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Zone Null

Franke, Herbert W.

Rezension von Jim Melzig

Eine Handvoll Soldaten, jeder auf seinem Gebiet ein absoluter Spezialist, alle aufeinander optimal abgestimmt, in ihren Fähigkeiten, in ihrer Psychologie, eine harmonierende Gruppe, organisiert wie ein Uhrwerk, präzise, zuverlässig, keine Schwächen und geschützt durch Militär. Diese Gruppe hat den Auftrag die „Zone Null“ zu integrieren, ein Gebiet, dass seit einem globalen Atomkrieg völlig abgeschnitten vom Rest der Welt eine eigenständige unbekannte Entwicklung eingeschlagen hat. Viele Jahre sich selbst durch fortschrittliche Waffensysteme schützend, hat sich die Zone dem Zugriff von außen entzogen. Nun ist die Verteidigung zusammengebrochen oder eingestellt worden, warum ist unklar. Man findet eine riesige Stadt, aber kaum Bewohner und mit den wenigen, die man antrifft ist eine Verständigung unmöglich, da sie sich ausschließlich mit Logikspielen vergnügen. Untätig vor den Toren biwakierend, übt die Stadt bald einen hypnotischen Einfluss auf die Mitglieder der Expedition aus, die langsam den Einflüsterungen erliegen und dadurch erste Anzeichen einer Degeneration der militärischen Disziplin zeigen. Die Moral sinkt, Befehle werden missachtet und die Zeit drängt, Ergebnisse zu erzielen. Die Suche nach der zentralen Instanz der Intelligenz scheitert ebenfalls, man findet zwar Zugänge, hat aber keine Berechtigung diese zu betreten. Per Zufall öffnet sich eine Möglichkeit, doch dafür ist eine völlige Aufgabe des Lebens in der gewohnten Welt notwendig. Der Kybernetiker Dan entschließt sich, diesen Schritt zu wagen und betritt eine bizarre, völlig andersartige Welt, ein tief unter der Oberfläche verborgenes hoch organisiertes Labyrinth.


In „Zone Null“ entwirft Franke ein von Perfektion der psychologischen Beeinflussung geprägtes Gesellschaftsbild. Ein restriktives System, in dem Abweichler medikamentös und propagandistisch, normiert, erzieherisch konditioniert werden:
„Störenfriede haben keine Chance. Ideale werden geprägt, Reaktionen anerzogen, Denkmodelle aufgebaut, Wege vorgezeichnet. Unmerklich die lenkende Hand. Die freiwillige Unterordnung“.
Ein System, dessen Idealzustand dann erreicht ist, wenn die „Entropie Null“ ist. Er stellt diese Gesellschaftsform in Kontrast zu einem virtuellen, auf Logik basierendem, sich selbst optimierendem System, in dem gerade die Abweichler als willkommene Mutanten die Diversität erhöhen und damit die Evolution zur Existenz als reiner Entität der Information treiben:
„Das reale Objekt wird überflüssig, das elektronische Schema bildet es ab, die Rasterung ist beliebig fein, die Identität erreichbar“.
Die Freiheit in diesem System ist absolut. Frankes Hauptperson Dan bemerkt lange Zeit nicht, dass er sich in einer vollendet kreierten Illusion bewegt, rätselt, was Test, was Realität, was Fiktion ist. Aber all seine Abenteuer, die Interaktion mit Personen, Stresssituationen, sind virtuell konstruierte, logische oder pseudologische psychologische Tests, die seine Eignung für die Schizogenie prüfen, eine Spaltung oder besser Klonierung seines Geistes, der als Informationsmuster in die gigantische, in menschlichen Dimensionen nicht fassbare Komplexität symbiontisch assimiliert wird:
„Vor ihm lag die Ewigkeit“.

Dieser Roman Frankes ist nicht nur in seinem Inhalt komplex, auch seine Sprache und die gewählte Darstellung der Sprache beansprucht den Leser. Stakkatosätze, versartig untereinander angeordnet, fast lyrisch, seine „Strategie der Integration“, eine stichpunktartige Vorschrift, hier in dualistischem Kontrast zur informellen Integration im Cyberspace. In dieser oft schwierig zu verstehenden Sprache kristallisieren sich drei teils chronologisch, teils achronologisch erzählte Ebenen heraus, die den Roman verkomplizieren: Die Gruppe, Dan im Innern der Stadt und Dans Verhör, wobei erstes und letztes nur einen Rahmen bilden für die eigentliche Handlung und bei genauer Analyse das Verständnis des vielschichtigen Textes erheblich erleichtern. Ab und zu blitzt eine rare Eigenschaft des Autors auf: Humor. Ansonsten darf sich der Leser und Franke-Fan wieder auf den typischen Zynismus freuen, zum Beispiel wenn er die Diskrepanz zwischen der Akribie der Vorbereitung des Expeditionstrupps für alle Eventualitäten und den erzielten Resultaten bei der Konfrontation mit unbekannten Problemen beschreibt.
Hin und wieder mag der Leser mit Frankes Thesen nicht einverstanden sein, wenn er zum Beispiel den Menschen als „probabilistisches System“ bezeichnet, dessen „Handlungen nicht determiniert“ und Motive undurchschaubar sind, aber mit „Zone Null“ findet er einen großartigen Roman, der zwar sehr anspruchsvoll ist, aber bei aller Anstrengung auch mit einer faszinierenden Geschichte belohnt.

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Wertung

 

Gesamt:

(Extrem gut)

Anspruch:

(Anstrengend)

Spannung:

(Spannend)

Brutalität:

(Vertretbar)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Autor:

Franke, Herbert W.

Verlag:

Suhrkamp, Frankfurt

Erschienen:

Jan. 1980

Kritiker:

Jim Melzig

Typ:

Taschenbuch

 

Herbert W. Franke

 

Geborene wurde Herbert W. Franke im Jahr 1927 in Wien, Österreich. 1945-1951 studierte er an der Universität von Wien die Fächer Physik, Mathematik und Philosophie. Nach seinem Umzug nach Deutschland arbeitete er fünf Jahre in der Industrie, später als freier Mitarbeiter [mehr]

 

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