 | Hiobs Stern Rezension von Jim Melzig Den Grenzen des Wachstums der Erde entronnen, eine Menschheit, der interstellaren Raumfahrt mächtig und nun die Galaxis überflutend, ohne Rücksicht auf die Natur Planeten besetzend, besiedelnd, Fauna und Flora den eigenen Bedürfnissen anpassend. Nur einer stellt sich gegen die herrschende Verwaltung, Hiob. Mit der biblischen Gestalt hat er nichts gemein, es wäre auch zu weit hergeholt, Analogien zu dem demütigen Dulder in Josephs Roths „Hiob zu ziehen. Frankes Hiob ist verschieden. Als militanter Umweltschützer ist er entschiedener Gegner der Verwaltung, er tritt der „“steten Unrast des Menschen“ entgegen, will die überbordende Expansion eindämmen, notfalls mit terroristischen Anschlägen und ist doch eigentlich Pazifist, der für die Menschheit nur Glück und Frieden sucht. Vielen erscheint er deshalb als Messias, seine Anhängerschar ist groß und nicht einmal sein erklärter Gegner, der Agent der Verwaltung Jonas, ist sich sicher, ob Hiob unrecht hat. Ähnlich sind sich die beiden auch, rein äußerlich zunächst und dann im Laufe der Jahre mehr und mehr in ihrem Gerechtigkeitssinn. Und als sie die große Manipulation erkennen, werden sie zwar keine Freunde, aber Gegner bleiben sie nicht länger, ganz im Gegenteil, Franke lässt Jonas das Erbe Hiobs antreten und “Hiobs Stern“ suchen, den man als Hort der Freiheit interpretieren kann. Die große Manipulation, das ist eine Schöpfung der Verwaltung, ein Kunstgriff in der ein Kampf zwischen Gut und Böse inszeniert wird. In der Rolle des Bösen Hiob, Jonas in der des Helden und beide wissen nicht, dass sie nur die Schauspieler in einem Motivationsspektakel sind, das dazu dienen soll, dass Böse und Gute zu konkretisieren, als Surrogat für die reizlose Welt. So werden die Duelle der beiden von Franke mit rituellem Charakter behaftet, zwei Kampfhähne in der Arena und der Pöbel ergötzt sich daran. Und das ist im Sinne der Verwaltung, die Ausdauer und Leidensfähigkeit ihres Volkes steigern will, ein Idol für die Heranwachsenden benötigt, letztendlich um die Staatstreue zu festigen. So geht es in Frankes Roman wieder einmal um die Manipulation des Menschen durch ein restriktives System und wieder einmal variiert er eines seiner Lieblingsthemen auf großartige Weise. Er beschränkt sich weitestgehend auf die beiden Hauptfiguren, ihre Pseudoduelle sind Nebensache und im Mittelpunkt steht Jonas´ Weg der Erkenntnis. Die Gedanken dominieren, unterbrochen von stürmischen Handlungssträngen und Franke erreicht mit diesem Stil eine solide Spannung. Dies, die überraschenden Wendungen und der gelungene Schluss verleihen auch diesem Werk des Autors einen hohen Lesegenuß.
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