 | Transpluto Rezension von Jim Melzig "Transpluto" ist ein seltsamer Roman, vielleicht ist Transpluto auch eine Überdosis LSD, eine Huxleysche Pforte der Wahrnehmung, man wird nicht so richtig schlau daraus. Die sonst üblichen Erwartungen des Franke-Freundes werden diesmal nicht erfüllt. Der Mensch als Opfer seines eigenen technologischen Fortschritts? Tabula rasa eines Atomkriegs und in Folge ein restriktives Systems der Computerüberwachung inklusive pharmakologischer und psychologischer Manipulation des Menschen? Daraus resultierendes individuelles Aufbegehren, Widerstand, Kampf? Nein, nichts dergleichen. Den Leser erwartet eine Weltraumodyssee an die Grenzen des Verstehens. Aufhebung des Raum- und Zeitbegriffs, auf den Kopfstellen der Physik, metaphysisch, expressionistisch in den Kulissen, wie ein Film von Robert Wiene, gruselig und befremdend in der Wirkung, dem Leser alle Aufmerksamkeit abverlangend und schonungslos verwirrend. So verliert denn die Geschichte in dieser Grenzwelt zwischen Traum und Rausch zunehmend an Substanz und an den Stellen, an denen ihr ein Drängen in den Vordergrund gelingt, erscheint die Handlung ebenso verschlungen wie die Umgebung in der sie spielt. Da hat der Protagonist einen Gedächtnisverlust, drei Viertel des Buches ist er mit Rekonstitution beschäftigt und währenddessen fliegt er mit seinen Freunden zu einer fremden Welt in Richtung Alpha Centauri. Aber das Sternensystem ist irrelevant, denn die eingeschlagene Richtung ist frei wählbar, weil der Endpunkt immer der gleiche ist. Franke rüttelt heftig an den Vorstellungen des Universums und bringt sie dann mit einem Federstrich zu Fall. So endet die Entführung eines interplanetarischen Vergnügungsschiffes auf einem Objekt - eine bessere Bezeichnung ist nicht möglich-, dessen gesamte Oberfläche mit weißgrauen Schaumstoffteilen übersät ist. Das ist aber nicht witzig gemeint, es ist einfach so. Genauso gut hätte Franke die Oberfläche auch glatt und spiegelnd gestalten können. Es ist das Innere, was die Aufmerksamkeit des Lesers und des Expeditionsteams anzieht. Eine Sphäre, gigantisch, verwinkelt, nach Ernst Jandl lechts und rinks verwechsernd verlaufende Gänge in diesem Labyrinth, eine Grafik von Escher simulierend, mündet alles in sich selbst und dann finden sie am Ende den Eingang in ein neues Dasein, den Ursprung des Seins, mit Worten nicht mehr zu beschreiben und Franke macht es richtig, er beendet an dieser Stelle das Buch.
Eure Meinungen:
| Sehr schöne Kritik. Kenne das Buch nicht, aber es hört sich klasse an. [stratos] |
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