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Die Pyramide

Mankell, Henning

Rezension von Michael Matzer

An der schwedischen Küste stützt ein Sportflugzeug von Drogenkurieren ab. In dem ansonsten so idyllischen Städtchen Ystad, wo Kommissar Kurt Wallander tätig ist, explodiert wenig später das Haus zweier ehrbarer Schwestern. Und zu guter Letzt wird Wallanders Vater in Ägypten wegen Pyramidenbesteigung verhaftet. Unser Serienheld hatte es offenbar schon im Jahr 1989 nicht leicht in seinem Beruf.

Die Sprecher
Kurt Wallander (KW) wird diesmal gesprochen von Heinz Kloss, der schon beinahe jugendlich klingt: Im Jahr 1989 ist Wallander erst Anfang Vierzig. Schon in dieser Anfangsphase seiner Laufbahn als Kommissar hat Wallander einen engen Assistenten: Martinsson. Er wird gesprochen Thomas B. Hoffmann. KWs namenlosen Vater spricht Peter Groeger, seine Tochter Linda (die später in die Fußstapfen des Vaters tritt) Katrin Frenzel.

Das Hörspiel erarbeitete Dramaturg Moritz Wulf Lange von der Produktionsgesellschaft STIL, die schon "Der Mann, der lächte" hervorgebracht hat (mit durchwachsenem Ergebnis). Regie, Musik, Schnitt und Ton erfolgten in Personalunion von Simon Bertling und Christian Hagitte.

Handlung
Am Anfang werden wir erstaunt Ohrenzeugen eines Flugzeugabsturzes an der Küste von Südschweden. Es ist ein Rätsel: Was machten die Piloten des Sportflugzeugs in dieser Gegend, und warum stürzte ihre Maschine ab?

Es folgen einleitende Musik und Ansage.

Kurt Wallander erzählt in der Ich-Form von seiner kürzlich zurückliegenden Scheidung von Mona, die mit seiner Tochter Linda nach Malmö gezogen ist. Im Verlauf der Handlung taucht Linda allerdings mehrmals frustriert von Monas Kontrollfanatismus bei ihrem Vater auf. KW hat jetzt die Krankenschwester Emma Lundin zur Freundin.

An der Absturzstelle des Flugzeugs in Mossby erfährt KW, dass es sehr tief geflogen sein muss, denn es war nicht auf dem Radarschirm aufgetaucht. Wahrscheinlich war es ein Drogenkurier, der seine Fracht abwarf. Auf dem Revier verhört KW vergeblich einen aalglatten Drogenhändler namens Holm, der Südschweden mit Heroin versorgt. Sein Haus liegt in der Nähe der Absturzstelle. Dort wurden starke Scheinwerfer bemerkt, die nun aber verschwunden sind: die Abwurfstelle?

Etwas mehr Erfolg hat Wallanders Order, in dem explodierten Haus der Schwestern Eberhardsson notfalls bis in den Keller zu graben. Heureka! Die Experten finden nicht nur die zwei verkohlten Leichen der Schwestern, sondern auch einen versteckten Safe, in dem sage und schreibe 5 Millionen schwedische Kronen deponiert sind. Diese enorme Summe haben die beiden sicher nicht mit ihrem Strickwarenladen verdient. Jemand hatte etwas gegen ihren Reichtum: Sie wurden per Genickschuss hingerichtet. War es Holm? Er ist untergetaucht.

Unterdessen fliegt Wallanders alter Vater nach Ägypten, um die Pyramiden von Gizeh zu besuchen. Diesen Vorsatz nimmt er ein wenig zu wörtlich, denn die Polizei buchtet ihn wegen verbotenen Besteigens der Cheops-Pyramide ein. Sie verlangen per Telegramm 10.000 Kronen Buße von KW, sonst muss sein Vater zwei Jahre lang in ägyptischen Gefängnissen schmachten. KW fliegt hin und überzeugt den Alten, dass der es zwei Jahre lang ohne Malen nicht im Knast aushalten würde. Auch KW bewundert die nachts angestrahlten Weltwunder.

Und dieser Anblick bringt ihn auf die zündende Idee: Wer konnte denn die starken Scheinwerfer besorgen, um dem Drogenkurierflugzeug die Abwurfstelle zu markieren?

Mein Eindruck
"Die Pyramide" ist ein ziemlich geradliniger Kriminalfall und wäre schon relativ früh vorhersehbar, wenn nicht Wallanders Ermittlungen mit Episoden aus seinem Privatleben variiert würden. Und auf dieser Seite seines Lebens hat er ja sozusagen die "Erleuchtung", um in dem festgefahrenen Fall die richtige, die wichtigste Frage zu finden. Denn die Pyramide ist auch der schematische Aufbau des Falles. KW hat drei Ecken des Falls, aber ihm fehlt sozusagen die Spitze des Kegels, der gemeinsame Nenner, um die richtige Lösung zu finden.

Wallander teilt uns auch seine Erkenntnis mit, dass sein Abmühen in dem Polizeijob ebenfalls einer Pyramide gleichkommt. Er und seine Kollegen mühen sich an zahlreichen kriminalistischen Fronten ab, doch die Spitze der Pyramide erreichen sie in den seltensten Fällen. So auch in diesem Fall. Wer waren die Geldgeber und Drahtzieher der Drogengeschäfte in Südschweden. KW wird es nie herausfinden, es sei denn, ihm kommt Kommissar Zufall zu Hilfe.

Denn am Ende der Geschichte gibt es einen erbitterten Schusswechsel, indem der Kommissar ins Kreuzfeuer gerät, und später einen toten Hauptzeugen. Dumm gelaufen, Herr Wallander.

Die Sprecher
Alle Sprecher klingen wie professionell ausgebildete Schauspieler. Yara Blümel beispielsweise war schon in dem Poe-Hörspiel "Die Maske des Roten Todes" zu hören. Heinz Kloss spricht wie schon in "Der Mann, der lächelte" unseren Lieblingskommissar. Allerdings klingt seine Stimme, wie gesagt, schon fast jugendlich. Sie hebt sich deutlich von der Stimme von Wallanders Mentor, dem alten Kommissar Rydberg (Peter Panhans), ab. Interessant fand ich den mit einem Akzent versehenen Ägypter Radwan, gesprochen von Marc Oliver Bögel.

Geräusche & Musik
Wie bereits angedeutet, gibt es zwei akustische Höhepunkte des Hörspiels: am Anfang und am Ende. Der Flugzeugabsturz klingt fast, als säße der Hörer selbst im Cockpit der Piloten. Keine Angst, hier stürzt kein Stuka mit lautem Geheul ab, sondern lediglich ein Sportflugzeug.

Das finale Feuergefecht schließlich findet auf Holms Bauernhof statt: Im Hintergrund bellt ständig ein Schäferhund, und Wallander stutzt, als das Bellen aufhört. Gerade noch rechtzeitig, denn schon in der nächsten Sekunde peitscht ein ziemlich realistisch klingender Schuss durch die hell erleuchtete Fensterscheibe, an der er eben noch stand. Man kommt sich vor wie im Wildesten Westen. Schade, dass diese CD keinen DD-5.1-Sound hat!

Die Musik von Bertling / Hagitte versteht es, auf wirkungsvolle Weise Spannung zu erzeugen und Bedrohung anzudeuten. Dies geht auch mit einfachen Mitteln, wie zu hören ist. Der Einsatz der Musik erfolgt niemals aufdringlich, sondern unterstützend.

Unterm Strich
Anders als in "Der Mann, der lächelte" sind diesmal keine Fehler in der akustischen Umsetzung festzustellen. Deshalb konnte ich das Hörspiel unbeschwert genießen: die geradlinige Kriminalhandlung um Drogenhandel wird durch mehrere Ereignisse in Wallanders Privatleben - vor allem die Verhaftung seines übereifrigen Vaters - variiert.

Interessant, dass die Erleuchtung, die Wallander zur Aufklärung des Falls verhilft, gerade aus dieser Nebenhandlung abgeleitet ist. Aber so arbeitet eben unser Gehirn manchmal: per Assoziation kommen in unseren Träumen die seltsamsten und verblüffendsten Verbindungen zustande.

Im Mankellschen Werk nimmt diese Erzählung sicher nur einen Platz auf den unteren Rängen ein, doch sie gewährt uns einen Einblick in die Anfänge des Meisterkommissars. Für Einsteiger liefert sie genaue Profile zur Hauptfigur, seinem Vater und seiner Tochter - allesamt Figuren, die im späteren Werk laufend auftauchen.

Der Dramaturg, die Produktionsgesellschaft STIL sowie die Regisseure haben zusammen mit den professionellen SprecherInnen saubere Arbeit abgeliefert, so dass ihnen die volle Punktzahl nicht vorenthalten werden kann.

Dieser Text entstand mit freundlicher Unterstützung und Genehmigung von Michael Matzer. Neben seiner Arbeit in der Welt der Datenverarbeitung schreibt Micheal Matzer professionell Rezensionen im Bereich der phantastischen Medien.

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Wertung

 

Gesamt:

(Gut)

Anspruch:

(keine Angabe)

Spannung:

(Unterhaltsam)

Brutalität:

(keine Angabe)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Autor:

Mankell, Henning

Erschienen:

Jan. 1999

Kritiker:

Michael Matzer

ISBN:

3-899-40457-2

ISBN(13):

978-3-8994-045-9

EAN:

9783899404579

Typ:

Taschenbuch

 

Henning Mankell

 

1948 wurde Henning Mankell in Nordschweden geboren und wurde dort von seinem Vater alleine großgezogen. Mit 17 zog er nach Stockholm, wo er als Regisseur arbeitete. Seit Anfang der 70er Jahre zog es ihn immer wieder nach Afrika, das für ihn zur Wahlheimat wurde.
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