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