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Die Piraten des Südmeers

Alpers, Hans Joachim

Rezension von Stefan Sasse
Aus der Reihe "Das Schwarze Auge"

Klappentext: Ein grausames Schicksal zwingt den jungen Thalon, unter dem finsteren und geheimnisvollen Kapitän Eiserne Maske das Piratenhandwerk auszuüben. Er wird zum Spielball verfeindeter Machtblöcke im Südmeer. Als er mit seiner Geliebten flieht, zieht er nicht nur die Häscher seines Erzfeindes auf sich – er kommt auch einem ungeheuerlichen Geheimnis auf die Spur…

Das Buch besteht in Wahrheit aus deren gleich drei, die nur in einem Band zusammengefasst wurden. Namentlich sind dies „Hinter der Eisernen Maske“, „Flucht aus Ghurenia“ und „Das letzte Duell“. Im Preis-Leistungsverhältnis liegt das Buch also sicher im genießbaren Rahmen; im folgenden möchte ich zuerst eine klare Inhaltsangabe des Werkes angeben, die zwangsläufig bereits große Teile der Geschichte enthüllen wird. Für diejenigen also, die sich die Spannung nicht verderben wollen bietet sich an, den folgenden Text bis zur Leerzeile zu überspringen.

Die Geschichte beginnt in Ghurenia, der beherrschenden Stadt auf dem Südmeer-Archipel „Efferds Tränen“. Der Praefos Gorm herrscht in einem Schreckensregime über die Stadt und liegt andauernd im Clinch mit der Handelsherrin Canja Murenbreker, die sich zur mächtigsten Handelsherrin avanciert hat. Draußen auf dem Meer macht der gefürchtete Kapitän Eiserne Maske das Südmeer unsicher.
In einer Taverne dient der sechzehnjährige Thalon als Küchenjunge. Gut behandelt wird er nicht, und lieber heute als morgen würde er die ungastliche Stätte verlassen. Als er einen betrunkenen Tavernengast daran hindert, sich über eine der Schankmaiden herzumachen, wird er erst im allerletzten Moment von der Zwergin Cedira gerettet, die seinen Angreifer bewusstlos schlägt. Als Thalon wieder zu sich kommt, befindet er sich an Bord der „Schwarzen Rose“, dem Schiff von Eiserne Maske. Auch Parazzin, der Mann, dem er das Vergnügen raubte, ist an Bord. Nur die schützende Hand Cediras bewahrt ihn vor einem schnellen Tod. Thalon wird Schiffsjunge auf der „Schwarzen Rose“, auch wenn ihm das Piratenhandwerk zuwider ist – weg kann er nicht, denn Eiserne Maske hat ihn in den Kreis seiner Getreuen aufgenommen.
Gleichzeitig sendet der Praefos eine kleine Flotte zur Jagd auf den Piratenkapitän aus, an der sich auch die Murenbreker zu beteiligen hat. Doch der Ratgeber Murenius des Praefos spielt ein falsches Spiel: Zusammen mit Canja und einem mächtigen Dämon, der von Murenius’ Anhängern als Gott verehrt wird plant er Praefos zu werden anstelle des Praefos. Doch der Plan schlägt fehl; er wird von Canjas missratenem Sohn Nhood verraten. Murenius wird eingekerkert, seine Anhänger getötet. Der Praefos plant, ihn baldigst ebenfalls zu töten, doch Eiserne Maske macht ihm einen Strich durch die Rechnung: Ein einem gewaltigen Gefecht versenkt er das Schiff des Praefos, kann jedoch diesen nicht töten. Als er mit Thalon im Wasser schwimmt und nur noch das lose gordium, die Behausung des Bordschamanen ihnen Halt bieten kann verrät er Thalon und stößt ihn ins Wasser, da das gordium nur eine weitere Person tragen kann. An dieser Stelle endet das erste Buch; Thalon versinkt in de Fluten.
Das zweite Buch beginnt mit einer Einführung des Sklaven Cassim, der sein Gedächtnis verloren hat und im Steinbruch arbeiten muss. Als jedoch die Zwergin Cedira ankommt und ihn aufkauft, klärt sich auf: Es ist Thalon, und er hat sein Gedächtnis verloren. Vier Jahre sind vergangen seit jenen Ereignissen. Doch Thalon erinnert sich an nichts. Erst, als Risso das Schiff angreifen – Cedira fährt die „Seewolf“, Eiserne Maske ist nicht an Bord – und versuchen, Thalon zu entführen, erhält dieser das Gedächtnis über die ersten sechzehn Jahre seines Lebens zurück. Was jedoch in den vier Jahren seit dem Verrat Eiserner Maske geschah, von dem er niemandem erzählt weiß er immer noch nicht. Ein Rätsel allerdings gibt ihm Flacco auf, den er noch nie zuvor sah, der ihn jedoch immer hasserfüllt ansieht. Doch er lässt nichts verlauten und springt irgendwann zu den Haien. Thalon will Eiserne Maske nicht gegenüberstehen und bittet Cedira, ihn auf Spionageauftrag nach Ghurenia zu lassen. Dort will er mit seinem ärgsten Feind Murhadin abrechnen, der einst seine Mutter schändete und tötete und andererseits versuchen, ein Bündnis zwischen dem Handelshaus Murenbreker und Eiserne Maske gegen den Praefos herbeizuführen. Cedira gewährt ihm den Wunsch, und bald befindet sich Thalon in Ghurenia, wo er den Straßenjungen Babbil kennen lernt, der ihn jedoch in eine Falle lockt: Thalon wird komplett ausgeraubt und findet sich bei einer ihm Unbekannten Frau wieder. Doch sie kennt ihn ebenso wie die Diebe, die ihn ausraubten. Er erfährt, dass er ein guter Freund einer gewissen Kapitänin Chelchia sein soll, die jedoch kurz nach seinem Besuch von einem Dämon angefallen und ihrer Seele beraubt wird; der Dämon jedoch kann Thalon nichts anhaben. Nichts desto trotz wird Thalon gefangen und als Sklave verkauft; ausgerechnet der brutale Nhood Murenbreker kauft ihn, um ihn dem Praefos zu schenken, dessen engster Vertrauter er geworden ist.
In seinem Verschlag erhält Thalon bald Besuch: Alina, die Tochter Canjas hat sich in ihn verliebt, doch helfen kann sie ihm nicht. Als Thalon am nächsten Tag Murhadin vorgeführt wird, gelingt es ihm, ihn und seine Wachen zu töten und zu entkommen. Er nimmt Kontakt zu Cedira auf und will fliehen. Alina jedoch will mit ihm gehen, und so geraten sie beide an Bord der „Seewolf“ zurück, auf dem Weg zu Eiserne Maske. Hier endet das zweite Buch.
Zu Beginn des Dritten erobert Murenius, der den Untergang des Praefos-Schiffes überlebte mit seinem wieder erstarkten Kult die Insel Yongustra. Sie soll ihm als Operationsbasis dienen, doch fällt dabei der H’Vas, der dem Dämon bisher als Medium diente. Murenius soll nun diese Rolle übernehmen, die mit erheblichen Risiken für seinen Geist verbunden ist. Er benötigt einen H’H’Vas, und niemand eignet sich besser dafür als Thalon, in dem unerkannt eine magische Gabe schlummert…
Inzwischen nähert sich die „Seewolf“ mit Höchstgeschwindigkeit der „Schwarzen Rose“ – das Bündnis mit der Murenbreker ist endlich geschlossen. Eiserne Maske ignoriert seinen Verrat an Thalon, und bald wird ein Plan zur Vernichtung des Praefos geschmiedet: Drei Schiffe gegen die zwei, die der Praefos aussandte. Doch die Rechnung wurde ohne Murenius und seine Kultisten gemacht. Sie greifen erneut mit Risso an, vergiften Alina und versuchen so, Thalon zu erpressen. Eine Meuterei schlägt fehl, und Thalon erkennt, dass es nur einen Weg gibt, die Vergiftung aufzuheben: Murenius muss getötet werden. In einer fulminanten Schlacht fallen sowohl der Praefos als auch Nhood den vereinten Kräften von Eiserne Maske und Canja zum Opfer, doch Eiserne Maske rechnet nun mit Thalon ab: Er fordert ihn zum Zweikampf auf den Tod, um dadurch den unbequemen Mitwisser letztlich doch zu beseitigen…

Soweit zur Geschichte. Zu ihr lässt sich sagen, dass sie überaus spannend ist, überraschende Wendungen bietet, dass die Charaktere sehr gut ausgestaltet wurden und schlussendlich noch, dass am Schluss das Geheimnis von Eiserne Maske gelüftet wird. Die Story an sich ist also tadellos, man kann nichts mehr erwarten. Auch der Schreibstil ist flüssig und gefällt, auf Klischees wird nicht allzu sehr herumgeritten, wenn auch die – typisch aventurische – Gleichberechtigung der Geschlechter und vor allem sexuellen Neigungen mal wieder stark überdehnt wird – zumindest in meinen Augen. Dieses Problem führt dazu, dass unglaublich viele Kapitäninnen herumlaufen und praktisch kein einziger Kapitän. Man erhält beim Lesen fast den Eindruck, als seien die Frauen der bei weitem überwiegende Teil der Protagonisten, auch wenn dem bei weitem nicht so ist, die Verteilung liegt knapp bei 50-50. Ich möchte nicht chauvinistisch erscheinen, Rahja und Tsa bewahren, doch wirkt es recht unrealistisch, so sehr die Gleichberechtigung in Aventurien auch propagiert wird. Doch an diesem Punkt scheiden sich bekanntlich die Geister, deshalb muss jeder mit sich selbst ausmachen, in wie weit er mit dieser Sicht der Dinge übereinstimmt.
Meine Aufzählung lässt bereits den Verdacht keimen, dass allem noch ein dickes, fettes „aber“ folgen muss. Und dem ist wirklich so: Bei allen erzählerischen Qualitäten, der Vielfalt der Story und den tollen Hauptdarstellern, Alpers übertreibt ein Element ins schier Unerträgliche. Spätestens seit Kiesows „Das zerbrochene Rad“ wissen wir, dass Sex in Aventurien noch freizügiger gehandhabt wird als in unserer heutigen modernen, liberalen, toleranten und aufgeklärten Zeit. Doch was hier abgezogen wird ist schier unzumutbar: Kein Kapitel kommt ohne die Beschreibung irgendeinen Liebesaktes aus, und nur die Thematik scheint zu verhindern, dass oronische Bräuche beschrieben werden. Es macht wirklich keinen Spaß, bei jedem Protagonisten die Geschlechtsteile als vorherrschende Körpermerkmale beschrieben zu bekommen. Alpers schildert jeden Penis, jeden Busen so detailreich, als wollte er den Leser zu Vorstellungen animieren, die jenseits des Verwendungszwecks eines DSA-Romans liegen – dieser Eindruck wird durch die vielen Sex-Szenen noch verstärkt. Bis auf Thalon hat jeder Charakter nichts als Sex im Kopf und will ständig rammeln – manche tun es lediglich aus Notwendigkeit heraus nicht. Und selbst Thalon darf nachher noch loslegen, dass die Wände wackeln – die des Schiffes. Sicher, in eine Piratengeschichte gehört schon das Vergewaltigen mit hinein, aber explizit beschrieben werden muss es deshalb noch lange nicht, und schon gar nicht jedes Mal.
Auch bei anderen unappetitlichen Details spart Alpers nicht, insbesondere, was die körperlichen Unansehnlichkeiten des Praefos angeht, noch spritzendes Gedärm im Kampf oder die detaillierte Beschreibung des Gestankes entweichender Faulgase aus aufgeschlitzten Körpern. Mag sein, dass dies eine Sichtweise des Kampfes als großes Übel fördern soll, in einer Piratengeschichte, die das flinke (und an sich unblutige) Klingenspiel als ein dominierendes Kontingent enthält sollte man sich hier ein wenig zurücknehmen.

Tolle Story, tolle Charaktere, aber viel zu viel Sex und Gewalt für das Genre.

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Wertung

 

Gesamt:

(Gut)

Anspruch:

(Reiselektüre)

Spannung:

(Spannend)

Brutalität:

(Brutal)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Serie:

Das Schwarze Auge

Autor:

Alpers, Hans Joachim

Verlag:

Heyne, München

Erschienen:

Nov. 2003

Kritiker:

Stefan Sasse

ISBN:

3-453-20692-4

ISBN(13):

978-3-4532-069-2

EAN:

9783453206922

Typ:

Taschenbuch

 

Hans Joachim Alpers

 

Alpers, Hans Joachim

Hans Joachim Alpers ist als Romanautor, Herausgeber und Mitbegründer des ´Schwarzen Auges´, bekannt geworden. Nach einer Lehrzeit auf einer deutschen Werft und dem Erlangen der Ingenieurswürde, wandte er sich schon bald der Schreiberei zu und blickt heute auf zahlreiche Romane und Erzählungen zurück.
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Das Schwarze Auge begann als eines der ersten Rollenspiele in Deutschland und gilt bis heute als das bekannteste. Aventurien, der Hintergrundkontinent des Schwarzen Auges, ist eine typische Fantasywelt mit Zwergen, Elfen und Orks, mit Magiern, Kriegern und Geweihten. Was sie so besonders macht, ist die fortlaufende Geschichte [mehr]

 

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