 | Eclipse Shirley, JohnRezension von Jim Melzig 2020, die Sowjets sind in Westeuropa einmarschiert. Entgegen aller Erwartungen blieb der Atomkrieg auf wenige taktische Schläge begrenzt. Die NATO konnte den sowjetischen Verbänden in Mitteleuropa eine relativ statische Front aufzwingen. Da hinter den Linien verheerende Anarchie herrscht, hat die NATO eine Organisation namens Second Alliance International Security Corporation , kurz SA genannt, mit der Sicherung des Hinterlands und mit der Ausübung der Polizeikontrolle betraut. Hinter der SA verbirgt sich eine faschistisch, rassistisch, antikommunistisch und extremistisch fundamentalistisch christlich orientierte Organisation, die das unter NATO-Kontrolle stehende Westeuropa von allen nicht in ihr Konzept passenden Menschen gleichsam entsorgen will. Geführt wird die SA vom fanatischen und an einen verrückten Sektenprediger erinnernden Rick Crandall. Aber es regt sich Widerstand. Die Neue Resitance, kurz NR, unter Führung des intelligenten Steinfeld, organisiert sich in den Ruinen von Amsterdam und Paris, um gegen das totalitäre und menschenverachtende Regime zu kämpfen und Anschläge auf Crandall zu verüben. Unterstützung erhält die NR vom israelischen Geheimdienst. Steinfeld und seine Komparsen Hard-Eyes, Smoke und der abgewrackte Rockmusiker Rickenharp werden zu Führern im Kampf gegen die Unterdrückung. Shirley präsentiert eine vor Gewalt strotzende und zunächst sehr verwirrende Dystopie, die an vielen Schauplätzen mit vielen Charakteren gleichzeitig spielt. So hetzen die sehr spannenden Episoden von den Ruinen Amsterdams, hinauf zu einer Raumkolonie, in das zerstörte Paris, in ein im Drogensumpf ertrinkendes Disneyland für Reiche und in die Bürotürme eines allmächtigen Medienkonzerns in einer zunächst noch recht beschaulich wirkenden USA. Der Autor beschreibt mit viel plausiblen Details die Wiedergeburt des Faschismus, der seine Wiederauferstehung hauptsächlich einer globalen Kontrolle der Medien, dem Gitter, und der damit einhergehenden gezielten Desinformation zu verdanken hat. Die nicht immer ganz sattelfeste Sprache und die ausufernde Gewalt könnten dem Roman den Todesstoß versetzen, verbürge sich zwischen den Zeilen nicht ein intelligenter und ansprechender Zynismus, der keinen schont. Unternehmen, Religionen, Militärs, Wissenschaftler, Hedonisten und vor allem die Medienindustrie, überschüttet Shirley mit sarkastischer Häme. Die Sattheit der verwöhnten Luxusgesellschaft, ihr Überfluss an Drogen, sei es Warenkonsum, sei es Molekülkonsum auf der einen Seite und die Verblendung und Indoktrination der vom Krieg gebeutelten Massen auf der anderen, findet Shirleys tiefe Verachtung. Klare Sympathien zeigt er dabei für die Arbeiterklasse, im Buch als Technicki bezeichnet. Doch auch hier platziert Shirley Verrat, Dummheit und Überdruss. „Eclipse“, ein kraftvolles, aufrüttelndes und empörendes Werk, das zu einigem Nachdenken anregt, exzellente Parallelen zu unserer Gesellschaft zieht und wäre da der nicht schon erwähnte exzessive Mel Gibsonsche Hang zur Gewaltdarstellung könnte man diesen Roman, der als Teil 1 eine Trilogie eröffnet, kurzum als Klassiker der SF-Literatur bezeichnen. „Die Eclipse, eine Verfinsterung, die elementare Werte und herkömmliche Moralvorstellungen verdeckt, die Menschen für Extreme öffnet, die sie sonst nie in Erwägung ziehen würden“ Datenbank:0.0010 Webservice:0.1728 Querverweise:0.2674 Infos:0.0012 Verlag,Serie:0.0006 Cover:0.0006 Meinungen:0.0022 Rezi:0.0002 Kompett:0.4462 |  |