 | Einsteins Erben Rezension von Jim Melzig Neben den Romanen „Ypsilon minus“ und „Zone Null“ finden sich in der vorliegenden Anthologie folgende Kurzgeschichten Herbert W. Frankes: Einsteins Erben Programm ETHIC Expedition Geweckte Vergangenheit Asyl Zentrale der Welt Wir wollen Darius Müller sehen Warum schießt du nicht auf Peggy? Mutation Die Enklaven Waffenhandel Kleopatra III. Die Koordinatorin Ein Kyborg namens Joe Die in den 70er Jahren entstandenen Kurzgeschichten sind interessant, bisweilen amüsant, immer geistreich und anspruchsvoll. Franke beschäftigt sich pointiert mit seinen Lieblingsthemen, Gesellschafts- und Technologiekritik und stellt dabei den Menschen der Zukunft in den Mittelpunkt dieses Spannungsfeldes. Typisch ist hierbei die Konfrontation seiner Figuren mit den Sünden ihrer eigenen Vergangenheit, im Extremfall mit den Hinterlassenschaften eines Atomkriegs, die Unverständnis hervorrufen und Gegenstand anthropozentrischer Forschung werden. Ein anderes gerne verwendetes Thema ist die Dominanz der Maschinen und das damit einhergehende Unvermögen des Großteils der Menschen mit der technologischen Entwicklung geistig Schritt zu halten. Da „die Beschäftigung mit den Pseudoproblemen der Naturwissenschaft zu einer Verarmung der Psyche“ führt und damit Mensch und Gesellschaft bedroht, hat die Welt in „Einsteins Erben“ eine Richtung eingeschlagen, in der Wissenschaft verboten ist. Der durch Neugierde getriebene Drang Wissen zu schaffen, wird substituiert auf einen mönchischen Anbetungskult vergangener Koryphäen wie Heisenberg, Dirac oder Leibniz. Die Maschinen schützen sich vor der Willkür des Menschen, ihre Organisation ist völlig autonom, das System evolviert von selbst und Menschen sind eigentlich überflüssig. In „Programm ETHIC“ mündet das verzweifelte Ringen der Wissenschaftler einen Spielfilmgenerator für Transkontinentalflüge ethisch zu parametrieren in eine „sechszehndimensionale Mannigfaltigkeit von Charakterisierungsgrößen“ - eine Wiederentdeckung der 10 Gebote. In der Geschichte „Expedition“ lebt die Menschheit in Städten unter dem Meer. Das mit Umweltgiften und strahlendem Material verseuchte Land hat viele Jahre niemand mehr betreten. Nun soll eine Gruppe Wissenschaftler in den verödeten Gebiete die Ursache dieser Katastrophe finden. Sie bricht auf aus einer Welt, die sich mittlerweile ebenfalls in eine Kloake zu verwandeln beginnt. „Geweckte Vergangenheit“ beschreibt ähnlich wie in „Expedition“ eine archäologische Forschung auf einer atomar verwüsteten Erde, wieder mit dem Ziel die Ursache für eine derartige Katastrophe zu finden, diesmal über die Übertragung remanenter Erinnerungen aus einem konservierten Gehirn. Eine Gruppe von Dissidenten entflieht in „Asyl“ der Reglementierung durch die Weltregierung auf einen fremden Planeten. Sie finden eine Welt, in der ein Teil der Bevölkerung in genetisch fixierter Homöostase verharrt, während der andere aus Kyborgs besteht. Sie haben die Wahl sich dem einen oder anderen anzuschließen und ziehen es vor, wieder zur Erde zurück zufliegen. Ein galaktisches Imperium mit der Erde als Zentrum stößt in „Zentrale der Welt“ auf ihre Grenzen, als sie mit einer gottähnlichen planenden Instanz konfrontiert werden. In „Wir wollen Darius Miller sehen“ beschreibt Franke eine für die Massen perfekt geplante, inszenierte und manipulierte Sportwelt, deren größter Held in Wirklichkeit ein Roboter ist. Intelligentes Spielzeug revoltiert in „Warum schießt du nicht auf Peggy?“ gegen dumme Kinder. Der Chefgenetiker in „Mutation“ selektiert sich selbst aufgrund seiner eigenen Kriterien als Ausschuss der Gesellschaft. Die außer Kontrolle geratene Umweltverschmutzung in „Enklaven“ führt zu intensiver genetischer Manipulation, die das Ziel hat, den Menschen an seine kontaminierte Umwelt anzupassen. Eine außerirdische Spezies beschließt in „Waffenhandel“ der Bedrohung des Weltraums durch die Menschheit ein Ende zu bereiten und dabei soll die Erde mit einer von Menschen entwickelten Superwaffe vernichtet werden, die diesen auch noch abgekauft wird. Doch die Menschen lösen das Problem selbst. „Kleopatra III“ ist eine intelligente Katze, die dem Wissenschaftler, der sie gleichsam erschaffen hat, über den Sinn des Lebens aufklärt. In einer männerfreien und parthenogenetischen Gesellschaft überwacht die „Koordinatorin“ das Aggressionspotential der Individuen. Potentiell Aggressive gelten als entartet und werden durch Psychopharmaka entpersonifiziert. Aber auch diese drastischen Maßnahmen können nicht verhindern, das in der Entwicklung der Frauengesellschaft erste typisch männliche Tendenzen wie z.B. die Bildungen von Rockerbanden zu beobachten sind. In ein „Kyborg namens Joe“ geht der konditionierte Schutzinstinkt eines Mosaikwesens aus Mensch und Maschine soweit, das er das Gehirn seines Schützlings durch einen chirurgischen Eingriff manipuliert. Datenbank:0.0014 Webservice:0.0933 Querverweise:0.1690 Infos:0.0007 Verlag,Serie:0.0005 Cover:0.0001 Meinungen:0.0014 Rezi:0.0002 Kompett:0.2669 |  |