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Die Kälte des Weltraums

Franke, Herbert W.

Rezension von Jim Melzig

200 Jahre nach einem Krieg, der die Erde als Eisplaneten zurückgelassen hat, werden vier Menschen aus ihrem Kälteschlaf geweckt. Sie befinden sich auf einer Mondstation und werden von den Überlebenden als Verursacher des Untergangs angeklagt. Nachdem sich aber herausstellt, dass sie nur die mit Hilfe plastischer Chirurgie imitierten Doppelgänger der damals Verantwortlichen sind, werden sie freigelassen. Eine Bergstation, herausragend über den Eismassen, umtost von Schneestürmen, bietet ihnen Zuflucht. Einer von ihnen hat für den Notfall einen letzten Befehl bekommen, den es nun zu vollstrecken gilt. Sie erwecken den in einer Geheimkammer versteckten Oberbefehlshaber des letzten Krieges. Die letzte ultimative Vernichtungswaffe hat versagt. Um den Grund dafür zu finden, begibt sich die Gruppe unter Führung des Generals auf eine dunkle Expedition in das gigantische, höhlenartige Bunkersystem unter dem Berg. Tief unten in den verwinkelten Katakomben wird noch immer Krieg geführt.

Der Berghof als Refugium, der geliebte Hund, der Fanatismus, die Vorliebe für den Baugigantismus, der totale Vernichtungswahn, der Glaube an die Wunderwaffe - Franke legt in seine Hauptperson Wallenbrock viele historische Parallelen. Die Menschen verachtend, sie also bloße Erfüllungsgehilfen für seine irrwitzigen Pläne betrachtend, einzig gegenüber seinem Hund eines Gefühls mächtig, setzt der General wie ein vom Grabe auferstandener Dämon alles daran, die Schmach der „verlorenen ersten Schlacht“ mit dem Endsieg zu tilgen. Wallenbrock ist ein Mann voller Widersprüche, einerseits intelligent, andererseits „ist sein Horizont beschränkt, seine Leitmotive sind primitiv“, es fehlen ihm fundamentale menschliche Züge, wie die Fähigkeit, Mitleid zu empfinden. Er täuscht seine Vasallen, gibt vor, nur an den Gründen des Versagens der Wunderwaffe interessiert zu sein und plant letztlich die Weltuntergangsmaschine zu reaktivieren um seinen Größenwahn mit einer „großen Stunde der Geschichte“ zu rechtfertigen. Im Laufe der Geschichte immer tiefer dem Wahnsinn verfallen, vermutet er in den eigenen Reihen einen Verräter und verachtet dann selbst seine Untergebenen. Somit schafft Franke mit Wallenbrock eine zwar faszinierende aber auch äußerst widerwärtige Gestalt, einen Menschen der keine Skrupel besitzt die gesamte Menschheit zu vernichten, aber um einen zähnefletschenden Köter trauert, dessen Leben ihm mehr bedeutet, als das aller Menschen: „...ein unschuldige Kreatur! Aber ich werde dich rächen! Was ist aus den Menschen geworden! Sie haben kein Recht mehr zu leben, ich werde sie strafen, so wie sie es verdienen.“ Seine Vasallen sind ohnmächtig, ihm im Absurdensten in die Hölle folgend, nicht in der Lage aufzubegehren und wenn doch, dann nicht konsequent genug. Auch nach dem alles in Scherben liegt, fühlen sie sich noch an ihren Eid gebunden, dem sich selbst zum Gott erhebenden Wallenbrock in den Untergang zu folgen.

In „Die Kälte des Weltraums“ zeichnet Franke ein äußerst pessimistisches Bild des modernen Menschen. Unfähig sich aus einem 200 Jahre andauernden Krieg zu lösen, indem es nur noch darum geht, „die eigene Überlegenheit zu beweisen, durch immer weiter gesteigerte Gewalt“, besteht sein Daseinszweck nur darin, als unmündige Marionette die paranoiden Endsieggelüste eines Megalomanen zu befriedigen. Ein deprimierendes Buch, handelnd in Klaustrophobie erregenden Katakomben, geschrieben in dunklen und düsteren Worten und völlig zu Recht 1985 mit dem Kurd Laßwitz Preis ausgezeichnet.

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Wertung

 

Gesamt:

(Gut)

Anspruch:

(Anspruchsvoll)

Spannung:

(Spannend)

Brutalität:

(Brutal)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Autor:

Franke, Herbert W.

Verlag:

Suhrkamp, Frankfurt

Erschienen:

Jan. 1984

Kritiker:

Jim Melzig

Typ:

Taschenbuch

 

Herbert W. Franke

 

Geborene wurde Herbert W. Franke im Jahr 1927 in Wien, Österreich. 1945-1951 studierte er an der Universität von Wien die Fächer Physik, Mathematik und Philosophie. Nach seinem Umzug nach Deutschland arbeitete er fünf Jahre in der Industrie, später als freier Mitarbeiter [mehr]

 

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