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Canossa

Berger, Frederik

Rezension von Hyndara

Heinrich ist gerade erst sechs Jahre alt, als sein Vater, der Kaiser Heinrich III., stirbt. Auf den Schultern des Kindes lastet von jetzt an die Bürde der Herrschaft, denn er wurde bereits zum deutschen König gesalbt. Seiner Mutter Agnes gelingt es nicht, das väterliche Erbe zu halten, sie läßt sogar zu, daß ihr einzig überlebender Sohn entführt wird.

Doch Heinrich wächst, allen Unkenrufen zum Trotz, heran. Umgeben von Haß, Machtgier und Verrat besteigt er schließlich im Alter von 15 Jahren den Thron endgültig. Doch wenn er auch dachte, mit seiner Einsetzung hätte er die schwere Zeit hinter sich ... sie steht ihm erst noch bevor.

Und ein Fluch lastet auf ihm und seiner Cousine Mathilde. Ein Fluch, der ihm Krone und Leben kosten kann ...

Selten habe ich einen so gut recherchierten Mittelalter-Roman gelesen wie diesen. Sicher habe ich das eine oder andere zu mäkeln, doch was am Ende bleibt, ist eine meisterhaft erzählte Geschichte, ein bombastischer Hintergrund und eine bildreiche Darstellung.

Frederik Berger begibt sich auf die Spuren eines der umstrittendsten deutschen Könige und Kaiser. Einem Herrscher, dem noch heute der „Gang nach Canossa“ anhängt. Und ihm gelingt es, die Zerrissenheit Heinrichs zu zeigen, seine Geschichte zu erzählen, ohne ihn in den Himmel zu loben oder in die Hölle zu verdammen. Heinrich ist und bleibt bei ihm eines: ein Mensch.

Natürlich zeichnet ein Autor seine Figuren nach seiner Sympathie, und oft genug ist es gerade so, daß es die „Bösewichte“ in einer Geschichte sind, die den Schreiber derselben am meisten faszinieren. In diesem Roman allerdings hatte ich eher den Eindruck, alle, oder fast alle auftretenden Figuren haben Berger fasziniert. Die Charaktere sind meist liebevoll gezeichnet, mit kleinen und großen Schwächen und Stärken, mit Eigenheiten, die teils erheitern, teils aber auch Abscheu erregen.

Das einzige, was mich persönlich ein wenig störte, war das doch ziemlich negative Frauenbild, das Berger aufzeigt. Natürlich hatten gerade die Frauen im Hochmittelalter nicht allzu viel zu lachen, sie waren bestenfalls Bettgespielinnen und Gebärmaschinen. Was jedoch auffällt ist die sich selbst unterordnende Frau, die selbst vor der Figur von Mathilde nicht halt macht. Dabei ist gerade sie ein starker Pfeiler der gesamten Erzählung durch ihre teilweise offen zur Schau gestellte Dickköpfigkeit und ihr „Mannweibsein“. Doch wenn es hart auf hart geht, kuscht selbst sie und zieht sich mit eingezogenem Schwanz zurück.

Als positiv empfinde ich die überragende Bilddarstellung, die Berger verwendet. Vor allem seine Beschreibungen des Jahrtausendwinters im Jahre 1077 waren überragend. Stets gelingt es ihm, diese Bilder auch mit Emotionen zu füllen, kleine und große Erinnerungen der gerade erzählenden Figur. Selbst kleine „Schönheitspflästerchen“ läßt er dabei nicht aus, wie beispielsweise Heinrichs Stiefel während seines Bußganges nach Canossa (eine Kleinigkeit, die durchaus zum Schmunzeln einlädt).

Aberglaube und Phantastik mischen sich in dem Roman immer wieder. So mögen auf den ersten Blick die vielen „Gottesurteile“ ermüdend wirken, doch sie zeigen einen Gutteil der Überzeugung der mittelalterlichen Menschen auf. Auch der Fluch, der auf Heinrich und Mathilde liegt, scheint zunächst einmal keine große Rolle zu spielen - es sei denn, man betrachtet ihn durch die Augen der Figuren, die Berger so bildreich zum Leben erweckt.

Alles in allem kann ich „Canossa“ nur weiterempfehlen. Ein phantastisches Buch in jeder Beziehung, anspruchsvoll und doch so leicht, daß man es am liebsten gar nicht mehr aus der Hand legen würde.

Herstellerinfo:
„Der Preis deiner Liebe bist du selbst.“
Heinricht IV. und sein Kampf gegen den Papst und die Frau, die er liebt.

Deutschland im 11. Jahrhundert.
Nach dem Tod des Kaisers droht das Reich zu zerfallen. Heinrich, sein minderjähriger Sohn, gerät unter den unheilvollen Einfluß des Erzbischofs von Köln. Nur die Liebe zu Mathilde, seiner Cousine, läßt ihn Jahre der Bedrohung und des Verrats überstehen. Nachdem er den Thron bestiegen hat, wird er gezwungen, eine ihm fremde Adelige zu heiraten, und aus seiner Burg im Harz vertrieben. Doch Heinrich gelingt es, seine gefährlichsten Feinde zu besiegen und das Reich zu befrieden. Bis sich ihm ein noch größerer Widersacher entgegenstellt: Papst Gregor VII. strebt die Weltherrschaft der Kirche an. Ein schicksalhafter Kampf um die Macht beginnt. Als Heinrich, unterstützt von bewaffneten Anhängern, nach Italien zieht, bittet der Papst ausgerechnet Mathilde von Tuszien-Canossa, ihn in ihrer Burg aufzunehmen.

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Wertung

 

Gesamt:

(Extrem gut)

Anspruch:

(Anspruchsvoll)

Spannung:

(Spannend)

Brutalität:

(Vertretbar)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Ort:

Deutschland

Autor:

Berger, Frederik

Verlag:

Rütten & Loening, Berlin

Erschienen:

Aug. 2004

Kritiker:

Hyndara

ISBN:

3-352-00713-6

ISBN(13):

978-3-3520-071-2

EAN:

9783352007132

Typ:

Hardcover

 

Frederik Berger

 

Frederik Berger hat lange Jahre als Journalist und Literaturwissenschaftler gearbeitet, bevor er sich entschloß, freier Autor zu werden. Er lebte in England und Frankreich und schrieb zahlreiche Sachbücher. Im Aufbau Taschenbuch Verlag hat er außerdem zwei historische Romane veröffentlicht, die beide zu Bestsellern wurden: "Die Provençalin" sowie "Die Geliebte des Papstes" [mehr]

 

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