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Lunar Park

Ellis, Bret Easton

Rezension von Tobias Thieme

Mit seinem neuen Roman „Lunar Park“ liefert der Skandal- und Kultautor Bret Easton Ellis wieder einmal ein verwirrendes Werk ab.
Die ersten 50 Seiten, das erste Kapitel also, muten an wie eine Biographie des amerikanischen Autors. Geschildert wird der Erfolg seines ersten Romans, der damit verbundene Reichtum, die Partys, die Drogenexzesse, die Affären, das Schreiben seiner nächsten Bücher, die Folgen des skandalträchtigen „American Psycho“ und auch in Ellis Gedanken und Seele wird ein Einblick gewährt. Bei den ersten 50 Seiten kann man davon ausgehen, dass diese wahrheitsgetreu sind, sich also tatsächlich so ereignet haben. Danach vermischen sich Realität und Fiktion immer mehr. Der Hauptprotagonist Bret Easton Ellis heiratet Jayne, eine erfolgreiche Schauspielerin, hat mit ihr einen Sohn namens Robby, und eine Stieftochter mit namens Sarah. Die kleine Familie lebt in einem kleinen idyllischen Ort, Tür an Tür mit anderen Reichen und eigentlich könnte das Leben sehr schön sein. Doch Bret hat immer noch mit Drogenproblemen zu kämpfen, hat eine Affäre mit einer Studentin (er unterrichtet nämlich am College einen kleinen „Creative Writing“-Kurs), die Kinder wollen ihn nicht so recht akzeptieren, mit Jayne gibt es auch immer mehr Probleme und selbst der Hund versucht ihm soweit es geht aus dem Weg zugehen. Auch das hört sich noch ziemlich real an und könnte so stattgefunden haben, wenn man davon absieht das der „echte“ Bret Easton Ellis nicht verheiratet ist, keine Kinder hat und auch die beschriebene Hollywoodschauspielerin nicht existiert. Wenn man Jayne Dennis über „Google“ sucht wird man zwar eine Website der amerikanischen Schauspielerin finden, diese Website ist allerdings nicht echt und wurde vom Verlag extra wegen des Buches ins Internet gestellt (ein entsprechender Hinweis befindet sich etwas versteckt auf der Seite).
Auffällig ist außerdem das es viele Hin- und Querverweise auf Ellis` frühere Werke gibt, vor allem auf „American Psycho“, aus dem oftmals auch zitiert wird.

Was anfangs noch so realitätsnah wirkt, wird aber nun immer abstruser. Kinder aus dem Wohnviertel verschwinden, die Farbe des Hause blättert ab, die Möbel ähneln immer mehr derer, die in Brets Elternhaus stehen, sie verrücken sich immer wieder und ein Spielzeug der kleinen Sarah erwacht zum Leben und hält Bret ziemlich auf Trab. All das soll Bret wohl an den Tod seines Vaters im Jahre 1992 erinnern. Es scheint, als wolle ihm sein Vater auf diese Weise etwas mitteilen, doch was es ist weiß Bret noch nicht. Neben den Problemen mit Robby, Sarah und Jayne muss Bret nun auch noch gegen ein Spielzeug kämpfen, mit seiner eigenen Vergangenheit fertig werden, versuchen seinem Drogen- und Alkoholproblem zu entkommen und einem Serienmörder, der die Morde aus seinem Roman „American Psycho“ imitiert mithilfe eines Detektivs auf die Schliche kommen.
„Lunar Park“ gleitet nun immer mehr in eine Horrorgeschichte á la Stephen King ab und wird immer abstruser, undurchsichtiger und verworrener.
Als Jayne für einen Nachdreh nach Los Angeles muss, bleibt Bret zusammen mit Sarah und Robby zu Hause und es kommt zu einem fürchterlichen Ereignis...

Die Presse rätselt schon seit dem Erscheinen des neuen Ellis`, wo in diesem Buch die Wahrheit aufhört und die Fiktion beginnt. Wie viel autobiografisch und was gelogen ist. Ellis gibt „Lunar Park“ zunächst den Charakter einer Autobiografie und driftet dann irgendwann im Laufe des Buches in eine Geschichte ab, die im Grunde eine Hommage an Stephen King darstellt. Die Geschichte wird abstrus, undurchsichtig, gruselig und teilweise unverständlich. Nur langweilig wird sie dabei zu keiner Zeit. All das wird dadurch verstärkt, dass der Autor sich selbst als Hauptfigur des Romans gewählt hat. So fragen sich seine Leser die ganze Zeit: Hat er so etwas wirklich erlebt? Gibt es eine Jayne Dennis? Gibt es einen Sohn?
Ellis spielt mit der Textart der Autobiografie, er gibt seinem Buch den Anschein als sei es eine, allein dadurch das die Hauptperson seinen Namen trägt, doch ehe man sich versieht verselbstständigt sich die Geschichte und wird zu etwas womit man nie im Leben gerechnet hätte.
Langweilig wird es im gesamten Buch nicht, weder im Realitätsteil, noch im fiktiven Teil. Alleine durch die Fragen „Was ist Realität?“ und „Was ist Fiktion?“ kann es nicht langweilig werden. Zugegebenermaßen erinnert die Geschichte am Ende stark an Stephen King, doch trotzdem ist sie irgendwie anders.
Ellis Schreibstil ist – meiner Meinung nach – ein wenig klarer als in seinen vorherigen Werken, transportiert aber alles in allem die nötigen Gefühle, die nötige Spannung und wirkt abwechslungsreich.

Mit „Lunar Park“ hat sich der amerikanische Kult- und Skandalautor Bret Easton Ellis selbst ein Denkmal gesetzt, und zwar nicht nur weil er selbst die Hauptfigur dieses Romans ist.

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Wertung

 

Gesamt:

(Extrem gut)

Anspruch:

(Anspruchsvoll)

Spannung:

(Spannend)

Brutalität:

(Vertretbar)

 

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Infos Bret Easton Ellis:
Biographie von Bret Easton Ellis
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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Ort:

USA

Autor:

Ellis, Bret Easton

Verlag:

Kiepenheuer & Witsch, Köln

Erschienen:

Jan. 2006

Kritiker:

Tobias Thieme

ISBN:

3-462-03654-8

ISBN(13):

978-3-4620-365-1

EAN:

9783462036541

Typ:

Hardcover

 

Bret Easton Ellis

 

Bret Easton Ellis wurde 1964 in Los Angeles geboren. Im Jahre 1984, als Student, schrieb Ellis in einem Creative Writing Kurs seinen ersten Roman "Less than Zero" ("Unter Null"). Das Buch wurde in den USA schnell zum Kultbuch und gelangte wenig später auch nach Europa. bret Easton Ellis lebt heute in New York [mehr]

 

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