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Die Klapperschlange

Carpenter, John; Castle, Nick

Rezension von Marcel Dykiert

„Call me Snake!“

1997 leben in Manhattan etwa 3 Millionen Menschen – alles Schwerverbrecher; Drei Millionen Mörder, Räuber, Vergewaltiger und durchgeknallte Irre. Aufseher oder Wärter gibt es nicht und wozu auch? Die Zufahrtsstraßen sind vermint, die Wasserwege werden von Patrouillenbooten und Hubschraubern überwacht.
Was ist passiert? Wir wissen es nicht so genau. Fakt ist, dass die USA sich in ein totalitäres, um nicht zu sagen, faschistoides System verwandelt hat und Manhattan ihr größtes Gefängnis darstellt. Manhattan, das ist gleichbedeutend mit lebenslänglich, denn rein kommt man ganz leicht, raus ist unmöglich.
Ausgerechnet in diesen brodelnden Hexenkessel der Anarchie und des Faustrechts stürzt die Air Force One, auch in dieser fernen Zukunft noch immer die Maschine des Präsidenten, ab. Die Rettungskapsel schlägt in Midtown Manhattan ein und eilig herbeigerufene Soldaten, die die ganze Gegend sofort sichern, finden nur noch einen leeren Escapepod vor. Die Katastrophe ist perfekt. Nicht nur, dass es ein Schlag ins Gesicht der amerikanischen Regierung ist, dass ihr eigener Präsident in einem ihrer Hochsicherheitsgefängnis ums Leben kommt, der Mann ist auch eine zentrale Integrationsfigur für die anstehenden Verhandlungen mit den Chinesen; Diese Verhandlungen entscheiden über den Ausbruch eines dritten Weltkrieges!
Jemand muss rein, die Präsidenten finden und wieder raus. Ein Selbstmordkommando, für das nur ein Mann in Frage kommt; Snake Plissken. Der hochdekorierte Ex-Lieutnant sitzt wegen seiner Verbrechen, die er als Zivilist begangen hat, selbst zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe ein und so bietet man ihm einen unglaublichen Deal an: Seine Strafe wird ausgesetzt, wenn er den Präsidenten wieder rausholt.
Plissken stimmt zu. Um sicher zu gehen, dass der Soldat keinen Unsinn macht, implantiert man ihm einige Mikrosprengkörper, jeder winzig klein, doch mit genügend Detonationskraft, um seine Arterien zu zerfetzen. Snake, bis an die Zähne bewaffnet und mit einem Peilsender ausgerüstet, lässt sich mit einem Ultraleichtflugzeug auf dem Dach eines Hochhauses absetzen. Ihm bleiben 24 Stunden seine Mission zu erfüllen, danach ist er ein toter Mann.

Und so beginnt Snakes wilde Verfolgungsjagd durch die Häuserschluchten des zerstörten New Yorks, in den Ruinen, durch die Keller und Bahnhöfe. Schnell erkennt er, dass ein Mann, der unter den drei Millionen Gangstern der schlimmste ist, der Duke, den Präsidenten hat. Ein erbitterter Kampf entbrennt ...

Hätte es irgendjemand für möglich gehalten, dass es einen Action Film gibt, bei dem die – reichlich vorhandene – Action zur Nebensache wird? Ich hätte es nicht geglaubt, aber „Die Klapperschlange“ ist genau das. Ein Action Film, dessen Bilder so eindringlich sind und dessen Protagonist so ungefähr das coolste ist, was annährend 100 Jahre Filmgeschichte hervorgebracht haben, dass alles andere zur Nebensache wird.
Horroraltmeister John Carpenter, der sich vor allem mit seinen Filmen „Halloween“, „The Fog – der Nebel des Grauens“ oder „Die Mächte des Wahnsinns“, um eine jüngere Produktion zu nennen, unsterblich gemacht hat, machte 1981 einen Ausflug in die Action/ Sci Fi Sparte und nimmt den Zuschauer auf einen unglaublichen Trip mit.
„Die Klapperschlange“ steht einsam an der Spitze einer kaum zu überschauenden Zahl von ähnlichen Titeln und verdient sämtliche Auszeichnungen.

Seinen spröden Charme verdankt der Film, neben den bedrohlichen Kulissen und der düsteren Geschichte, eindeutig Kurt Russell, der hier in der Rolle seines Lebens zu sehen ist.
Snake Plissken ist einer der ganz wenigen, echten Anti-Helden, die Hollywood jemals hervorgebracht hat. Plissken ist alles egal, der Präsident ebenso wie der dritte Weltkrieg oder seine Gefängnisstrafe. Er geht nach Manhatten, um seinen Job zu erledigen: In dieser Geisteshaltung erinnert er stark an Clint Eastwood in dem Klassiker „Für eine handvoll Dollar“. Plissken kennt keine Gefühle der Rache oder Ehre, er hat einen Deal und kocht ansonsten sein eigenes Süppchen. Er verfügt über keine comichaften Megakräfte, steht einfach nur da, mit seiner Augenklappe und seiner Kippe und trotzdem spürt man sofort; dieser Mann würde sogar noch einen Weg finden, Superman über den Haufen zu schießen! Konsequenterweise stellt ihm die Geschichte auch keine Frau zur Seite. Die Liebesgeschichte ist für Männer, die noch Hoffnung haben, die in den Sonnenuntergang reiten, weil am Ende alles gut wird. Snake gehört nicht zu ihnen. Er hat keine Frau, er schleppt kein Foto seines Sohnes mit sich rum und seine Mitmenschen sind ihm schlicht sch...egal. Draußen erwartet ihn nichts, aber es ist immer noch besser, als da, wo er jetzt ist.
Snake Plissken wurde deshalb oft als ein Nihilist bezeichnet – zurecht. Kurt Russell ist, wie gesagt, die perfekte Verkörperung dieses Mannes, auch wenn seine schauspielerischen Fähigkeiten ja sonst nicht so berühmt sind.

John Carpenter gelingt es wieder einmal, mit wenig Geld den Eindruck zu erwecken, er hätte eine Großproduktion abgeliefert und auch wenn Russells Perfomance im Zentrum der Aufmerksamkeit steht, so sind auch die anderen Figuren nicht übel; Harry Dean Stanton, Oscar-Preisträger Ernest Borgnine, Carpenters Ehefrau Adrienne Barbeau und Donald Pleasence runden das stimmige Gesamtbild ab.

Carpenters Soundtracks sind ja immer so eine Sache; der Meister greift grundsätzlich selbst in die Tasten und das bietet unzweifelhaft den Vorteil das die Musik immer – und so auch hier – die Atmosphäre genau einfängt, wiederspiegelt und verstärkt, aber auf der anderen Seite muss ich schon sagen, dass die Synthie-Mucke einfach grässlich ist.

Die DVD passt zwar gut zu Snake Plissken, mit nichts, als dem nackten Film darauf, aber als Filmfreund und Fan der „Klapperschlange“ hätte man sich doch etwas mehr gewünscht. Immerhin, der hervorragende Ton ist in deutsch und englisch in dolby digital 5.1 zu hören, das etwas merkwürdige Bildformat beträgt 2,2:1, ist aber glasklar und sauber digitalisiert worden.
Mehr gibt es nicht zu sagen, weil sonst nichts, N-I-C-H-T-S, auf der DVD drauf ist. Ich hoffe sehr, irgendjemand hat für diese Entscheidung seinen Job verloren, ahne aber, dass ein solches Meisterwerk sich auch nur mit der deutschen Tonspur sehr gut verkaufen würde ...
Gerade auf den DVDs von John Carpenter Filmen ist man ja eigentlich zumindest ein kurzes Making-Of, ein paar Interviews, Herrgottnochmal, wenigstens einen Trailer gewöhnt! Nun gut, dem eigentlichen filmischen Genuss tut das natürlich keinen Abbruch, also ...

... keine DVD Sammlung darf sich als solche bezeichnen, wenn nicht die „Klapperschlange“ mit von der Partie ist.

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Wertung

 

Gesamt:

(Extrem gut)

Anspruch:

(Anspruchsvoll)

Spannung:

(Fesselnd)

Brutalität:

(Bluttriefend)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Ort:

USA

Zeit:

Die Zukunft - 1997

Autor:

Carpenter, John

Verlag:

BMG

Erschienen:

Jul. 2002

Kritiker:

Marcel Dykiert

Typ:

DVD

 

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