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In der Hölle

Shirley, John; Körber, Joachim

Rezension von Tanja Thome

Positives Feedback von bekannten Autoren gab es für John Shirleys „In der Hölle“. So ist auf dem Klappentext nicht nur ein Kommentar von William Gibson zu lesen, sondern auch ein sehr aussagekräftiger von Clive Barker: „John Shirley ist ein Abenteurer, der mit visionären Geschichten aus finsteren und beunruhigenden Regionen zurückkehrt.“ Dass der Titel dann auch noch bei Edition Phantasia, die bekanntlich ein sehr ausgesuchtes Phantastikprogramm anbieten, in deutscher Erstausgabe erhältlich ist, ermuntert nur noch mehr, sich das 151-seitige Taschenbuch mit stabilem Umschlag zuzulegen – trotz oder gerade wegen der auf der Buchrückseite angedeuteten schrägen Geschichte.

H ist ein Wesen aus einer höheren Dimension und hat wahnsinnigen Spaß daran, die Menschen zu beobachten. Noch mehr Spaß hat er allerdings daran, die Menschen zu manipulieren, sie auf unterschiedliche Arten zu unsinnigen, panischen oder gar wahnsinnigen Taten zu bringen.
Hs Highlight ist ein ganz spezielles Experiment, bei dem er ausgesuchte Menschen zusammen in einen begrenzten Raum im Nirgendwo sperrt. Es gibt Nahrung, Getränke, Aufenthaltsräume – und jede Menge spitzer Gegenstände, die beispielsweise zu Mord oder Suizid einladen. Der Plan des Wesens geht jedoch nicht auf, und so lässt sich H immer mal wieder etwas Neues einfallen. Er begrenzt den zur Verfügung stehenden Raum und treibt seine Versuchsobjekte in die Enge in der Hoffnung, sie damit zugleich in den gewünschten Wahnsinn zu führen.
Und sein Plan scheint aufzugehen, als die ersten Menschen sterben und feststellen, dass sie fast augenblicklich völlig unversehrt wiedergeboren werden. Sie kreieren einen neuen Sport: zu töten.

Dieser Titel bringt eine große Hürde mit sich: ihn bis zum Ende durchzulesen. Zunächst erschweren häufig eingesetzte eckige Klammern das Lesen. Diese wurden verwendet, um deutlich zu machen, dass die Wesen mit Buchstaben statt Namen in all ihrer „Sphärlichkeit“ viele Worte und Floskeln der Menschen nicht kennen und ihrerseits Kommunikationsformen haben, die die Menschen nicht verstehen. Eine nette und durchaus plausible Idee, die man allerdings auch auf weniger anstrengendem Weg hätte einbringen können.
Bis das große Experiment von H startet, ändert sich zudem ständig der Schauplatz. Hat man sich gerade daran gewöhnt, ein kindliches Geschwisterpaar und ihre Geschichte kennen zu lernen, wechselt der Schauplatz und man steckt im Alltag eines Filmproduzenten, dann in dem einer Maklerin, in einem Pfleger, einem Polizisten … Irgendwo dazwischen lernt der Leser auch die Personen kennen, die später Teil des Experiments werden, nur fällt es schwer, dann noch genau zu wissen, wer wer war, warum, mit wem und überhaupt.
Die dargestellte Brutalität mag nicht unrealistisch sein, zeigt jedoch Extreme und bewegt sich am Rand der Geschmacklosigkeit bis zu einem Stück darüber hinaus.

Dabei ist die Grundidee keine schlechte und der zweite Teil des Buches hat ebenso seine Stärken wie der Schluss – das Beste des ganzen Buches. Aber wer mag schon hundert Seiten lesen, die einen nerven und stellenweise vielleicht auch anekeln, nur um dann einen recht gelungenen Schluss zu lesen?
Das Experiment selbst nutzt im Grunde dieselben Elemente, die auch Filme wie „Cube“, „Saw“ und andere zum Erfolg geführt haben. Mehrere Menschen grundlos und ohne Reize von außen in einen begrenzten Raum zu pferchen, verfehlt selten seine Wirkung, so auch hier. Nur, dass der Tod hier nicht das Ende ist, meistens zumindest nicht.

Nein, von einem so gelobten Titel hätte man mehr erwarten können. „In der Hölle“ zählt zu den Büchern, die man (vielleicht) einmal liest, dann aber außer Reichweite legt und nie wieder in die Hand nimmt, zu den Büchern, die man so schnell vergisst, wie man es bei den teils ärgerlichen, teils verstörenden Inhalten eben kann. Vielleicht meinte Barker mit seiner Aussage, die auf dem Klappentext abgedruckt ist, ja auch John Shirley als gesamte Person, nicht dieses Werk. Das würde einiges erklären.


Eure Meinungen:


Das Buch ist bärenstark, für Weicheier allerdings nicht geeignet. Der Rezensent sollte bei Gebrüder Grimm bleiben.
[christian wilkens]

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Wertung

 

Gesamt:

(Geht so)

Anspruch:

(Entspannend)

Spannung:

(Langatmig)

Brutalität:

(Ekelhaft)

 

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Weblinks:
Edition Phantasia, Bellheim

 

Infos

 

Sprache:

Deutsch

Autor:

Shirley, John

Verlag:

Edition Phantasia, Bellheim

Erschienen:

Jul. 2007

Kritiker:

Tanja Thome

ISBN:

3-937-89722-4

ISBN(13):

978-3-9378-972-6

EAN:

9783937897226

Typ:

Taschenbuch

 

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