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Der Schwur

Lescroart, John T.

Rezension von Joachim Dörr
Aus der Reihe "Dismas Hardy"

wer die hierzulande seit jahren angeheizt geführte diskussion um die kostensenkung im gesundheitswesen verstehen will, wird in diesem juristisch untermalten kriminalroman mit anwalt dismas "diz" hardy auf die richtige spur gebracht. arztkosten, "echte" und "nachgemachte" medikamente, krankenhaustagegelder, versicherungsprämien, zuzahlungsverpflichtungen, wunschleistungen, gehälter für krankenhauspersonal und ärzte, dienstpläne für das pflegepersonal, bettenbelegpläne, allgemein steigende lebenshaltungskosten, apparatemedizin - all das wird angesprochen und dient dazu, den kampf gegen den drohenden bankrott einer krankenversicherung, die kurz vor der pleite steht, zu veranschaulichen. diese krankenversicherung, vor rund fünfzehn jahren von malachi ross und tim markham gegründet, betreibt unter anderen das krankenhaus portola und versichert beinahe alle bediensteten der stadtverwaltung von san francisco. um die unausweichlich scheinende pleite abzuwenden, fordert markham von der stadt san francisco eine nachzahlung von mehr als 13 millionen dollar für bereits erbrachte zusatzleistungen. natürlich zahlt eine stadtverwaltung nicht sofort, sondern läßt den anspruch erst einmal überprüfen, doch vertritt auch die untersuchende staatsanwältin die auffassung, man sollte das krankenhaus portola nicht einfach schließen und die versicherung pleite gehen lassen. zu viele arbeitsplätze hängen daran, und außerdem die öffentliche meinung: weil fast alle angestellten der stadt dort versichert sind, könnte der eindruck entstehen, dem bürgermeister sei die gesundheit seiner bediensteten nichts mehr wert, und das könnte bei der nächsten wahl entscheidende stimmen kosten. tim markham hat diese nachforderung ohnehin nur als kurzfristige deckung betrachtet, das eigentliche finanzproblem seiner versicherungsgesellschaft ist mit so einer einmalzahlung nicht zu lösen. malachi ross, selbst arzt und zuständig für den medizinischen "betrieb" des krankenhauses, hat bereits drastische sparmaßnahmen eingeführt und eine liste mit generica vorgeschrieben - nur diese mittel dürfen verordnet werden.

während die stadt noch prüft, ob markhams anspruch zurecht besteht, wird dieser beim allmorgendlichen joggen von einem auto über den haufen gefahren, ins nächstliegende krankenhaus (welches wohl?) gebracht und stirbt dort wenige stunden nach der einlieferung in der intensivstation. schon hier legt lescroart die eine oder andere falsche fährte, denn in dieser intensivstation taucht der unter ärzten nicht gern gesehene ross ebenso auf wie markhams rechte hand, driscoll, aber auch witwe markham stürmt in die intensivstation und beschuldigt den behandelnden arzt, kensing, ihren mann nicht gerettet, sondern umgebracht zu haben. grund dafür hätte kensing, denn markham hat seit zwei jahren eine affäre mit kensings frau, ist aber gerade wieder zu seiner gattin reumütig zurückgekehrt. kensing ist verbittert, daß witwe markham annehmen könnte, er hätte seinen hippokratischen eid vergessen, und macht die sarkastische bemerkung: "natürlich habe ich ihn umgebracht, ich habe ihn mit scheiße vollgepumpt!". diese unbedachte äußerung macht kensing zum hauptverdächtigen von mordkommissionschef abraham "abe" glitsky, denn, wie sich bei der routinemäßig fälligen autopsie herausstellt, ist markham nicht seinen schweren verletzungen erlegen, sondern mit potassium vergiftet worden: mord! zudem wird kensing von einem ermittelnden polzisten gesehen, als er spät abends das haus der markhams verläßt, und am anderen morgen wird die ganze familie (samt hund) erschossen aufgefunden.

jetzt kommt dismas hardy ins spiel, auf bitten eines gemeinsamen freundes hin übernimmt er kensings verteidigung. im gespräch mit krankenhausangestellten erfährt hardy von anderen fällen, bei denen der tod in der intensivstation überraschend schnell eingetreten ist, auch wenn der patient letztlich wahrscheinlich nicht mehr gesundet wäre. hardy überzeugt den chefpathologen, in zwei der zweifelhaften todesfälle eine erneute autopsie vorzunehmen. ergebnis, zumindest in einem fall: mord! aber nicht durch potassium, sondern ein anderes gift, das ebenfalls in allen krankenhäusern zu finden ist.
abe glitsky, hardys freund, chef der mordkommission, schließt messerscharf, daß es sich um zwei verschiedene täter handeln muß, daß aber der mörder von tim markham auch die familie markham "hingerichtet" hat. glitskys einziger verdächtiger bleibt dr. kensing, doch der hat für die tatzeit des massenmordes ein hieb- und stichfestes alibi, wie hardy zu dessen entlastung herausfindet. in peinlich genauer kleinarbeit ermittelt die polizei im falle des krankenhausmordes weiter, aber auch die suche nach dem flüchtigen autofahrer, der markham tödlich verletzt hat, wird fortgesetzt. hier legt lescroart wieder einmal eine falsche fährte (für grüne autos) und erwähnt einen aufkleber (sticker), den eine zeugin (ebenfalls eine frühaufstehende joggerin) auf der hinteren stoßstange des flüchtenden fahrzeugs gesehen hat. der fahrer des grünen autos wird nicht gefunden, doch hardys hartnäckiges studium der klinikakten und des internen briefwechsels zwischen ross, markham und anderen krankenhausbediensteten führen ihn auf die richtige spur. und wie schon v.i.warshawski, die heldin von sara paretsky, gesagt hat: follow the money!

john lescroarts romane um seinen serienhelden dismas hardy und dessen familie sowie freundeskreis (der erste erschien auf deutsch als "der deal ["dead irish"]" bei heyne 1995) sind immer spannungsgeladen. auch diesmal ahnt bzw. weiß der leser, daß dr. kensing nicht der bösewicht des stückes ist, aber ob es hardy gelingt, seinen mandanten von diesem ungeheueren vorwurf zu entlasten, und ob es der polizeitruppe rund um abe glitsky gelingt, den wahren mörder zu enttarnen und dingfest zu machen, weiß der leser fast bis zur letzten seite nicht. das innenleben des helden hardy, seine stellung innerhalb der familie und seine beziehung zu seiner frau frannie und den beiden kindern wird ebenso feinfühlig dargestellt wie sein verhältnis zu seinen freunden (glitsky der polizist, freeman der juristische mentor, elliott der journalist, moses der kneipenbesitzer, pico der haifischretter und andere) und berufskollegen. das krankenhausleben in portola ist so wirklichkeitsgetreu, wie man es sich in einem kriminalroman nur vorstellen kann. freilich hat lescroart in der figur von zwei "neulingen" bei der mordkommission, die eigentlich zur verkehrspolizei gehören, auch für komische momente gesorgt. und verblüffend folgender kunstkniff: die ethischen gedanken über machbare (langwierige und kostspielige) gerätemedizin und gnadenvolle (standeswidrige und strafbare) euthanasie überläßt lescroart einem krankenpfleger, also jemandem, der den hippokratischen eid nicht abgelegt hat. alle personen der haupthandlung werden lebensecht geschildert, die liebe des autors zum detail ist unübertroffen, und außer dem justiz- und polizei- und arztroman flicht lescroart als weiteren handlungsstrang noch (mindestens) einen liebesroman in sein neuestes werk ,"der schwur".

dies ist der dritte krimi von lescroart mit hardy und co., den ich gelesen habe, und alle mit großem vergnügen. sehr empfehlenswert! jmd

(übrigens sollte der originaltitel "the oath" richtiger mit "der eid"
übersetzt werden, denn es handelt sich eben um den e i d des hippokrates - n i c h t um den schwur.)

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Wertung

 

Gesamt:

(Extrem gut)

Anspruch:

(Anspruchsvoll)

Spannung:

(Fesselnd)

Brutalität:

(keine Angabe)

 

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Infos

 

Sprache:

Deutsch

Serie:

Dismas Hardy

Autor:

Lescroart, John T.

Verlag:

Heyne, München

Erschienen:

Jan. 2002

Kritiker:

Joachim Dörr

ISBN:

3-453-21406-4

ISBN(13):

978-3-4532-140-4

EAN:

9783453214064

Typ:

Taschenbuch

 

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