 | Der Schattenesser Rezension von Arielen Kai Meyer hat sich mit seinen historischen und phantastischen Romanen für Erwachsene und Jugendliche mittlerweile einen Platz in der deutschen Literaturlandschaft erobert. Seine Bücher werden immer wieder neu aufgelegt und sogar in andere Sprachen übersetzt. Insgesamt bleibt er aber immer seiner Linie treu, das Vergangene mit dem Unwirklichen zu verbinden und dabei aus dem reichhaltigen Sagenschatz der Welt zu schöpfen. "Der Schattenesser" entführt uns in das von den Wirren des 30jährigen Krieges geschüttelten Prag. Verschiedene Parteien halten die Stadt und Söldner marodieren in den Straßen. Kein Einwohner der Goldenen Stadt ist mehr sicher vor ihrem Wüten. Das weiß auch das junge Judenmädchen Sarai. Als Junge verkleidet führt sie Aufträge für den verschrobenen Alchimisten Cassius aus, der ihr zu einem Vater geworden ist, seit ihr eigener nicht mehr dazu fähig ist. Die Trauer über den Tod der Mutter hat ihn schwermütig gemacht, und es ist nun an Sarai Essen für sie beide zu verschaffen. Diesmal kommen ihr allerdings Söldner auf die Schliche und hetzten sie durch die Stadt. Auf der Flucht begegnet das Mädchen seltsamen Frauen, die ein magisches Ei beschützen und kommt nur mit knapper Not davon. Sie hat den Schatz aber an sich bringen können und zeigt es nun dem Alchimisten, der völlig außer sich ist? Welche Kreaturen wandeln unter Prags Dächern und warum? Haben sie etwas mit den seltsamen Morden zu tun, die seit einiger Zeit geschehen und den Menschen nicht nur das Leben sondern auch die Schatten rauben? Schließlich stirbt auch Sarais Vater auf diese Weise. Weil das Mädchen nun versucht den unheimlichen Mörder zu finden, wird auch sie zur Zielscheibe. Ihr bleibt nichts anderes übrig, als einen ebenso unheimlichen Beschützer wieder zu erwecken, den Golem. Kai Meyer weiß mit treffenden Beschreibungen Figuren, Umgebung und Zeit zum Leben zu erwecken. Ohne viel drumherum reden zu müssen schafft er eine eigentümliche Atmosphäre, in der sich Realität und Mythen miteinander vermischen. Auch er kann es nicht lassen, den Golem des Rabbi Löw zu benutzen und ihn mit anderen Märchengestalten zu konfrontieren. Das ist sehr faszinierend, allerdings bewegt sich die Handlung sehr behäbig und kommt manchmal ins Stocken, wenn der Autor den Leser gerne auf einen kleinen Irrweg locken möchte. Das ist aber noch recht erträglich, enttäuschender ist aber eher das kryptische Ende, das den Leser mit einer Menge Fragen zurücklässt. So ist "Der Schattenesser" zwar stimmungsvolle Lektüre für Fans von Geschichte oder gepflegter Fantastik, kommt aber durch seine Schwächen nicht über ein gutes Mittelmaß hinaus.
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