 | Pandoramicum Rezension von jpk Aus der Reihe "Engel (D20)" Als Feder & Schwert im Jahre 2002 auf der Buchmesse mit ihrem Comic "Pandoramicum" auf der Buchmesse erschienen und der Band im Comicsalon, eine feste Institution im Comicbereich der Buchmesse, besprochen wurde, ernteten sie Lob und Prügel. Lob besonders für ihre stimmungsvolle, gute Geschichte und ihr mutiges Layout, Prügel für das zu sehr glänzende Papier und für die Computersprechblasen und das Computerlettering. Insgesamt ein Fazit, das ein Verlag zufrieden stimmen kann, der für sich dieses Neuland bearbeitet. Bei Engel Pandoramicum handelt es sich um einen Comic, der in dem Kontext des Rollenspiels Engel platziert ist. Eine Kenntnis des Rollenspiels oder der begleitenden Romane ist nicht erforderlich, aber erfreulich. Ob man mit dem Comic in die Romane und später ins Rollenspiel einsteigt, oder in einer beliebigen anderen Reihenfolge, ist für den Lesegenuss unerheblich. Lediglich, wenn man sich das eine oder andere entgehen lässt, dann verpasst man wirklich was. Zeitlich ist der Comic innerhalb der Romane um den gefallenen Engel "Hiob" (siehe andere Rezensionen aus der Serie) angesiedelt. Wenige Personen treten auch in beiden Werken auf, doch ein echter Bezug zwischen den Romanen und dem Comic findet sich nur in der Gleichzeitigkeit mit dem ersten Band. Ansonsten haben beide nichts miteinander zu tun. Der Comic ist in einem festen Einband mit dem für die Engel-Reihe typischen Cover versehen. Die Story selber ist in dunklem Schwarz/Weiß gehalten, wobei kräftige Tuschelinien und starke Kontraste dominieren. Sie übermitteln gekonnt die düstere und bizarre Atmosphäre des Comics und zwingen zur genauen Betrachtung der einzelnen Panels. Die Zeichnungen konzentrieren sich auf das Wesentliche, Detailverliebtheit kann man Dieter Jüdt nicht vorwerfen. Dafür fängt er die Dynamik der Ereignisse und Bewegungen innerhalb der mystischen Grundstimmung des Engel-Universums besten ein. Die Geschichte nimmt als Hauptperson die kleine Lâle, die ihrem Bruder in den Himmel der Ragueliten gefolgt ist. Ihr Bruder wurde als kleiner Junge entführt und mit Hilfe der geheimen Technologie der Ragueliten zu einem Engel geformt. Dabei wurde das Gedächtnis des Jungen weitgehend gelöscht. Nur in Bruchstücken kann er sich an seine Schwester erinnern. Der Himmel, das turmhohen Gebäude und Sitz, der Ragueliten ist bedroht. Ein Fegefeuer ungeheuren Ausmaßes, ein breiter Strahl unlöschbaren Feuers, zielt auf die heilige Stätte. Standhaft weigern sich die Oberen den Warnungen eines mystischen Wanderers zu glauben. Sie sind sich sicher, dass das Fegefeuer an dem Himmel vorbei ziehen wird. Sie glauben es nur mit der Traumsaat, jenen halbintelligenten Insektenwesen, zu tun zu bekommen, die immer im Schatten des Fegefeuers folgen und wie eine schwarze Armee über die verbrannten Länder herfallen. Kai Meyer entwarf die Geschichte des Comics. Der Autor ist namentlich bekannt durch seinen Roman "Rattenzauber", die Serie "Sieben Siegel" und einer Vielzahl weiterer Romane. Weniger namentlich, aber auch bekannt ist seine "Nibelungen" Serie, die er unter dem Pseudonym " Alexander Nix" verfasste. Der auch in Drehbüchern erfolgreiche Autor garantiert eine packende Story, die sich nach und nach entfaltet. Seine Erfahrung im Filmgenre, er studierte in Bochum Film- und Fernsehwissenschaften und arbeitete für die UFA-Filmillustrierte, Moviestar und die Enzyklopädie des phantastischen Films, schlägt sich auch in dem Ablauf der Geschichte wieder. Man hat förmlich den Eindruck, dass Schnitttechnik bei der Szenenwahl eine Rolle spielt. Insgesamt ein sehr guter Comic, mit packender Geschichte und überzeugenden Zeichnungen. Lediglich das von anderen schon kritisierte Lettering mit den immer gleichen Blasen und Schriftzeichen ist unangenehm. Aber nach einer Weile des Lesens, stört auch das nicht mehr und man kann das Comic voll und ganz genießen.
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